Gold aus Afrika – ein raffinierter Betrug

Gold aus Afrika
Gold aus Afrika
„Gold“ aus Afrika

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Gold aus Afrika – Schneller Reichtum?

Ein Tatsachenbericht und die Folgen.

Wie erfahrene Kaufleute über das Internet zum Goldimport verleitet wurden.

Das Problem ist allen professionellen Edelmetallunternehmen zur Genüge bekannt. Varianten sind andere ferne Länder, die bekannt sind für Goldvorkommen oder Bezahlungen von im Ausland erbrachten Leistungen durch Gold. Der Einfallsreichtum der Verbrecher ist enorm.  Auch viele Privatleute vermuten zu recht hinter solchen Angeboten eine betrügerische Absicht. Hier schildern wir einen wirklich abgelaufenen Fall vom Anfang bis zum traurigenEnde. Er wurde von erfahrenen Geschäftsleuten an die Norddeutsche Edelmetall Scheideanstalt in Norderstedt herangetragen. Regelmäßig erreichen uns ähnliche Anfragen. Opfer sind zumeist Privatleute, aber auch Kaufleute wie in diesem Fall, die im Außenhandel langjährige Erfahrung hatten.

Im diesem Fall geht es um einen Schaden im Bereich von ca. 1 Mio Euro – und den Bankrott zweier Kaufleute.

Ein im Aussenhandel erfahrener Kaufmann aus dem Hamburger Raum wollte im März 2015 Gold aus Afrika einführen und an die Norddeutsche Edelmetall Scheideanstalt verkaufen. Da dies als eine oft genutzte Betrugsmasche bekannt ist, bemühte sich unser Unternehmen, dem Hamburger Kaufmann von dieser Transaktion abzuraten.

Bei dieser Art von Anfragen an die Norddeutsche Scheideanstalt geht es immer um „Gold, Doré bars, Doré Ingots, Rohgold oder Goldstaub“ aus dem Ausland, vorzugsweise aus Afrika, Südamerika, Russland, Australien oder anderen fernen Ländern, auch Asien. Die Mengenangaben sind angesichts des Goldpreises beeindruckend: stets geht es um grosse Mengen zwischen  20kg  bis  500kg, oft „pro Monat„…  Schon eine sehr geringe Marge würde bei derartigen Umsätzen hohe Gewinne generieren.

Die Anfragen erfolgen teilweise unter Hinzuziehung von Rechtsanwälten, Notaren oder Steuerberatern. Auch sollen laut Verkäufern oder Papieren sogar gelegentlich bürokratische Repräsentanten in die Exportgeschäfte involviert sein.

Der Hamburger Kaufmann erklärte unseren Metallhändlern nachdrücklich und durch ihre Einwände zunehmend verärgert, alles sei ja nun schon bereits importiert, man solle lediglich die Beprobungen des Materials ausführen. Wenn mit dem Goldstaub alles in Ordnung sei, könne man ja über alles Weitere einmal reden.

Unsere mehrfachen Hinweise, dass es sich hier vermutlich um die sog. „Nigeria Connection“ bzw. eine Variante handele, wurden freundlich wissend zur Kenntnis genommen, aber ignoriert. Der Kaufmann war von sich und seinem Handelsweg überzeugt und meinte, einen dicken Fisch am Haken zu haben. Ihre ausserordentlich guten Kenntnisse im Außenhandel hätten sie sich mit dem Import von Holz aus Russland über Jahrzehnte erworben, was auch kein einfaches Geschäft sei. Ob man nun Holz oder Gold importiere, könne keinen Unterschied ausmachen.

Man argumentierte, es sei ja bereits alles importiert und in „trockenen Tüchern“. Die Menge von 30 kg, um die es hier ging, passe ins Geschäft und bedeutete einen Umsatz von ca. 1 Mio Euro. Mit der Erklärung, das Material sei bereits im Zollaußenbereich in Antwerpen und vom zweiten Geschäftspartner schon angeschaut und für gut befunden, verlieh er seiner Anfrage den entsprechenden Nachdruck.

Jetzt würde nur ein kompetenter Scheidbetrieb benötigt, der die Analysen und den Handel abwickeln könne. Da man in Hamburg arbeite, biete sich der Betrieb der NES an. Vertraglich sei bereits alles mit den afrikanischen Geschäftspartnern geregelt. Durch die Gemeinschaft mit seinem Geschäftspartner sei er sicher und gegen Tricks gewappnet.

