Das Tafelgeschaeft – Die letzte Bastion der finanziellen Freiheit

Tafelgeschaeft – Die letzte Bastion der finanziellen Freiheit

Adé, 500er!

Der 500-Euro-Schein soll bis Ende 2018 abgeschafft werden. Dies wurde von der EZB am 04.05.2016 mitgeteilt. Entgegen der Argumentation, der 500-Euro-Schein werde vorwiegend zur Verbrechensbekämpfung eingezogen, sind die wahren Hintergründe vermutlich diese:

Negativ-Zinsen lassen sich viel leichter auch bei den privaten Sparern durchsetzen, wenn keine großen Bargeld-Beträge zuhause gehortet werden können. Und wenn das eigene Geld zuhause aufbewahrt werden soll, ist das eben viel schwieriger und teurer mit kleinen Scheinen. Das ist ein Problem für Bürger, die lieber eine schöne Reserve zuhause einlagern oder die Sparkassen, die nicht bei der EZB ihre Geldvorräte gegen Strafzins parken, sondern einfach im Tresor lagern wollen.

Nächste Einschnitte in die finanziellen Freiheiten

Die nächsten Schritte sind die bereits mehrfach besprochenen Bargeld-Obergrenzen und die Absenkung der Grenze für das Tafelgeschaeft . Die Schaffung einer Bargeld-Obergrenze von 5.000 Euro, wie von Schäuble oder der EZB angestrebt, oder sogar bis 1.000 Euro, wie von den Grünen befürwortet, schränkt die Freiheit der Bürger ein. Die Abschaffung des 500-Euro-Scheins war bereits ein Schritt in diese Richtung, Bargeld insgesamt unattraktiver zu machen. Die Grenze für Tafelgeschäfte wird voraussichtlich Ende 2016 auf 10.000 Euro gesenkt.

Fadenscheinige Ausreden

Schon die italienischen Behörden mussten bei der Bekämpfung der Mafia einsehen, dass ein Bargeld-Verbot oder ein Einzug der großen Lira-Scheine keine Wirkung entfaltete: Entweder wurde gar kein Bargeld verwendet oder es wurden dann eben kleinere Scheine genutzt. Aber Verbrecher haben es nicht mehr nötig, mit Geldkoffern durch die Gegend zu reisen. Stattdessen ist es heutzutage auch auf elektronischem Wege möglich, finanzielle Mittel zu transferieren, ohne das staatliche Stellen dies wirksam verfolgen können.

Nullzins-Politik seit dem 10. März 2016

Ein weiteres Problem ist die Nullzins-Politik der EZB und die Strafzinsen für bei der EZB eingelagerte Geldbestände. Vor dem Strafzins konnten Banken überschüssiges Geld, das nicht verwendet wurde, bei der EZB kostenlos einlagern. Derzeit müssen dafür 0,4% Gebühren gezahlt werden. EZB-Chef Mario Draghi bemüht sich auf jeder Ebene, die Wirtschaft im EU-Raum anzukurbeln. Erste Unternehmen erhalten deshalb bereits auf ihre Liquiditätsreserven Gebühren aufgebrummt. Der private Sparer muss damit ebenfalls rechnen. Einzelne Sparkassen sind bereits dazu übergegangen, vermehrt Bargeld in den eigenen Tresoren aufzubewahren. Das machen inzwischen auch DAX-Unternehmen, die auf die Liquidität geschäftlich angewiesen sind und von ihren Banken mit Strafzinsen dafür „belohnt“ werden. (vergl. Artikel in der Welt, http://www.welt.de/wirtschaft/article153349312/Versicherer-hortet-Geld-statt-es-der-EZB-zu-geben.html)

Sichere Geldanlagen mit Zinsen sind damit auf Jahre, womöglich auf Jahrzehnte nicht mehr wirtschaftlich sinnvoll möglich.

Weitere Anleihenkäufe der EZB

Heute erreichte uns die Nachricht, dass die EZB nicht nur Staatsanleihen kaufen wird, sondern auch direkt Anleihen von Unternehmen. Das ist neu. Das unbegrenzte Ankaufen von Staatsanleihen war bereits früher in die Kritik von nationalen Notenbanken ebenso wie bei Finanz-Experten geraten, weil es unlimitiert geschehen soll. Es wird damit dem Quantitative Easing (Quantitative Lockerung) wie in den USA oder Japan gleichgesetzt. Dabei kauft die EZB durch neugeschaffenes Geld langfristig angelegte Anleihen von Staaten oder jetzt auch Unternehmen auf. Die Staatsanleihen wurden bisher von Geschäftsbanken gekauft und diese konnten ihre Bilanzen über die EZB entlasten. Jetzt wendet sich die EZB direkt an die Unternehmen. Durch die Geldzunahme in der Wirtschaft soll die Inflation angeregt werden. Das Ziel von etwa 2% Inflation wurde die letzten Jahre immer wieder unterschritten. Die Lockerung der Geldpolitik soll mit neuem Geld dafür sorgen, dass zusätzliche Liquidität eingeschleust wird. Es ist aber zu bezweifeln, dass dies die gewünschten Effekte auslöst. Unternehmensanleihen werden in der Regel nicht vom Mittelstand ausgegeben – dieser besorgt sich sein Geld immer noch als Darlehen von seinen Geschäftsbanken. Somit werden die Unternehmensanleihen, die die EZB kaufen will, von Großunternehmen stammen. Diese verfolgen ganz andere geldpolitische Ziele und deshalb ist es kaum möglich, vorher zu sagen, ob dieser Schritt die Wirtschaft im Euro-Gebiet tatsächlich ankurbeln kann. Eher sind entsetzliche, neue Verzerrungen zu befürchten. Richtig wäre stattdessen gewesen, den Mittelstands-Motor nicht weiter abzuwürgen.

