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IWF-Chefin Lagarde glaubt an Zukunft von Kryptowährungen

Durch den Höhenflug von Bitcoin halten immer mehr vermeintliche Finanzexperten eine Zukunft für möglich, in der klassische Währungen durch virtuelle ersetzt werden. Neu in der Riege ist nun die Direktorin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde.

Anlässlich des 20. Jahrestages der Unabhängigkeit der Bank of England sprach Lagarde über die Zukunft der Geldpolitik in den kommenden 20 Jahren. In ihrer publiken Rede "Central Banking and Fintech—A Brave New World?" thematisierte sie den Einfluss, den künstliche Intelligenz, Fintechs und Kryptowährungen auf die Finanzbranche nehmen können.

Als Chef nur noch den PC polieren?

„Wird unser Gouverneur im Jahr 2040 (nur) in die Bank gehen, um eine Geldpolitik-Maschine zu polieren?“, fragte Lagarde in die Runde. „Eine Sache ist klar“, sagte Lagarde weiter: „Wie haben immer mehr Daten. Einigen Schätzungen zufolge sind 90 Prozent der derzeit verfügbaren Daten alleine in den vergangenen zwei Jahren entstanden. Und das sind nicht einfach Informationen über Wirtschaftskraft, Arbeitslosigkeit und Preise, sondern ebenso Verhaltens-Daten über die Eigenheiten und Irrationalitäten des Homo Economicus.“

Durch unsere technische Evolution mithilfe Internet und Smartphones sind diese nun „reichlich vorhanden, allgegenwärtig und zunehmend wertvoll, wenn wir sie mit Künstlicher Intelligenz verbinden. Innerhalb der nächsten Generation werden Maschinen nahezu sicher eine größere Rolle spielen – darin, politischen Entscheidern zu assistieren, Vorhersagen in Echtzeit anzubieten, Blasen zu erkennen und komplexe makro-finanzielle Verbindungen aufzudecken.“

Dass Computer jedoch die Entscheidungen der Geldpolitik übernehmen, hält Lagarde nicht für möglich. Denn selbst wenn die künstliche Intelligenz so ausgereift wäre, um Erläuterungen und Entscheidungen so formulieren zu können, dass diese nachvollzogen werden könnten, würden dennoch Krisen entstehen. Und letztendlich müsste jemand Verantwortung übernehmen. „Aber können Computer wirklich verantwortlich gemacht werden – von einem jungen Paar, das sich kein Haus kaufen kann, gegenüber der arbeitenden Mutter, die plötzlich ihre Stelle verliert? Deswegen sehe ich nicht, dass Computer die Geldpolitik übernehmen werden“.

Kryptowährung als neuer Dollar

Anders ist Lagardes Zukunftsvision gegenüber Kryptowährungen. Diese sind zurzeit zwar noch "schwankend, zu riskant, zu umständlich", „erlauben unmittelbare Transaktionen ohne zentrale Verrechnungsstelle, ohne Zentralbanken", so die IWF-Direktorin. „Denken Sie beispielsweise an Länder mit schwachen Institutionen und instabilen nationalen Währungen. Anstatt die Währung eines anderen Landes - wie z. B. des US-Dollars - zu übernehmen, könnten einige dieser Volkswirtschaften einen wachsenden Einsatz virtueller Währungen erleben. Nennen wir es Dollarisierung 2.0.“

Eines Tages könnten Kryptowährungen "einfacher und sicherer" sein als physische Geldeinheiten. "Die Ausgabe könnte gänzlich transparent erfolgen und von einer vorher festgelegten, glaubwürdigen Regel gesteuert werden; von einem Algorithmus, der stetig kontrolliert werden könnte", sagte Lagarde.

Lagarde, seit 2011 IWF-Direktorin, betrachtet die wachsende Nachfrage nach neuen Zahlungsdiensten in Ländern, in denen die gemeinsame, dezentralisierte Dienstleistungswirtschaft auf dem Vormarsch ist. Dies ist eine Wirtschaft, die in Peer-to-Peer-Geschäften, in häufigen, kleinen Zahlungen, oft grenzüberschreitend, verwurzelt ist.

„Vier Dollar für Gartentipps einer neuseeländischen Dame, drei Euro für eine Fachübersetzung eines japanischen Gedichtes und 80 Pence für eine virtuelle Wiedergabe der historischen Fleet Street: Diese Zahlungen können mit Kreditkarten und anderen Formen von E-Money getätigt werden. Allerdings sind die Gebühren für Transaktionen von geringem Wert, insbesondere grenzüberschreitend, relativ hoch.“

Laut Lagarde können Bürger stattdessen eines Tages virtuelle Währungen bevorzugen, da sie möglicherweise die gleichen Kosten und den gleichen Komfort bieten wie Bargeld - kein Abwicklungsrisiko, keine Verspätungen beim Clearing, keine zentrale Registrierung, kein Vermittler für Konten und Identitäten. Wenn private virtuelle Währungen riskant und instabil bleiben, können die Bürger sogar die Zentralbanken auffordern, digitale Formen des gesetzlichen Zahlungsmittels anzubieten.

Lagarde mahnt zur Wachsamkeit

Schon einmal wurde eine technische Evolution als nicht durchsetzungsfähig abgetan. Dies sollte sich nicht wiederholen. "Vor nicht allzu langer Zeit haben Experten behauptet, dass sich persönliche Computer nicht durchsetzen werden, und dass Tablets nur als teure Kaffeetabletts genutzt werden würden." Deshalb sei es nicht klug, virtuelle Währung bereits im Vorfeld abzulehnen. Um Veränderungen zu bewerkstelligen, sieht Lagarde „Die beste Antwort von Zentralbanken bei der Fortsetzung einer effektiven Geld- und Kreditpolitik, die Offenheit für neue Ideen und neue Forderungen im Zuge der Entwicklung der Wirtschaft sein“.

Virtuelle Währungen basieren auf der Blockchain-Technologie. Dieselbe die auch für Bitcoins Höhenflug verantwortlich ist. Die Blockchain ist eine dezentrale Datenbankstruktur bzw. ein digitales Register, das Transaktionen transparent verzeichnet. Jedes Register kennt sämtliche Transaktionen und vermeidet zum Beispiel doppelte Zahlungen. BTC-echo.de beschreibt Blockchain folgendermaßen:

Sie ist letztlich ein offen einsehbares Hauptbuch, das alle getätigten Transaktionen transparent dokumentiert. Dieses Hauptbuch wird nicht zentral abgelegt, sondern auf vielen verschiedenen Computern – den sogenannten Nodes – gespeichert und aktualisiert. Die dezentrale Ablage und der Prozess des Mining (Anm.: das Mining muss nicht bei jeder Blockchain vorkommen) sorgen dafür, dass eine Blockchain von keiner zentralen Autorität verwaltet werden muss. Bildlich kann man sich die Blockchain als eine Kette von Blöcken vorstellen, in denen jeweils Transaktionsdaten miteinander verknüpft werden. Die Transaktionen werden zu Blöcken zusammengefasst, auf Gültigkeit überprüft und in einem Prozess namens Proof-of-Work an die bisherige Kette von Blöcken angefügt.

 

(Titelbild: CC-BY-SA 3.0)

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