Eigentumsnachweise und Zoll-Einfuhrpapiere erhielten wir bei Annahme und Verarbeitung zusammen mit dem Material. Die Beprobung des gelieferten Materials sei der jetzt notwendige Schritt. Er schilderte, dass das Edelmetall in Pulverform in einer recht grossen Kiste in Säcken verpackt sei. Das Material hätte einen Goldgehalt von ca. 95%, der durch unsere Analyse abgesichert werden müsse.

Der weitere Ablauf des Geschäfts sah vor, dass der afrikanische Geschäftspartner bis zur Kaufabwicklung im Zollaußenbereich Antwerpens zusammen mit einer Amtsperson, dem zuständigen Zöllner bleibt, bis alles abgewickelt ist. Sein zweiter deutscher Geschäftspartner verbleibe ebenso im Zollaußenbereich bei der Kiste und bewache sie. Er sagte, sein Kollege würde die Kiste nicht aus den Augen lassen.

Zur NES  sollten nun Proben gebracht werden. Die Norddeutsche Edelmetall Scheideanstalt übergab dem Kaufmann dazu ein Probennahmewerkzeug, das gelegentlich zur Entnahme unbekannten Materials aus grösseren Gebinden zur schnellen Vorprobe dient. Er fuhr dann am Montag Nachmittag mit dem Auto nach Antwerpen und kehrte mit der dort gezogenen Probe nach Norderstedt zurück. Er erreichte die NES damit am Dienstag gegen Mittag.

Er hatte ein kleines Papiertütchen bei sich, welches durch die Materialannahme in der NES registriert und eingewogen wurde. Insgesamt brachte er ca. 9 Gramm goldbraunes Metallpulver mit. Es wurde in Gegenwart des Kaufmanns in der Abteilung für Analytik zur Beprobung vorbereitet. Die Probenahme erfolgte durch zwei verschiedene Verfahren. Das Ergebnis war positiv. Das Material enthielt 95,6% Gold, sowie Silber und übliche Verunreinigungen.

Der Kaufmann fühlte sich bestätigt, war erleichtert und zufrieden, ein erfolgreiches Geschäft abzuschließen. Er telefonierte mit seinem Partner in Antwerpen und teilte ihm das gute Ergebnis mit.

Da es sich um mehrere Säcke handelte und er aus 2 der 4 Säcke selbst die Proben genommen hatte, wollte er zur Sicherheit eine weitere Probe vornehmen. Ob hierbei Befürchtungen, Material könne vertauscht werden, eine Rolle spielten, blieb unbekannt. Er brach sofort wieder nach Antwerpen auf.

Am Mittwoch Mittag erschien er erneut mit einer grösseren Probe von ca. 80 Gramm desselben metallischen Pulvers, welches im Unternehmen der NES den gleichen Weg wie die erste Probe nahm. Auch dieses Ergebnis war positiv und lieferte ein ganz ähnliches Feingehaltsergebnis von mehr als 95% an Feingoldinhalt.

Für die Kaufleute stand nun fest, daß das Material in Antwerpen OK sei, es würde gekauft, bezahlt, verzollt und eingeführt werden. Er telefonierte erneut mit seinem Geschäftspartner, der nun die Abwicklung Geschäftes und die Einfuhrverzollung durchführen sollte.
Seine kurze Mitteilung: Das Material würde die NES am Donnerstag erreichen und das Unternehmen sollte es wie vorab besprochen, schmelzen, analysieren, aufarbeiten, kaufen und bezahlen. Die Geschäftsführer der NES erklärten ihm nun, dass das Material ausschliesslich in seiner Gegenwart erfasst, kontrolliert und zur Beprobung geschmolzen werden könne. Nichts liefe ohne seine Gegenwart.

Auf diesem Weg sollte für den Fall abweichender Ergebnisse der mögliche Verdacht ausgeräumt werden, Material könnte im Unternehmen der NES vertauscht oder verändert worden sein. Das war in seinem Interesse und die Mitarbeiter der NES erwarteten seine Lieferung am Donnerstag recht gespannt.

Die Anlieferung „Gold aus Afrika“  erfolgte dann am Donnerstag. Die angelieferte Holzkiste wurde gemeinschaftlich geöffnet und verwogen. Der Inhalt bestand aus vier verschnürten Leinensäcken mit einer schwarzen Kunststoffinnenhülle.

