Asteroid-Mining: Gold im Weltall

 

Gold ist seit Menschengedenken das beliebteste Edelmetall der Welt. Alchemisten versuchten Jahrhunderte lang Gold herzustellen. Ohne Erfolg. Seit je her fragten sich Wissenschaftler, wie Gold auf der Erde entstand und sind seit einiger Zeit sicher, dass Gold im Weltall durch Sternenkollisionen gebildet und durch das Ausmaß der Supernovae zu uns gebracht wurde. Der Theorie nach sieht man deren Eintreten auch auf dem Mond in dessen Kratern. Ein Schwall von Meteoriten soll unsere heutigen Edelmetalle vor vier Milliarden Jahren auf die Erde gebracht haben, nachdem diese sich bereits zu Erdkern und Erdmantel geformt hatte. Denn als die Erde sozusagen noch in ihren Kinderschuhen war, war sie noch heiß und zu größten Teilen ohne feste Erdmasse, daher flüßig. Dadurch sollen sich alle Bestandteile der Erde in einen metallischen Kern und einen gesteinsreichen Mantel getrennt haben. Forschungen nach, sollen somit in dieser Anfangszeit alle irdischen Edelmetalle in den Erdkern verschmolzen sein und erhärten die Wahrscheinlichkeit, dass unser Gold im Erdmantel aus dem Weltall kam.

Gold im Weltall vorhanden

Wenn die Erde Gold besitzt, müssen es auch andere Planeten und Asteroiden. So die Strategie zahlreicher Unternehmer auf dem Weg zur ersten Goldmine im Weltall. Und ihre Pläne können schon bald ausgeführt werden. Einer der Visionäre im Asteroiden-Gold ist John Lewis. Bereits vor über zwanzig Jahren veröffentlichte er in seinem Buch „Mining the Sky“ die Thesen von der Rohstoffförderung auf Asteroiden. Er behauptet, dass allein die erdnahen Asteroiden weitaus mehr Rohstoffe in sich tragen als die gesamte Menge, die bisher auf der Welt gefördert wurde. Ungeahnte Möglichkeiten sieht er zwischen Mars und Jupiter, wo ein ganzer Asteroidengürtel nur auf seine Verarbeitung wartet. Gold im Weltall soll in Unmengen zur Verfügung stehen.

Der Professor und Buchautor ist ehemaliger Berater von Planet Resources und arbeitet seit 2013 für das amerikanische Unternehmen Deep Space Industries. Dieses wirbt bereits mit Robotern, die auf Asteroiden Rohstoffe abbauen und in 3D-Druckern Geräte oder Raumstationen zum Zwischenstopp, zum Beispiel auf dem Weg zum Mars, bauen. Diese können im Weltall „einfacher“ konstruiert werden, da sie nicht den Widerständen unterliegen, die sie beim Start von der Erde erfahren. Minenförderung und Maschinenbau im All. Leben im Asteroidengürtel. In einem Interview mit der Wirtschaftswoche gab Lewis bereits vor fünf Jahren Einblick in seine Visionen und über den bereits damals fortgeschrittenen Stand der Technologie Asteroiden zu bewegen und zu schöpfen.

Sichtbare Fortschritte

Die Theorie klingt einfach. Die Praxis ist komplizierter, macht jedoch immer größere Schritte. 2001 landete erstmals eine Sonde der NASA auf einem Asteroiden und schickte von dort aus zwei Wochen lang Daten zur Erde. Drei Jahre später schickte die ESA „Rosetta“ auf den Weg zum erdfernen und Asteroid-ähnlichen Kometen 67P. Im Gepäck war das Landemodul „Philae“, welches sich, 2014 angekommen, nicht richtig festsetzen konnte und nur sporadisch Daten sendet. 2005 konnte die japanische Weltraumbehörde JAXA mit der Sonde „Hayabusa“ schon einige Partikel eines Asteroiden schöpfen, die 2010 zur Erde zurückkam. Im selben Jahr ging „Hayabusa 2“ auf ihre zehnjährige Erkundungstour. Im September 2016 entsendete die NASA ihre Sonde „OSIRIS-REx“ auf ihre sieben Jahre lange Mission zum potenziell gefährlichen Asteroiden „Bennu“. Dieser kommt der Erde alle sechs Jahre nahe. Somit soll vordergründlich die Gefahr analysiert werden, die von „Bennu“ ausgeht. 2135 wird er der Erde nämlich näher kommen als der Mond.

Der nach einer ägyptischen Gottheit benannte Asteroid soll kartiert werden. Für die Industrie des „Asteroid-Mining“ ist der zweite Teil der Mission der Interessantere. Im Touch and Go-Verfahren wird die Sonde für einige wenige Sekunden auf ihm landen und mithilfe eines „Staubsaugers“ 60 g Regolith-Gestein und separat 26 cm2 feinkörnigen Oberflächenstaub einsammeln. 2023 wird man sehen, was die 800 Millionen teure Mission gebracht hat. Auch gibt es die Möglichkeit den umgekehrten Weg zu gehen und einen Asteroid zur Ausschöpfung in die Mondlaufbahn zu „ziehen“. 2021 will sich die NASA auf den Weg zu einem noch nicht festgelegten Asteroiden machen, um mithilfe eines Roboterarms einen Felsbrocken abzutrennen und anschließend in der Mondumlaufbahn zu lösen. Allein die Vorbereitung soll schon 1,4 Milliarden US-Dollar kosten.

