Gold in Indien – Der Subkontinent ist mit China der führende Goldkonsument der Welt. Das Edelmetall ist in der Kultur seit Jahrhunderten fest verankert. Auch wenn der Wohlstand in Indien wächst, gibt es nach wie vor einen sehr hohen Armutsanteil. Aber selbst bei den ärmeren Indern spielt Gold eine wichtige Rolle. Eine neue Studie zeigt nun, dass sich Gold über alle Einkommensklassen verteilt.

Gold in Indien : Alles wird teurer

Kürzlich berichteten wir darüber, dass Indien, unter dem Deckmantel der „verbesserten Transparenz“ und der Bildung eines „gemeinsamen Marktes“, begonnen hat, Gold mit neuen Steuern, Regulierungen und Anreizen zu belegen, damit seine Bevölkerung ihr nicht deklariertes Gold in den Finanzsektor fließen lässt.

Neben der Einführung einer zehnprozentigen Einfuhrsteuer auf Gold, welche von der Regierung in Anbetracht des Goldschmuggels erklärt wurde, hat Indien vor kurzem eine dreiprozentige landesweite Waren- und Dienstleistungssteuer auch auf Gold veranschlagt, die am 01. Juli 2017 in Kraft treten wird.

Der leitende Wirtschaftsberater des indischen Finanzministeriums Arvind Subramanian forderte sogar 18 Prozent, da Gold ein Luxusartikel für Reiche ist. Letztlich beugte man sich der Opposition und den Lobbyisten aus allen Industriezweigen und einigte sich auf „nur“ drei Prozent für alle Produkte und Dienstleistungen.

Dies liegt, laut Studie (ICE 360 ° Umfrage), vor allem daran, dass Gold eben kein reiner Luxusartikel ist. Auch wenn die Reichen immer mehr Gold kaufen, wird in einem Land wie Indien deutlich, dass sich die Nachfrage von Gold durch alle Einkommensschichten zieht.

Ist Gold ein Luxus oder eine Notwendigkeit in Indien?

Die ICE 360 ° Umfrage wurde von der unabhängigen und gemeinnützigen Non-Profit-Organisation, People Research on India’s Consumer Economy, unter der Leitung von zwei der bekanntesten Wirtschaftsexperten in Indien, Rama Bijapurkar und Rajesh Shukla, durchgeführt und dreht sich um den gesamten Konsum der Inder sowie ihrer Finanzen. Die Umfrage wurde teilweise vom World Gold Council finanziert.

Letztes Jahr wurden 61.000 Haushalte befragt. Eines der Ergebnisse ist, dass 87 Prozent aller Haushalte Gold besitzen (mengenunabhängig). In jedem zweiten indischen Haushalt wurde in den letzten fünf Jahren Gold gekauft. 13 Prozent der Haushalte kauften Gold in den letzten beiden Jahren. Die zehn Prozent der einkommensstärksten Inder gaben 2016 das Achtfache der zehn Prozent des niedrigsten Einkommens aus.

Misstrauen bleibt

Die Zahlen der staatlichen Umfrage (beauftragt von der National Sample Survey Organisation (NSSO)) aus den Jahren 2011 und 2012 sahen noch anders aus. Damals gaben nur 3,4 Prozent Haushalte im ländlichen und 4,9 Prozent Haushalte im urbanen Indien an, Gold zu besitzen. Warum sich die beiden Erhebungen so stark unterscheiden, liegt am Misstrauen gegenüber der Regierung. Fragen staatliche Beamte nach, sind die Antworten deutlich vorsichtiger als gegenüber einer unabhängigen Non-Profit-Organisation.

Je reicher, umso handlungsfähiger

Nach wie vor wird Gold für Hochzeiten gekauft. In allen Einkommensklassen. Ein höherer Anteil wird jedoch für „soziale Zwecke“ gekauft. Darunter fallen Geschenke, der persönliche Gebrauch, zur Selbstdarstellung oder für die Gottesanbetung während der Zeremonien. Doch ist auch zu erkennen, dass je höher das Einkommen, umso mehr wird Gold in Indien als Handelsgut gesehen. Nur vier Prozent der Haushalte in der unteren zehnprozentigen Einkommensklasse investierte jemals in hier unbekannte Goldkredite, während es in den Top Ten der einkommensstärksten Haushalte schon 13 Prozent sind. In den ein Prozent der einkommensstärksten Haushalte sind es 14 Prozent, die sich Geld mit Gold als Pfand geliehen haben, um vom fallenden Goldpreis zu profitieren. Der mengenmäßig höhere Goldbesitz macht es möglich.

Goldkredite zum Überleben

Die ärmeren Einkommensklassen, die Goldkredite wahrgenommen haben, brauchten diese meistens, um medizinische Notfälle zu behandeln oder aufgrund ihrer finanziellen Armut. Je ärmer die Haushalte, umso höher war der Anteil der Goldkredite für diese elementare Zwecke. Andersrum wird veranschaulicht: Je höher das Einkommen, umso höher wurden Goldkredite für Bildungszwecke eingesetzt.

Aufgrund einer fehlenden ausreichenden Sozialversicherung oder Sparmöglichkeiten ist somit deutlich zu erkennen, dass Gold in Indien für arme Haushalte als Absicherung für die Gesundheit sowie finanzielle Misslagen eintritt. Für die Reichen ist Gold Luxus. Für die Armen ist Gold eine lebensnotwendige Versicherung, die sich nicht mit Konsumgelüsten gleichstellen lassen kann. Denn staatliche Versicherungen oder soziale Lebenssicherungen bleiben in Indien weiterhin nur den Bessergestellten zugänglich.

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