Einem neuen Gesetz nach darf die Türkei Gold aus ihrer nationalen Produktion verstaatlichen. Reuters berichtet, dass die türkische Regierung um Machthaber Recep Tayyip Erdoğan ein Gesetz vorbereitet, welches der türkischen Zentralbank erlaubt, die nationale Goldproduktion vor ausländischen Käufern aufzukaufen. Das Nachrichtenportal beruft sich auf zwei Quellen.

Gold soll Lira stärken

Hintergrund ist die Aufstockung der nationalen Goldreserven mit den nationalen Devisen. Somit kann die Türkei Gold aus eigener Produktion mit frischen Lira kaufen, anstatt dies im Ausland mit Fremddevisen zu tun. „Die Zentralbank bekommt die erste Option, lokal produziertes Gold zu kaufen“, so ein offizieller Mitarbeiter des türkischen Goldsektors gegenüber Reuters. „Das bedeutet, dass die Zentralbank zum wichtigsten Goldkäufer in Lira wird.“ Eine weitere Quelle ergänzt: „Es ist wichtig, die Reserven der Zentralbank zu stärken. Diese Anpassung wird die Goldreserven der Notenbank anwachsen lassen“. Die türkische Zentralbank wird selbst entscheiden, wann und wieviel Gold sie aufkauft. Verpflichtet sei sie nicht.

Türkei: Gold wird aufgestockt

2016 förderte die Türkei Gold im Umfang von 27,5 Tonnen und einem aktuellen Wert von circa 1,1 Milliarden US-Dollar. Da die vergangenen Jahre in der Türkei von politischen Unruhen und einer steigenden Inflation geprägt waren, stieg der Preis für Gold sehr stark an. Während er im Jahr 2013 noch bei 2.500 Lira pro Unze lag, kostet diese heute über 4.500 Lira. Mit 411 Tonnen Gold liegt die Türkei in der weltweiten Rangliste der nationalen Goldreserven auf Platz 14. Im letzten Jahr wurden 33,9 Tonnen hinzugefügt. Die Angaben sind jedoch schwankend, da Geschäftsbanken in der Türkei Gold als Sicherheit für Zentralbankgeld hinterlegen.

Vorbilder Russland und China

Dass die Staaten ihre Goldreserven aufstocken und Fremdwährungen sowie Auslandsanleihen (speziell US-Anleihen) auf den Markt werfen, ist bekannt. Besonders China und Russland verfolgen diese Praktik seit geraumer Zeit. Auch andere Entwicklungsländer folgen. Dass die Türkei darüber hinaus ihre Goldminen verstaatlicht, ist nach außen jedoch besorgniserregend in Hinsicht auf die aktuellen Turbulenzen und Sorgen um die weitere türkische Demokratie.

Erdoğan fordert Türken auf Gold zu tauschen

Bereits im Winter wurde Gold erstmals ein politisches Thema in der breiten Öffentlichkeit. Machthaber Erdoğan forderte das türkische Volk auf, ausländische Devisen und Gold in Lira zu tauschen, um die kriselnde nationale Währung zu stärken.

„Wenn wir diese Schritte machen, wird das Spiel gewisser Leute durchkreuzt“, erläuterte er damals seine Forderung. „Den Putsch, den sie mit ihren blutrünstigen Monstern nicht verwirklichen konnten, versuchen sie jetzt mit Zinsen, Devisen und an der Börse zu verwirklichen“, so der türkische Regierungschef. Wer diese Leute seien, nannte er nicht.

In der Sicherheit des positiven Ausgangs über das Referendum und dem Folgeleisten der Bevölkerung, kaufte die Türkei im März 28,2 Tonnen Gold ein. Dies entspricht dem 17fachen der bisherigen Importe der Türkei. Die Türkei hält am 16. April ein Referendum über Verfassungsänderungen ab. Diese würden die Befugnisse von Erdogan erheblich steigern.

 

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