Petrodollar in Gefahr: Chinas Yuan auf dem Weg zur Weltwährung?

 

petrodollarSeit längerer Zeit wird dem Petrodollar das Ende prophezeit. Bislang hat er sich bewährt. Chinas neuer Angriff könnte ihn aber endgültig ablösen. Auch der Goldpreis könnte darunter leiden.

Abkommen zwischen China und Saudi-Arabien

Im März wurde bekannt, dass sich Saudi-Arabien und China auf eine wirtschaftliche Zusammenarbeit geeinigt haben. Das Abkommen hat ein Volumen in Milliardenhöhe. Während des Besuchs von König Salman bin Abdulaziz in Peking unterzeichneten er und Chinas Präsident Xi Jinping Investitionserklärungen im Wert von 65 Milliarden US-Dollar. China bezeichnete Saudi-Arabien als „globalen Partner im Aufbau einer neuen Seidenstraße“. Bereits seit 2015 ist China Saudi-Arabien wichtigster Handelspartner. Unter anderem wird China in Energie, Finanzen und Raumfahrt investieren. Für das Handelsnetz, das bis nach Europa und Afrika reicht, investiert China bereits in vielen anderen Ländern in deren Infrastruktur und lässt Eisenbahnen, Straßen und Pipelines errichten. Als Gegenleistung könnte China als einer größter Öl-Abnehmer der Saudis die Abkehr vom Petrodollar durchzusetzen. Nutzt China Amerikas aktuelle Unbeliebtheit in islamisch geprägten Ländern, um den Yuan auf dem Weg zur Weltwährung zu bringen?

Petrodollar schon seit dem zweiten Weltkrieg

Seit dem zweiten Weltkrieg wird Erdöl hauptsächlich in US-Dollar gehandelt. Darauß entstand die Bezeichnung Petrodollar. Behauptungen nach haben sich die USA und Saudi-Arabien 1972/73 (ein Jahr nach Ende des Goldstandards) stillschweigend auf einen Vertrag vereinbart, der den USA zusichert, dass Saudi-Arabien Öl mit allen Ländern in US-Dollar handelt und auf andere OPEC-Mitglieder hinwirkt, es ihnen gleichzutun. Gegenleistung war militärische Unterstützung seitens der US-Regierung. Diese profitierte vom Abkommen, welches den US-Dollar global noch mehr Handlungspielraum und Nachfrage zusicherte.

Kommt es zur Abkehr der Saudis vom Dollar zum Yuan, wäre das sicherlich eine Bedrohung für den Dollar, um den nach vermeintlichen Expertenmeinungen sowieso schlecht steht. Angeblich fokussiert China derzeit die Bedingungen seines Ölhandels mit Saudi-Arabien. Speziell arbeitet China an einem Abkommen, um saudisches Öl mit chinesischem Yuan zu bezahlen. Diese Anstrengung stellt eine direkte Bedrohung für die Sicherheit des Dollars dar. Schließlich dominiert der Dollar die globale Finanzierung seit den 70er Jahren.

China steht nicht still

Vor 15 Jahren stoppte China seinen Fokus auf die eigene Erdölförderung und wurde zu einem der größten Öl-Käufer der Saudis. Da China in den letzten zwei Jahrzehnten wirtschaftlich zu einer Weltmacht anwuchs, die Öl-Importe sich seit 2010 nahezu verdoppelten und die USA als größter Öl-Importeur abgelöst worden sind, ist es aus Sicht Chinas nur folgerichtig seine eigene Währung zu stärken, anstatt wie bisher in US-Dollar zu zahlen. Hinzu kommt die Strategie Chinas immer stärker in Gold zu investieren und amerikanische Staatsanleihen auf den Markt zu stoßen. Die gleiche strategische Vorgehensweise findet man in Russland. Neben Saudi-Arabien und Angola dem wichtigsten Öl-Lieferanten Chinas. Hinzu kommen Quellen aus dem Iran, Iraq und Oman. Die Öl-Lieferungen aus Russland stiegen in den vergangenen Jahren von fünf auf 15 Prozent der Gesamtmenge aller chinesischen Öl-Einfuhren und lösten die Saudis an der Spitze ab.

