Die USA sind auf dem besten Wege zum größten Ölproduzenten zu werden. Dank der umstrittenen Fracking-Methode wird Russland spätestens 2019 überholt. Der für März angekündigte Petroyuan wird den USA erstmal und vielleicht sogar auf lange Sicht keine Sorgenfalten bereiten.

Russland wird abgelöst

Wie die Internationale Energieagentur (IEA) am Dienstag mitteilte, werden die Amerikanischen Staaten zum größten Ölproduzenten der Welt aufsteigen. Wohl schon in diesem Jahr, spätestens 2019, wird Russland vom Thron gestoßen. Zum ersten Mal seit den Siebzigern stieg die tägliche Ölproduktion der USA auf zehn Millionen Barrel – erstmals mehr als Saudi-Arabien. Das amerikanische Amt für Energiestatistik erwartet sogar eine Steigerung auf elf Millionen tägliche Barrel bis zum Ende dieses Jahres. Ein Barrel Öl sind 159 Liter. Laut dem Direktor des IEA, Fatih Birol, ist die Fahnenstange noch lange nicht erreicht, wie Reuters berichtet. Den höchsten Stand der Produktion erwartet er nicht vor 2020. Auch einen Rückgang der Produktion sieht Birol selbst in den nächsten vier bis fünf Jahren nicht kommen. Beste Aussichten wäre da nicht die Methode der Ölproduktion.

Kritisierte Methode

Fracking gilt seit Jahren als umstritten. In Deutschland ist die Methode wieder verboten, nachdem sie bereits nur für spezielle Anwendungen zugelassen wurde. Beim Fracking werden unter der Erde Risse durch Wasserdruck, Quarzsand und Chemikalien provoziert und den gewünschten Rohstoff freizusetzen. Umweltschützern nach soll Fracking unter anderem zu Erdbeben führen können und das Wasser verunreinigen. Zudem soll Fracking nur die „Reste“ bereits ausgedienter Lagerstätten schürfen, anstatt neue Lagerstätten zu erschließen.

Petroyuan soll kommen – diesmal wirklich?

Gute Nachrichten also auch für das Standing des Petrodollars. In der Vergangenheit wurde schon öfters das Ende der amerikanischen Währung beschlossen. Besonders im Zusammenhang mit dem Aufstieg vom chinesischen Petroyuan. Dieser soll nun Ende März kommen und in Form von Rohöl-Futures auf dem heimischen Markt platziert werden. Diese sollen auch gegen Gold konvertierbar sein. Sollte es, nach vielen Gerüchten und Ankündigungen, tatsächlich dazu kommen, wäre dies ein weiterer Schritt für Chinas Internationalisierung des Yuan. Doch der Weg wäre ein langer, schaut man auf die Fakten. China kontrolliert seine Währung. Trotz steigendem Interesse ausländischer Investoren, ist der freie Handel eingeschränkter. Der Anteil des Yuan ist international gesehen sehr gering. An den internationalen Zahlungsströmen lag der Anteil der chinesischen Währung zuletzt nur bei 1,85 Prozent. Gemessen an den globalen Währungsreserven im Wert von 800 Billionen US-Dollar lag der Anteil des Yuan lediglich bei einem Prozent.

Der Yuan hat großes Wachstumspotenzial

Dennoch gab es Erfolge und ein deutliches Vorankommen. Der Yuan kletterte zuletzt auf ein Allzeithoch und wuchs alleine 2017 um 6,8 Prozent. Bereits 2015 wurde Chinas Währung vom Internationalen Währungsfonds (IWF) in den Korb der Weltreservewährungen aufgenommen. Die Europäische Zentralbank (EZB) erwarb 2017 Yuan in unbekannter Höhe und auch die Deutsche Bundesbank deckte sich im vergangenen Jahr mit der chinesischen Währung ein. Wird der Petroyuan ein Erfolg, kann auch Chinas Währung wachsen. Russland steht als Partner bereit und auch Saudi-Arabien wird sich dem Petroyuan mehr öffnen. Der nächste Schritt wäre die Leitwährung im asiatischen Raum vom japanischen Yen zu übernehmen.

Angriff auf den Dollar?

Die Macht des Dollars schrumpft zunehmend. Von einst 90 Prozent nach dem Krieg, liegt der Anteil der Reservewährungen in Dollar bei rund 63,8 Prozent (Q2 2017). Abgefangen wurde der Verlust jedoch vom Euro, der bei 19,9 Prozent liegen soll. Schaut man auf den Welthandel, liegt der Dollar-Anteil bei nur 43 Prozent, während der Euro hingegen bei 29 Prozent liegt. Zwangsläufig werden beide Anteile verlieren, wenn der Yuan weiter wächst. Und davon sind einige Experten überzeugt. Doch wird es jemals zur neuen Leitwährung reichen? Dazu muss es gar nicht kommen. Barry Eichengreen, ehemaliger Senior Advisor beim IWF und Berkeley-Professor, sieht „mehrere Währungen eine wichtige, internationale Rolle einnehmen“. Darunter fällt auch der Yuan. Diesem prognostiziert er in seinem neuen Buch eine zunehmende internationale Bedeutung. Mit der unmittelbaren Stärkung der eigenen Ölproduktion haben die USA einen möglichen Angriff auf den Petrodollar aufgeschoben, jedoch nicht aufgehoben.

Titelbild: maxpixel

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.