Was bleibt?

Es bleibt der Sachwert. Der jedoch folgt ganz anderen Regeln als Tagesgeld oder Lebensversicherungen. Es ist zum Beispiel möglicherweise schon zu spät, eine Immobilie zu kaufen. Der Markt konnte sich bereits seit Jahren am günstigen Zinsniveau satt fressen und so sind die Immobilienpreise vor allem in den Städten kräftig gestiegen. In den deutschen Metropolen Berlin, München, Frankfurt, Hamburg sind die Preisübertreibungen schon deutlich sichtbar. Sehr Wohlhabende dürfte das nicht stören. Aber für die Mittelschicht sind die Preise schon kaum zu leisten und lassen keine weitere Wertsteigerung mehr erwarten. Die Kosten für eigengenutzten Wohnraum haben mögliche Aufwertungen der nächsten 10-20 Jahre offensichtlich bereits eingepreist. Es fehlt einfach an Geldanlage-Möglichkeiten.

Gold und Silber

Gold als Sachwert hat dieses Jahr bereits eine ordentliche Performance als Anlage-Gut hingelegt. Auch Silber ist beachtliche 14% seit 2015 gestiegen. Beide Edelmetalle eignen sich gerade für die Krisenvorsorge ganz ausgezeichnet. Bei Silber spielt eine höhere Spekulation hinein, weil die industrielle Verwertung und die Investor-Eigenschaft sich fast gleichwertig gegenüber stehen. Das führt zu einem höheren Preisrisiko. Aber wer, z.B im Onlineshop der Norddeutschen Edelmetall, differenzbesteuertes Silber kaufen kann, muss einen hohen Wertverlust zunächst nicht fürchten. Der Aufschlag auf den reinen Materialwert ist deutlich geringer als bei regulär versteuertem Silber mit 19% MwSt.-Anteil, dem Prägeaufschlag und der üblichen Händlermarge.

Gold ist für die Geldanlage ohnehin von der MwSt. befreit und kann daher als reiner Sachwert günstig eingekauft werden. In bequem zu handhabenden Stückelungen ist Gold ein sicheres Polster, das einfach nach Bedarf wieder in Geld umgewandelt werden kann. Welche Währung das dann auch immer sein wird…

Wer keine Edelmetalle besitzt, sollte sich in der nächsten Zeit die Kursbewegungen ansehen und dann zugreifen, wenn es günstig erscheint. Edelmetalle werden schon seit Jahrtausenden zur Krisenvorsorge eingesetzt. Die Notenbanken gehen auch jetzt noch mit gutem Beispiel voran und so erhöhen z.B. Russland und China immer wieder ihre Gold-Reserven. Es beruhigt im Finanz-Getümmel ungemein, ein paar Unzen liegen zu haben. Ein Teil der eigenen Ersparnisse bringt so ein Stück Unabhängigkeit vom Euro.

Was ist ein Tafelgeschaeft?

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Es ist ein Handelsgeschäft über den Tisch: Der eine Geschäftspartner gibt seinen Wert, der andere sein Material. Ein Tauschgeschäft, wie seit Jahrtausenden üblich. Bei einem Tafelgeschaeft darf Bargeld anonym den Besitzer wechseln. Es lässt sich also in Edelmetalle investieren, ohne das staatliche Stellen über die Bank benachrichtigt werden. Laut Geldwäschegesetz erfahren die Beteiligten von diesen Nachrichten nicht. Den Unternehmen ist im Gesetz verboten, ihre Kunden davon zu unterrichten, wenn den Behörden Informationen geliefert werden. Bekannt ist, dass Banken dies automatisiert bei größeren Geldbewegungen machen.

Tafelgeschäfte sind also ein letztes Refugium der finanziellen Freiheit unserer Bürger. Niemand muss benachrichtigt werden, was gekauft wurde. Bargeld ist anonym. Beachten Sie daher die Grenze von 15.000 Euro, die nicht erreicht werden darf. Idealerweise kaufen Sie deshalb Edelmetalle in bar über das anonyme Tafelgeschäft bis zu 14.999,00 Euro. Diese Grenze wird ab 2017 auf 10.000 Euro gesenkt.

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