Russland wird mit Yuan bezahlt

In den letzten Jahren hat China seine Handelsaktivitäten mit Russland verstärkt. Laut dem Branchendienst dailyreckoning und Finanzmarktwelt kann China im Gegenzug bereits seit 2015 den russischen Ölförderer Gazprom für sein Erdöl in Yuan bezahlen. Damit wurde ein globaler Kreislauf durchbrochen, wonach Ölproduzenten bisher erhaltene Dollar in US-Kapitalanlagen untergebracht haben. Das Geld verblieb also im Dollar-Raum, damit der Dollar für diese Länder noch wichtiger wurde. Die erworbenen Yuan nutzt Russland um Waren aus China zu beziehen. Seit 2016 direkt mit Sitz der Russischen Bank in Peking. Von dort aus kann Russland seine chinesischen Yuan verwenden, um Gold an der Shanghai Exchange zu kaufen. Ohne Wechselkursrisiko. In gewissem Sinne wird der chinesisch-russische Ölhandel nun durch einen eigenen“Goldstandard“ unterstützt, der komplett auf den Petrodollar verzichtet.

Saudis unter Druck

Die Lieferungen aus Saudi-Arabien wurden über die Jahre immer weniger. Der saudische Anteil der gesamten chinesischen Öl-Einfuhren sank von über 25 Prozent im Jahr 2008 auf unter 15 Prozent. Druck für die Saudis, dem diese nun wohl nachgeben könnten. China als Handelspartner zu verlieren wäre fatal. Gibt man also den Petrodollar auf und akzeptiert den Yuan, der sich somit immer stärker positioniert?

Für den Westen ist die diese Möglichkeit wohl noch so unnahbar, dass es gar keine Stimmen zum möglichen Verlust des seit Jahrzehnten bestehenden Petrodollar und daraus resultierenden US-Dollar-Schwankungen gibt. Eines Tages könnte die amerikanische Politik in einer solch großen Währungskrise stecken, in der der Dollar mächtig an Wert verliert und die Ölpreise in Dollar drastisch in die Höhe steigen. Die gesamte Finanzwelt könnte umgeworfen werden und der Goldpreis, der in US-Dollar gehandelt wird, explodieren.

Warum die USA nun aber (öffentlich) keine schlaflosen Nächte bekommen, kann in der starken eigenen Ölproduktion liegen. Die USA sind nicht zwingend auf die Saudis angewiesen. Auch darf bezweifelt werden, ob das Abkommen überhaupt noch Bestand hat. Trotz aller Krisen hat der US-Dollar eine enorme Popularität im weltweiten Handel. Betrachtet man zudem die Öl-Käufe seitens der USA biete dieser für Saudi-Arabien wenig Anreiz gegenüber allen stärkeren Käufern auf den Petrodollar zu bestehen. Dieser bliebe für andere Handelspartner der USA weiterhin bestehen. So könnte man naiv argumentieren. Sollte man aber keinesfalls.

USA importieren rund 50 %

Steve Saville erklärt auf seinem Blog, dass der Petrodollar im Gesamtbild aller täglichen Handelstätigkeiten wenig Bedeutung hat. Er argumentiert: 96 Millionen Barrel Öl werden täglich produziert. Pro Tag verbrauchen die Vereinigten Staaten ungefähr 19 Millionen Barrel Öl. Davon werden zehn Millionen Barrel auf amerikanischen Boden produziert. Daher importieren die USA etwas weniger als die Hälfte des Tagesbedarfs. Um die Nachfrage auf den US-Dollar zu erhöhen, müssten täglich weltweit 50 Millionen Barrel gehandelt werden. Bei einem festgelegten Preis von 50 US-Dollar pro Barrel, ergibt sich eine jährliche Handelssumme für internationale Ölgeschäfte von 900 Milliarden US-Dollar. Einer Studie der Bank of International Settlements nach belief sich der Wert des Handelsvolumen an den globalen Währungsmärkten im April 2016 pro Tag auf 5,1 Billionen US-Dollar. 88 Prozent (4,5 Billionen US-Dollar) dieser Geschäfte wurden tatsächlich in US-Dollar getätigt. Das jährliche Ölgeschäft macht also weniger als ein Fünftel des täglichen Wirtschaftsgeschehens aus.

