Russland hat seit Jahresbeginn schon 105 Tonnen Gold zu ihren Reserven hinzugekauft. Das hat seit Jahren Tradition. Neu ist, dass Russlands Zentralbank nahezu alle US-Anleihen verkauft hat.

Goldreserven steigen weiter

Die russische Zentralbank hat im Juni 15,5 Tonnen Gold gekauft. Seit Beginn des Jahres hat Russland 105 Tonnen Gold zu ihren Gesamtreserven hinzugefügt. Der Wert dieser beträgt aktuell 456,74 Milliarden US-Dollar. Der Goldanteil an den gesamten Reserven beträgt 17,11 Prozent (78,16 Milliarden US-Dollar). Im gleichen Zeitpunkt vor einem Jahr hatte Russlands Zentralbank 102 Tonnen Gold gekauft. Das Land wird somit nicht müde, seine Goldreserven aufzustocken.

Seit Jahren werden den Goldreserven rund 200 Tonnen Gold jährlich hinzugefügt. Kürzlich wurde bekannt, dass sich auch der Anteil des Yuan an den Währungsreserven erhöht hat. Der offizielle Grund für die Aufstockung ist stets die Diversifikation, der inoffizielle die Dedollarisierung.

US-Anleihen abgestoßen

Wie nun bekannt wurde, hat die russische Zentralbank vor dem Treffen zwischen Trump und Putin in Helsinki nahezu alle US-Anleihen verkauft. Elvira Nabiullin, die Chefin der russischen Zentralbank, nannte die Abstoßung „Politik der Diversifizierung von Reserven“. In der Liste der 30 wichtigsten Gläubiger taucht Russland nicht mehr auf. Wirtschaftliche Risiken sollen der Grund für die Abstoßung sein.

Politische Gründe laut Experten

Andere Stimmen gehen von politischen Gründen aus. „Die Beziehungen zwischen beiden Staaten verschärfen sich und jedwede finanzielle Beziehung kann zulasten Russlands gehen“, sagt die Chefanalystin des Investmentgruppe Alpari, Anna Kokorjewa.

„Die Zentralbank könnte gedacht haben, dass russische Staatsanleihen wegen geopolitischer Spannungen eingefroren werden könnten. Die Regulierungsbehörde hat im Frühjahr angekündigt, ihre Reserven zu diversifizieren“, sagte Zhanna Kulakova, Finanzberaterin bei TeleTrade.

Kulakova glaubt, dass die russische Zentralbank das Geld aus dem Verkauf in chinesische Anleihen und Gold reinvestieren könnte. „Gold ist ein Sachwert, der unter keinen Umständen vollständig abgeschrieben werden kann. In Zeiten globaler finanzieller oder politischer Krisen wird Gold viel nützlicher sein als Wertpapiere oder Bargeld“, sagte Kulakova.

Dollar bleibt Hauptreserve

Es müssen nicht wirtschaftliche ODER politische Gründe hinter der Abstoßung sein. Die Antwort des warum, liegt wohl in beiden Gründen. Seit Jahren spricht Russland von Diversifikation. Man hat dennoch und logischerweise in den starken Dollar investiert. Auch wenn man nicht mehr Gläubiger der USA ist und die Diversfikation voranschreitet, besteht der Großteil der Reserven mit 45,8 Prozent weiterhin aus der amerikanischen Währung.

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