Nachfolgewährungen: Was wäre, wenn der Euro scheitert?

 

Der Euro scheitert. Immer wieder beschwören das (nicht nur) vermeintliche Experten. Seit Beginn der Griechenland-Krise wackelt der Euro gewaltig. Nicht wenige sahen damals den Zusammenbruch der Währung für beschlossene Sache. Der Euro hielt. Doch wie lange noch? Der Nexit wurde verhindert. Doch die Sorge bleibt. Die Liste der ausschlaggebenden Ereignisse, damit der Euro scheitert, ist lang. Grexit, Frexit, Itexit, Weltwirtschaftskrise, Trumps Abneigung gegenüber dem Euro, Terrorgefahr…überschlagen sich die Ereignisse ist der Euro in großer Gefahr.

Auf dem Finanzmarkt geht man daher Szenarien durch, was mit den Währungen geschehen wird, wenn der Euro scheitert. Der amerikanische Finanzriese Bank of America Merrill Lynch (BoA) spielte dieses Szenario nun durch. Unter dem medienwirksamen Titel „The day after the Euro“ erklärt der griechische BoA-Analyst Athanasios Vamvakidis wie sich die einzelnen Währungen nach dem Folgen der Euro-Abschaffung auf- und abwerten würden.

Wer profitiert, wenn der Euro scheitert?

Athanasios geht davon aus, dass die Zinsen wieder steigen werden. Das schließt er aus dem Ende des sogenannten OMT-Programms, welches in der Euro-Krise 2012 von der Europäischen Zentralbank eingeführt wurde, um stark verschuldeten Staaten Kredite zu ermöglichen. Nach der Abschaffung des Euros würden die Unterschiede zwischen den verschiedenen Nachfolgewährungen deutlich. Schuldenquoten würden auf einen höheren Stand steigen als 2012.

Es gäbe aber nicht nur Verlierer und den Währungen. Wenn der Euro scheitert, profitiert besonders die Deutsche Mark. Sie würde um 15 Prozent aufgewertet werden und laut Vamvakidis sogar noch weiter steigen. Auch Irlands Währung würde um 2,5 Prozent steigen. Abgewertet würden aber Portugal (-1%), Italien (-3%), Frankreich (-5%), Griechenland und Spanien (beide -7,5%). Die deutsche Mark wäre, unter Marktaspekten (kurzzeitige Übertreibungen auf den Märkten), im Vergleich zu Peseta oder Drachme plötzlich 30 bis 40 Prozent teurer. Dies hätte sofort Konsequenzen auf den Im- und Export.

 Warum kriselt der Euro?

Die Welt erklärt warum Vamvakidis am Erhalt des Euros zweifelt, liegt seiner Sicht aus an der viel zu lapidaren Geldpolitik der EZB. Diese wird an der Billigung des hohen Schuldenbergs der Euro-Staaten und den zu geringen Zinsen scheitern. Wenn die EZB in Zukunft nämlich von ihrer Nullzinspolitik nach und nach abrückt, wird das zum Problem für die Schuldenländer. Nimmt man als Beispiel Spanien hat sich dessen Schuldenberg seit 2008 fast verdreifacht (0,76 Billionen Euro auf 1,2 Billionen Euro), während die Zinslast nur auf 80 Prozent anstieg (17 auf 31 Milliarden Euro). Italiens Schulden wuchsen im gleichen Zeitraum sogar noch mehr (1,67 auf 2,27 Billionen Euro) und dennoch zahlt das Land heute sogar weniger Zinsen (von 80 Milliarden runter auf 66 Milliarden Euro) als vor neun Jahren.

Besorgnis erregend sind auch die Verhältnisse unter den Notenbanken. Deutschland gewährt anderen Notenbanken immer öfter einen Überziehungskredit, womit die Verbindlichkeiten innerhalb der Zentralbanken in der Eurozone steigen – genannt Target2-Salden. Dies und die Tatsache, dass Anleger lieber in die stärkeren deutschen Anleihen investieren, als in die schwachen Inländischen, führt zu einem immer größeren Ungleichgewicht zwischen den EU-Mitgliedern.

Was passiert nach der Euro-Crash?

finanzen.net analysierte die BoA-Studie und erklärte, was auf dem Finanzmarkt nach dem Crash passieren wird: Die an ausländische Notenbanken ausgegebenen Überziehungskredite würde die Bundesbank wohl nicht zurückbekommen und müsste darüber hinaus auch noch Rettungsprogramme finanzieren. Die schwachen Euro-Länder könnten nicht von ihren nun billigeren Exportgütern profitieren, da ihre Altlasten weiterhin über den Euro laufen. Auch mit weiter steigenden Zinsen sei zu rechnen.

Wie kann der Euro-Crash verhindert werden?

Die Lösung sieht Vamvakidis in einer höheren Inflation Deutschlands, um die schwachen Länder zu unterstützen. Auch müsse Deutschland mehr investieren und weniger sparen. Dass Deutschland aber plötzlich mehr Schulden macht als sowieso schon, hält auch er für nicht gerade wahrscheinlich: „Allerdings glauben wir, dass eine solche Politik unwahrscheinlich ist. Was bedeutet, dass die Gefahr eines Auseinanderbrechens der Euro-Zone langfristig steigt“, so Vamvakidis in seiner pessimistischen Prognose.

Vermögenswerte absichern

Vielen Experten erscheint das Ende des Euros noch komplett unwahrscheinlich zu erscheinen. Die Alarmglocken sollten aber auch bei ihnen ertönen. Überraschungen gab es am Finanzmarkt immer und wird es immer geben. Daher ist es mehr denn je ratsam, einen Teil des Vermögens aktiv in physischem Gold abzusichern. Die Norddeutsche Edelmetall Scheideanstalt rät Ihnen, je nach Umfang des Gesamtvermögens, circa zehn bis zwanzig Prozent in Edelmetallen zu besitzen oder zu investieren. Der größte Teil davon sollte in Gold und Silber investiert sein. Denn die Gefahr vom Euro-Ende ist noch lange nicht vom Tisch.

 

Ihre Meinung?