Man sollte es aber eher so sehen: Das jährliche Ölgeschäft macht also fast ein Fünftel aller täglichen Wirtschaftsaktivitäten aus! Der Petrodollar hält die amerikanische Wirtschaft mit am Laufen. Den bei allen Transaktionen handelt es sich zum größten Teil um Spekulationen. Es sind Wetten auf Kurse oder Aktien, ohne das ein tatsächlicher Handel stattfindet. Anders als im tatsächlichen Import und Export von Gold oder Öl. Ein Vergleich von Birnen und Äpfel. Trotz der Popularität des Dollars wäre es töricht den Petrodollar als nicht wichtig oder prestigeträchtig anzusehen. Nicht nur um den Yuan beim weiteren Schritt zur Weltwährung zu hindern.

Auch Iran möchte den Dollar abschütteln

Auch der Iran möchte den US-Dollar gänzlich als Zahlungsmittel abweisen und den Petrodollar aus seinem Vokabular streichen. Nach Trumps Wahlsieg und dessen Umgang mit dem Einreisestopp gegenüber einigen islamischen Ländern, wie dem Iran, sind die Beziehungen zu den USA noch schlechter geworden als sie es ohnehin waren. Die iranische Zentralbank drohte bereits den US-Dollar nicht mehr als Leitwährung zu akzeptieren. Der Kampf gegen den Petrodollar ist ein sehr schwieriges Unterfangen für den Iran, immerhin ist Öl das wichtigste Exportgut des Landes. Geht Saudi-Arabien den Schritt zum Yuan, könnte auch der Iran folgen. China ist bereits heute mit den Vereinigten Emiraten Irans wichtigster Abnehmer. Letztes Jahr wurde bekannt, dass der Iran von drei europäischen Abnehmern angeblich bereits in Euro bezahlt worden ist.

Nächster Schritt kann Dominoeffekt auslösen

Saudi-Arabien steht am Scheidepunkt. Eine Entscheidung gegen den Petrodollar würde weitreichende Folgen für die Saudis haben. Entweder sie verlieren die Unterstützung der USA oder weitere Marktanteile in China. Nimmt Saudi-Arabien den Yuan als Zahlungsmittel an, könnte dich einen Dominoeffekt auf andere islamische Länder haben. Die OPEC ist für die USA weiterhin von großer Bedeutung. Sie steht für 42 Prozent der weltweiten Ölförderung, während sie 81 Prozent der weltweiten Ölreserven hält. Der Iran hält alleine 13 Prozent. Für die USA ist der Erhalt des Petrodollars unumgänglich. Es könnte sich eine Allianz bilden, die die Bedeutung des Dollar als Weltreservewährung in Wanken bringen würde und enorme Auswirkungen auf den Goldpreis mit sich tragen könnte.

Es bleibt abzuwarten wie die USA reagieren. Der Fracking-Boom hat so viel Öl gefördert, das man selbst über eigene Reserven verfügt. 2015 wurde bekannt, dass acht Prozent der Reserve im Wert von drei Milliarden auf den Markt gebracht werden. Erstmals seit über 40 Jahren erlauben sich die USA wieder Öl zu exportieren. Ab 2018 werden jährlich fünf Millionen Barrel angeboten, ab 2023 zehn Millionen. 2025 sollen auf diese Weise fast 60 Millionen Barrel zu Geld geworden sein. Offiziell um den eigenen Haushalt zu stabilisieren. Inoffiziell um die Marktpreise derer zu drücken, die hauptsächlich vom Öl leben. Zum Beispiel Saudi-Arabien, Russland und der Iran. Der Währungskrieg um den Petrodollar könnte parallel einen Rohstoffkrieg auslösen.

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