Der Goldpreis hat einen Wert von 2.144 in US-Dollar erreicht und ein Ende ist derzeit noch nicht abzusehen. Damit kostet eine Feinunze Gold derzeit ca. 4% mehr als 1 Woche zuvor. In Euro ausgedrückt sind es 1.973,90 pro Feinunze, bzw. 63,46 Euro pro Gramm Gold. Dazu passend sind nun auch die Preise für den Goldankauf entsprechend auf über 60 Euro pro Gramm gestiegen, sodass es sich richtig lohnt, liegengebliebenen Schmuck oder Zahngold zu Geld zu machen.

Wie kann der Goldpreis jedoch im Licht von weltpolitischer Lage und unter Berücksichtung der gestiegenen Inflation beurteilt werden? Ist es wirklich der höchste, jemals erreichte Goldkurs?
Dazu muss man die Kaufkraft des Geldes zusätzlich betrachten. Und dazu muss die historische Kaufkraft mit der derzeitigen verglichen werden. Gemessen an der Kaufkraft ist der Goldpreis derzeit tatsächlich nicht der höchste, jemals erreichte Kurs.
Es gab einen Ausreisser in den frühen 1980er Jahren, der Gold auf den Kurs von 850 US-Dollar pro Unze katapultierte. Nominal, also in Zahlen ausgedrückt liegt 2.144 US$ natürlich weit darüber. Vergleicht man jedoch die inflationsbedingten Kaufkraftverluste, so liegt der jetzige hohe Goldpreis nur bei ca. 61% vom damaligen Stand. Umgerechnet nach dem Basis US-VPI-Deflator (Verbraucherpreisindex) entsprachen nämlich die 850 US$ vom 21.01.1980 ganzen 3.386 US$ in heutigem Geld. Damals lag die Inflation übrigens bei fast 14%, derzeit bei ca. 3,7% in den USA.
Das bedeutet, dass der Goldpreis tatsächlich noch Luft nach oben hat, wenn man es so deuten will. Gleichzeitig spiegelt der hohe jetzige Goldkurs wider, welche Probleme die Teilnehmer der Geldmärkte augenblicklich sehen:
- China / Taiwan
- Israel / Hamas
- Huthi / Rotes Meer
- Politische Unwägbarkeiten durch viele, derzeit bevorstehende und bedeutende Wahlen sind auch noch zu nennen.
Die Käufe von Zentralbanken, die seit Jahren und Monaten in großen Ausmaßen stattfinden, sind übrigens für den jetzigen scharfen Anstieg wohl nicht verantwortlich. Zentralbanken denken und steuern in viel größeren Zeiträumen, um für solche kurzfristigen Kursausschläge verantwortlich zu sein. Es ist noch nicht einmal davon auszugehen, dass sie weniger einkaufen wegen des Preisanstiegs, lediglich eine zeitweilige Verlangsamung könnte eintreten. Es fliessen zwar größere Mengen an Gold von Shanghai nach China-Festland, wie die Zu- und Abflüsse an dieser Goldbörse belegen, aber das liegt vermutlich an der Nachfrage zum Neujahrsfest.
Fraglich ist auch, ob der Ausbruch des Goldpreises, der ab letztem Freitag zu beobachten ist, ausschließlich gespeist wurde von der Ankündigung der US-FED, ein Quantitative Tightening zu beenden und zum Quantitative Easing zurück zu kehren. Die Straffung (Tightening) oder Lockerung (Easing) von Verkäufen bzw. Käufen auf dem Anleihenmarkt durch die FED soll immer wieder den Goldpreis beeinflussen. Ob dies nur kurzfristiges Sentiment des Marktes ist oder eine erfolgversprechende Beteiligungsstrategie für Börse oder Rohstoff-Markt darstellt, muss immer wieder die folgende Zeit beweisen. Denn letztlich sind der FED die geldmarktpolitischen Zügel nicht ohne Abhängigkeit im gesamten weltwirtschaftlichen Raum gegeben. Es gibt noch viele andere Anlageklassen, die kaum von diesem Mittel der Marktsteuerung beeinflusst werden. Im Gegenteil ist es die Schwäche der Zentralbanken, auf Märkte sinnvoll Einfluss nehmen zu können, die regelmäßig Kritik hervorruft, sowohl bei der Bekämpfung einer Inflation als auch bei anderen Ereignissen, die die Wirtschaft insgesamt beeinträchtigen oder befeuern.
Der Höchstpreis könnte schnell wieder abschmelzen, wenn nun Gewinnmitnahmen durch Händler stattfinden, die kurzfristig profitieren wollen. Auch Minenbetriebe könnten diese Welle mitnehmen, um bevorstehende Lieferungen hoch abzusichern und dabei einen längeren zeitlichen Horizont zur Lieferung vereinbaren.
Wer verkaufen will, sollte deshalb nicht zu lange warten.
