Russlands Goldreserven sind weiter gestiegen. Im Atemzug der Aufstockung trennte sich Russland von amerikanischen Anleihen.

Kreml kauf weiter ein

Erneut wächst das russische Goldvolumen. Im Februar stockte der Kreml Russlands Goldreserven um weitere 9,3 Tonnen auf. Bis auf den Dezember vermeldete Russland monatliche Zukäufe seiner Goldreserven. Russland kauft nicht nur auf internationalem Parkett, sondern kauft auch gleich seine eigene nationale Produktion auf. Seit November hat die russische Notenbank bereits 72 Tonnen zu seinem Staatsschatz hinzugefügt. Allein im Januar fast 30 Tonnen. Mit jetzt 1.650 Tonnen Gold hat Russland den höchsten stand seit Ende der Sowjetunion 1991 erreicht.

Wie Sie an dieser Grafik sehen, wachsen Russlands Goldreserven seit fast 20 Jahren. Unabhängig der Regierung der USA, Krim-, Öl- oder Finanzkrisen hat Russland seine Reserven seit 2000 um 428 Prozent (Stand: Januar 2017) erhöht. Neu an der russischen Strategie der Erhöhung der Goldvorräte ist die gleichzeitige Minderung der amerikanischen Anleihen, US-Treasuries genannt. Laut der Wirtschaftsseite Bloomberg, hat Russland seit 2014 60 Milliarden Anleihen auf den Markt gebracht. Von einst 185 Milliarden hält Russland „nur“ noch 86 Milliarden. Aus dem einst so großen Gläubiger der USA, ist nicht mal mehr ein Top 10 Kreditgeber geworden. Selbst Irland hat den USA mehr geliehen als Russland.

Russlands Goldreserven als Schutz?

Warum stockt Russland also seine Reserven auf und stößt amerikanische Anleihen ab? Auch wenn Wladimir Putin sich über den republikanischen Wahlerfolg sichtlich gefreut hat, scheint er den Vereinigten Staaten nicht gänzlich in wirtschaftlichen und finanziellen Belangen zu vertrauen. Angesichts der enormen amerikanischen Staatsverschuldung und wachsenden Inflation sind amerikanische Staatsanleihen eine nicht besonders gute Wertanlage. Und das wird sich in den kommenden Jahren wohl erstmal nicht ändern. Sollte Präsident Trump seine Wahlversprechen umsetzen, wird die Verschuldung noch weiter ansteigen.

Der Kreml will sich offensichtlich noch mehr von der amerikanischen und europäischen Ökonomie und wohl besonders dessen Devisen abspalten als er es sowieso schon getan hat. Eine Währung die nicht an die Wirtschaftlichkeit von Staaten gebunden ist, scheint Russland in Gold zu sehen. Es schützt vor finanziellen Turbulenzen auf dem globalen Markt und ist nicht jederzeit vermehrbar – anders als wie Devisen. Doch welche politische Richtung geht man, wenn sich mit einer vermeintlichen Krisenwährung eindeckt? Eine Politik die auf eine wirtschaftliche Stabilisierung und Entspannung hofft, würde offiziell wohl eine andere Finanzstrategie fahren. Angesichts des weiterhin niedrigen Leitzins der amerikanischen Notenbank zur Entwertung der eigenen Schulden und des Drucken weiterer neuer Devisen seitens der Europäischen Zentralbank ist dies aus innerpolitischen Sicht aber auch ein Schritt, der Obacht und Planungssicherheit zeigt. Wladimir Putin lässt sie selten in die Karten schauen, zeigt aber seit Jahren deutlich, dass er der westlichen Wirtschaft und Politik wenig bis gar nicht über den Weg traut und seine eigene Meinung durchzieht.

Russland weiterhin in Rezession

Schlecht steht es aber auch um die eigene Wirtschaft. Seit Jahren ist das Bruttoinlandsprodukt rückgängig. Während Russland für einen ausgeglichenen Etat einen Barrelpreis von 70 US-Dollar braucht, lag dieser 2016 zwischendurch sogar bei nur 30 US-Dollar. Doch die Preisstrategie der OPEC-Länder lässt keine Preissteigerung zu. Für Russland ist Öl der Exportschlager und somit ein höherer Ölpreis alternativlos. Putin selbst gab Probleme im Land zu und sieht diese in der Infrastruktur und schlechten Ausbildung.

Russlands Ölmisere schlägt sich auf sein Volk nieder. Wie abhängig die Wirtschaft vom Verkauf seines Öls ist, zeigt die aktuelle Armutssteigerung Russlands. So steigen die Preise für Lebensmittel weiter, während die Löhne auf gleichem Niveau bleiben oder sogar niedriger werden. Für Politologe George Friedman eine gefährliche Lage. Im Forbes Magazine warnt er: „Je schlimmer es um die Wirtschaft steht, desto stärker ist Putins Drang seine Macht unter Beweis zu stellen.“ Der Politologe mahnt, Putin könnte aggressiver werden und auch vor militärischen Handlungen nicht abschrecken, sollte sich die Strategie der OPEC-Staaten nicht ändern.

Auch China mindert Anleihen

Auch die Regierung in Peking kauft deutlich Gold hinzu und trennt sich von amerikanischen Anleihen. Seit 2014 hat China 775 Tonnen Gold gekauft und Anleihen im Welt von 300 Milliarden abgestoßen. Ingesamt besitzt China 1.842 Tonnen Gold und steht damit vor Russland auf Platz sechs. Angeführt wird die Liste deutlich von den USA (8.133,5 Tonnen) vor Deutschland (3.377,9 Tonnen) und dem Internationalen Währungsfonds (2.814 Tonnen).

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