„WiWo“-Bericht: Sparkassen instabil

So instabil sind unsere Sparkassen, titelte die Wirtschaftswoche in einem Bericht und mahnte vor einem möglichen Zusammenbruch des so sicher geglaubten Finanzinstituts. Aus einem „streng vertraulichen Bericht“ der Bankaufsicht geht laut Wirtschaftswoche hervor, dass die Rettung der HSH Nordbank die gesamte Sparkassen-Gruppe gefährdet und an den Rand des Kollaps führen kann.

HSH Nordbank gefährdet die Sparkassen

Die HSH Nordbank ist seit 2008 nicht aus der Finanzkrise herausgekommen. Da sie vor allem Reedereien finanziert hat, deren Geschäfte unverändert schlecht laufen, werden Kredite nicht zurückgezahlt. Hamburg und Schleswig-Holstein wollen die Bank retten, die EU-Kommission erlaubte die Staatshilfen zur Rettung. Trotz erheblicher Zweifel der EZB an der zukünftigen Wirtschaftlichkeit der Bank.

Bis 2018 haben die Eigentümer Hamburg und Schleswig-Holstein nun Zeit die Bank zu verkaufen. Ansonsten wird sie abgewickelt. Und das trifft die Kunden. Bei einem Ausfall der HSH sei „mit unmittelbaren und breiten Auswirkungen für Sparkassen in allen deutschen Verbänden und deren Kunden zu rechnen“, heißt es im Bericht der Bankaufsicht. Seit Jahren bewegt sich das Finanzinstitut nah an der Katastrophe.

Anleihen wurden als „sicher“ verkauft

Die regionalen Sparkassen in Schleswig-Holstein sind mit rund fünf Prozent an der HSH beteiligt. Vor allem aber wären „die Kassen in Ost- und Süddeutschland stark betroffen“. Auch die Kunden würden haften, da ihnen Anleihen von Landesbanken verkauft wurden. „Sollten die Anleihen ausfallen, wäre das für die Sparkassen dramatisch, weil sie diese als absolut sichere Produkte angepriesen haben“, so ein Vorstand.

Abwicklung kostet Milliarden

Bei einer Abwicklung der Bank wären die Verluste enorm. Bis zu elf Milliarden Euro, gemäß der Analyse der Bankenaufsicht. Laut Gesetz springen bei der Rettung einer Bank zuerst die Gläubiger ein, bevor sich der Staat beteiligt. Dieses Abwicklungsgesetz greift nachdem alle Rettungswege gescheitert sind. Die Sparkasse muss für die Bank haften, da diese in ihrem Haftungsverbund liegt. Für Sparkassen und Landesbanken könnte die Abwicklung schwerwiegende Folgen haben. Sie könnten sich eine Institutionssicherung nicht mehr leisten und die Sparkasse würde das Privileg verlieren, für Forderungen an Landesbanken nicht mit dem eigenen Kapital haften zu müssen. Im eigens für Notfälle eingerichteten Sicherungsfonds der Landesbanken liegen rund 960 Millionen Euro. Zu wenig, laut Bankaufsicht.

Dem Bericht nach wurden mehrere Szenarien einer Abwicklung durchgespielt. Trotz Hoffnung auf Übernahme der Nord/LB war das Ergebnis ernüchternd. Am Ende wird wohl wieder der Sparer beziehungsweise der Steuerzahler für die Rettung aufkommen müssen, sollte der Staat der Bank unter die Arme greifen. In Italien zahlte der Staat 2016 6,6 Milliarden, um die Bank Monte die Pasche zu retten.

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