Jedes Säckchen wog ca. 7,5 kg. Das Material erschien auf den ersten Blick optisch gut. Der Kunde stimmte der Schmelze und dem Abguss in zwei große Formen von je 15 kg zu. Während sich die Schmelze von Goldscheidgut eigentlich ohne Geräusche und Rauchentwicklung kontinuierlich und schnell ereignet, fiel hier ein deutliches Knastern mit Rauchentwicklung und dem Aufsteigen weißer Flöckchen auf. Ein Zeichen für starke Zinkbeteiligung.

Der Schmelzmeister erkannte, dass es sich offensichtlich nicht um hochwertigen Goldstaub handelte. Er führte die Schmelze und den Abguss aber zu Ende aus. Der Abguss und die Abkühlphase wurde ruhig abgewartet, obwohl man sichtbar nervös wurde.

Vorproben des angelieferten Pulvers waren nicht mehr ausgeführt worden, da der Kunde eine schnelle Schmelze mit positivem Gesamtergebnis erwartete. Nach dem Abguss war den anwesenden Fachleuten sofort klar, daß es sich nicht um Gold handelte. Das Volumen passte nicht zum Gewicht und das äußere Bild des Gusses machte den Eindruck von Messing. Die Analytik bestätigte die Vermutung. Es handelte sich um eine reine Messinglegierung ohne den geringsten Goldanteil.  Soweit zum Gold aus Afrika…

Nun wurde man bleich und panisch. Man  konnte es nicht fassen, es war nicht vorstellbar, die Beprobungen aus den Säcken, die er eigenhändig gezogen hatte, waren doch einwandfrei ausgefallen. Man fühlte sich wie durch einen unverständlichen Zaubertrick betrogen.

An welcher Stelle der „betrügerische Zaubertrick“ abgelaufen war, war im Moment noch unverständlich, da doch das Objekt angeblich permanent überwacht wurde. Für beide brach eine Welt zusammen, denn sie hatten ihr gesamtes Vermögen in diese Transaktion verbracht.

Nach dem niederschmetternden Ergebnis waren die Mitarbeiter der NES froh, immer wieder geraten zu haben, dieses Vorhaben unbedingt zu unterlassen.

Auch war die Bedingung der NES, keinen Arbeitsschritt ohne die Gegenwart des Lieferanten vorzunehmen, im Nachhinein die einzig richtige Vorgehensweise. So konnten alle Suchen nach anderen Fehlerursachen von vornherein vermieden werden, was bei dem hohen finanziellen Schaden, den die beiden Kaufleute nun tragen mussten, vielleicht aus Verzweiflung erfolgt wäre.

An welcher Stelle lief aber der Betrug ab? Die Bewachung schien ja durchgängig gesichert, die Probennahme erfolgte auch als Querschnitt des Inhaltes.

Folgende Erklärung erscheint als die einzig mögliche und sicher wahrscheinliche:

Der afrikanische Lieferant verblieb angeblich zusammen mit dem Zöllner und dem 2. Geschäftsparter permanent bei dieser ominösen Kiste. Da sich die Bewachung aber über mehrere Tage hinzog, stellte die Geschäftsleitung ihm die Frage, ob sein Partner denn nie zum WC gemusst habe.

Die ernüchternde Antwort: Man hatte sich abgewechselt, man sei schon gelegentlich zum WC gegangen, aber der Zöllner habe ja aufgepasst!

Es muss wie beim Hütchenspiel gewesen sein. Der als unbeteiligt und neutral vermutete Zöllner kann nicht völlig unbeteiligt gewesen sein.

Lösung des Rätsels:

Der afrikanische Lieferant hatte 2 Kisten. Er hatte den Zöllner davon überzeugt, gegen, nennen wir es „eine angemessene Entschädigung“, beim WC-Besuch des deutschen Geschäftsmannes nicht so aufmerksam zu sein. In irgendeiner kurzen Zeit der Abwesenheit wurde die Kiste gegen eine identische mit anderem Inhalt vertauscht. Dieser banale Ablauf mit enormem Schaden traf zwei Kaufleute, die sicher waren, alle Risiken des Geschäfts im Griff zu haben.

Als Warnung muss gelten:

Betrüger sind schlau und rechnen mit Schwierigkeiten. Es muss nicht immer genau so ablaufen wie in diesem Falle. Auch Varianten sind denkbar. Finger weg vom Goldimport….