Russlands Goldreserven dienen der Dedollarisierung

Russlands Goldreserven steigen unaufhörlich. Laut einem Analysten ist dies Russlands Strategie zur Dedollarisierung. Weitere Nationen werden folgen.

Kitco interviewte diese Woche den Geschäftsführer des Wirtschaftsinstituts CPM Group, Jeff Christian, bezüglich der russischen Goldreserven. Diese haben sich seit 2007 vervierfacht. Erst im Oktober erhöhte die russische Zentralbank ihren Bestand um 21,77 Tonnen Gold. Somit belaufen sich Russlands Goldreserven auf 1.800,89 Tonnen mit einem Wert von 73,7 Milliarden US-Dollar.

Russland ist der weltweit größte Goldeinkäufer. Seit Jahresbeginn hat die „Bank of Russia“ über 185 Tonnen „auf die hohe Kante“ zurückgelegt. Da nicht davon auszugehen ist, dass sich das Tempo verlangsamt, könnte Russland Chinas offizielle Goldreserven überholen und auf Platz fünf der höchsten Goldreserven nach Ländern aufsteigen. Angeführt wird die Rangliste von den USA (8.133,5 t), Deutschland (3.373,7 t) und Italien (2.451,8 t). Zuletzt war Russland für 57 Prozent der Goldeinkäufe aller Zentralbanken der Welt verantwortlich.

Für Christian ist die russische Goldstrategie nichts Außergewöhnliches. Er sieht in der drastischen Aufstockung „business as usual“: „Russland ist endlich in der Lage, den langfristigen Wunsch zu erfüllen, seine Goldreserven wieder auszubauen und sich vom Dollar weg zu diversifizieren.“

Russlands Goldreserven zur Diversifikation

Nach dem Zerfall der Sowjetunion ist ein Großteil des Goldbestands verschwunden. Seit 1997 versucht die russische Regierung seinen Goldbestand wieder auszubauen. „Zwischen 1997 und 2005 fehlten Russland allerdings die nötigen Devisen und Kapitalzuflüsse, um Geld in Gold umzuwandeln“, so Christian. Erst mit dem Anstieg der Rohstoffpreise hatte man das nötige Kapital, um wieder in seine Goldreserven zu investieren. Während sich die russisch-amerikanische Beziehung nach und nach verschlechterte, hatte Russland durch die Aufstockung der eigenen Goldreserven den Vorteil, seine Gesamtreserven auf diesem Wege zu diversifizieren.

Zwar sagt die russische Zentralbank, dass die Goldreserven „aufgrund des Prinzips der Diversifikation“ erhöht werden, jedoch auch, dass „nur diese Reserveanlage einen vollständigen Schutz vor rechtlichen und politischen Risiken“ mit sich bringt. Der Dollar als globale Währungsreserve steckt in der Krise, ebenso wie das gesamte Papiergeldsystem. Ob hinter Russlands Strategie Vorsorge oder eher Kalkül steckt, ist wohl eher mit Letzterem zu beantworten. Russland will nicht vom Westen abhängig sein und ist somit auch stärker vor Sanktionen geschützt. Laut Christian deckt sich die russische Strategie mit den Goldkäufen der Chinesen, sowie vielen weiteren Nationen.

„In dieser Strategie sind sehr deutliche politische Botschaften enthalten“, so der Experte. „Nicht nur in Russland und in China, sondern überall auf der Welt ist man mit der monetären Hegemonie sehr unzufrieden, die die USA nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs durchgesetzt haben.“

Das Währungsmonopol wird in Frage gestellt

Im Wirtschaftsblog der FAZ stellt sich die Frage, ob der Dollar alternativ los ist. Die Antwort gibt der bekannte Währungshistoriker Barry Eichengreen. Dieser „hält es für denkbar, dass sich im Laufe der Zeit neben dem Dollar eine kleine Zahl anderer Währungen etablieren kann, die zusammen mit der amerikanischen Währung die internationalen Finanzmärkte dominieren werden.“

Somit muss z.B. China nicht zuerst die Weltherrschaft an sich reißen, um seinen Yuan zu internationalisieren. Den Anstoß machte die Aufnahme des Yuan in den internationalen Währungskorb. Heute geht Chinas Währung in großen Schritten zur Weltwährung und versucht sich stetig vom Dollar zu distanzieren. Russland und China planen ein eigenen gemeinsames Zahlungssystem, ein gemeinsames Joint Venture zur Goldförderung und ein neues Goldhandelssystem für die BRICS-Staaten. Ganz oben auf der Liste zur Dedollarisierung steht jedoch der ominöse Petro-Yuan.

Wie Japans Nachrichtenmagazin Nikkei berichtete, plant China noch für dieses Jahr, Öl-Futures auf den Markt zu bringen. Diese werden in Yuan angeboten und können an den chinesischen Börsen in Shanghai und Hongkong in Gold getauscht werden. Neben den bisher in Yuan angebotenen Gold-Futures könnten Öl-Futures der breiten Masse zugänglich gemacht werden und allen Investoren die Möglichkeit bieten, in physischem Gold bezahlt zu werden.

Laut Eichengreen muss der Dollar als beliebteste Währungsreserve und Taktgeber der Wirtschaft nicht abgelöst werden, um andere Währungen zu etablieren. Diese müssen nur effizient miteinander handelbar sein. Wie umsetzbar und erfolgreich die russischen und chinesischen Pläne sind, wird die Zukunft zeigen.

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