Weltweit steigende Goldreserven: Zentralbanken fürchten Krise

Angesichts geopolitischer Spannungen, möglicher Wirtschafts- und Währungskrisen stocken Zentralbanken der meisten Länder ihre Goldreserven auf.

Goldreserven wachsen

Die Zentralbanken zeigten seit längerer Zeit eine latente Kaufkraft im Goldsektor. Die globalen Goldbestände aller Länder sind laut World Gold Council in der Fünfjahreswertung bis 2016 um sieben Prozent gestiegen (hier geht es zu Goldreserven nach Ländern im Oktober). Bis zur Jahrtausendwende waren die weltweiten Goldreserven der Zentralbanken noch stark rückläufig. Lagen die Bestände weltweit 1970 noch bei 36.606.7 Tonnen, waren es bis 2010 mit 30.534,5 Tonnen deutlich weniger (zur Statistik 1970-2017). Danach drehte sich das Blatt und die Käufe nahmen wieder zu. Die Wirtschaftskrise 2008 könnte der Weckruf gewesen sein, wieder gezielt auf Gold zu setzen. Im Oktober liegen die weltweiten Goldbestände bei 33.471,3 Tonnen Gold. Die größten Zukäufe gibt es stetig in Russland und der Türkei. Und auch wenn China es nicht offiziell macht – Alles spricht dafür, dass ihre Goldreserven deutlich über dem aktuellen Bestand liegen.

Russland: 200 Tonnen pro Jahr

Russland besitzt den sechstgrößten Bestand und wird dieses Jahr wohl erneut Gold nahe der 200 Tonnen kaufen. Der Goldanteil der russischen Währungs- und Goldreserven liegt derzeit bei 17 Prozent – und er wächst. Alleine im zweiten Quartal lag der Anteil der Goldreserven bei 38 Prozent. Seit zwei Jahren verzichtet Russland auf den Kauf von ausländischen Devisen. Russland setzt auf das gelbe Edelmetall und rüstet sich für Krisen und die Möglichkeit eines goldgedeckten Rubel, hinsichtlich der wirtschaftlichen Sanktionen seitens des Westens und die darauffolgende Schwächung der nationalen Währung. Gold lässt sich hingegen nicht schwächen. Keine neue Weisheit. Doch zeigt sich Russland in seinem Aktionismus besonders bestrebt.

Natalka – Sibiriens größte Goldmine Quelle: Polyus

Russland ist der größte Goldeinkäufer und wird in Zukunft wohl zum zweitgrößten Goldproduzenten aufsteigen. Weiteren Goldzuwachs wird man aus China erhalten. Als größter Öllieferant Chinas wird man Öl gegen Yuan verkaufen und diese dann an der chinesischen Börse gegen Gold eintauschen – die Geburt des Petro-Yuan.

Die globale De-Dollarisierung schreitet voran. Die USA, weiterhin größter Schuldner Chinas, sind machtlos und müssen zusehen wie Chinas Yuan in Zusammenarbeit mit Russland und dem einstigen Verbündeten Saudi-Arabien dem Dollar den Schneid beziehungsweise das Öl abkauft.

Der Dollar gegen den Rest der Welt?

Seit Jahren trennt sich China von seinen US-Anleihen. Wohlwissend es nicht zu rasant zu tun, um den Dollar nicht zu entwerten. Vorsorgend gegenüber eigenen Verlusten. Heute schulden die USA China immer noch 1,15 Billionen Dollar. Russland und China häufen ihre Goldreserven auf und bauen ein wirtschaftliches Netz ohne den Dollar, aber auf Basis von Gold auf. Und das verlangt hohe Goldbestände. Manche sprechen von 10.000 Tonnen, andere stapeln etwas tiefer und erwarten einen chinesischen Goldbestand bis 3.000 Tonnen.

Chinas eigene ungeförderte Goldreserven sollen bei 12.100 Tonnen liegen. Seit zehn Jahren ist China der weltgrößte Goldproduzent und seit vier Jahren der größte Verbraucher. Bis 2020 will China seine Goldproduktion von derzeit rund 450 Tonnen auf 500 Tonnen Gold steigern. Die Nachfrage an Goldbarren stieg zuletzt um mehr als 50 Prozent. Trotz dem vermeintlichen Ende der Boom-Jahre und der schwächelnden Wirtschaft wächst der chinesische Reichtum an. Die Privatvermögen der Chinesen werden dieses Jahr um 14 Prozent auf insgesamt 188 Billionen Renminbi (rund 28 Billionen US-Dollar) steigen. Währung andere Zentralbanken Gold ankaufen, um ihre Währung zu schützen, wird Chinas Währung durch Gold zunehmend gestärkt. Dies kann als Vorbild für Schwellenländer dienen, die sich weniger von Dollar abhängig machen könnten.

Auch die Türkei kauft deutlich zu. Monatlich steigen die Goldreserven und werden bald die Reserven der Europäischen Zentralbank übertreffen. Seit Januar kaufte die Türkei 289,71 Tonnen Gold ein. In den ersten neun Monaten von 2016 waren es noch 43,37 Tonnen. Das entspricht einer Steigerung von 668 Prozent gegenüber dem Zeitraum vom Vorjahr. Seit 2011 ist den türkischen Geschäftsbanken überhaupt erst erlaubt mit Gold zu handeln. Eine Reaktion auf die damals eingestürzte türkischen Lira.

In Kasachstan sind die Bestände in den letzten fünf Jahren um 170 Prozent auf 280,9 Tonnen gewachsen. Das Land bevorzuge Gold gegenüber US-Anleihen. Der Grund liegt im Tauschgut des Edelmetalls gegenüber anderen Währungen – und der Unabhängigkeit vom US-Dollar. Heute liegen die türkischen Goldreserven bei 489 Tonnen und die von Kasachstan bei 285,7 Tonnen.

Goldreserven - Quelle: Bundesbank
Goldreserven – Quelle: Bundesbank

Beispiele von Ländern, die sich im kriselnden Papiergeldsystem nicht auf eine Ersatzwährung verlassen wollen. Auf eine Währung, dessen Regierung weit über 20 Billionen US-Dollar Schulden angehäuft hat und sich nahezu dauerhaft in geopolitischen Spannungen befindet. Die Weltwirtschaft droht in eine neue Finanzkrise zu schlittern. Die Zentralbanken bereiten sich vor und suchen den Schutz im sicheren Hafen. Jüngst hat die deutsche Bundesbank den Großteil ihrer Goldreserven nach Frankfurt geholt und auch die Bevölkerung deckt sich immer stärker mit Gold ein: Deutschlands Gold-Boom: Höchste Pro-Kopf-Nachfrage weltweit. Warum Gold Papiergeld übertrifft, lesen Sie hier.

(Titelbild: CC-BY-SA 3.0)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.