Private Visionäre ziehen an gemeinsamen Strang

Anders als staatliche Einrichtungen müssen sich private Unternehmen nicht nach dem Budget richten, welches ihnen eine Regierung vorgibt, die sich alle vier Jahre ändern kann. Günstiger und schneller als alle anderen will Elon Musk sein. Sein Unternehmen SpaceX testete bereits erfolgreich wiederverwendbare Raketensonden. Bei einem dauerhaften Erfolg wird pro Flug ein immenser Millionenbetrag eingespart. Bereits heute bringt SpaceX Satelliten und Fracht ins All für einen weitaus geringeren Betrag als die Weltraumbehörden. Auch der Weltraum-Tourismus soll erschwinglich werden. 2018 will SpaceX Frachtschiffe auf den Weg zum Mars bringen. Sechs Jahre später soll die erste bemannte Mission starten. Sehr ambitionierte Ziele aber nicht komplett abwegig. Somit könnte SpaceX auf dem Weg zum Mars eine „Tankstelle“ gebrauchen.

Möglich machen können das Unternehmen wie Deep Space Industries oder Planet Resources. Auch das von Milliardären und Technologie-Größen wie Bill Gates, Larry Page, Eric Schmidt oder Sir Richard Branson privat geförderte Projekt „Planetary Resources“ will Fuß fassen im Abbau von Asteroiden und den Ersten bereits 2025 schöpfen. Wie SpaceX kalkuliert Planetary Resources seine Kosten deutlich geringer als die NASA. Das Großziel ist Edelmetalle wie Gold im Weltall abzubauen und zur Erde zu bringen. Doch bevor Gold geschöpft und andere vom Asteroid geförderte Metalle für den Bau von Modulen im Weltall verwendet werden, wird es für Planetary Resources so wie beim Kontrahenten Deep Space Industries erstmal um einen anderen Rohstoff gehen, der in großen Mengen in Asteroiden vorhanden ist: Wasser.

Wasser zur Kolonialisierung

Wasser ist der Rohstoff, der das Überleben der Menschen sichert, aus ihm kann Treibstoff generiert werden, es reinigt und kühlt. Ein „Auftanken“ im Weltall würde Raumschiffe von SpaceX, NASA oder ESA leichter und somit günstiger machen, da sie in dem Fall nicht mit einem Tank für die gesamte Mission starten müssten. Beide Unternehmen wollen auf dem Weg zur Kolonialisierung des Weltalls alle Ressourcen nutzen, die das All zu bieten hat. So wie wir über die Jahrtausende die Ressourcen der Erde, um unsere Zivilisation aufzubauen. Es sei „viel schwieriger, das nächste Ölfeld oder die nächste Goldmine auf der Erde zu finden. Auf einem Asteroiden müsse man nicht erst einen Kilometer graben„, so CEO Chris Lewicki von Planetary Resouces. Die Unternehmen sehen sich bei der Erkundung des Alls erst einmal als Schnittstelle.

Gleiches Recht für alle?

Internationale Gesetze welches Land welchen Asteroiden ausbeuten darf gibt es nicht. Die gesamte Gesetzeslage des Weltraums ist noch in ihren Kinderschuhen. 1967 schlossen die USA und die Sowjetunion trotz des kalten Krieges und dem konkurrierenden Wettlauf zum Mond einen Weltraumvertrag. Dieser besagt, dass der Weltraum ein Staatengemeinschaftsraum ist und der gesamten Menschheit gehört, sodass ihn kein Land einen Planeten, Stern oder eben Asteroiden allein für sich beanspruchen darf. Was aber mit vereinzelten Rohstoffen passieren darf, sagt der Vertrag nicht. Schlüssiger sollte der 1979 ausgearbeitete „Mondvertrag“ sein, den die USA jedoch nicht unterschrieben haben.

Um den Fortschritten der amerikanischen Unternehmen folgen zu können und ihnen Spielraum zu geben, verabschiedete der Kongress einen Entwurf namens Asteroid-Gesetz. Der Entwurf, in Zusammenarbeit eines Demokraten und eines Republikaners, wurde schließlich als „Space Act“ vom ehemaligen Präsidenten Obama unterschrieben und beinhaltet neue Regeln zur Schöpfung von Asteroiden. Wie erwartet zum Unwillen der Vereinten Nationen, die dieses nationale Gesetz der USA überaus kritisch ansehen. Dieser untergräbt nämlich den Weltraumvertrag und dessen Sinn, das Weltall und somit seine Ressourcen gehöre Jedermann.

Luxemburg investiert

Luxemburg hat den risikoreichen Milliardenmarkt erkannt und ist gewillt, den Unternehmen einen rechtlichen internationalen Rahmen für Europa zu schaffen und den USA, bisher konkurrenzlos im Asteroid-Mining, die Stirn zu bieten. Im Abbau von Rohstoffen kennt sich Luxemburg aus. Reiche Erzvorkommen gründeten den heutigen Reichtum Luxemburgs. So schloss das kleine Land eine Partnerschaft mit beiden Unternehmen und siedelte bereits davor namhafte Weltraum-Unternehmen in ihrem flächenmäßig kleinen Staat an. Für Kredite im Wert von 225 Millionen errichteten Planetary Resources sowie Deep Space ihre europäischen Hauptquartiere im Großherzogtum, welches europäischer Vorreiter und globaler Marktführer im Weltraumabbau sein will.

Im November wurde bekannt, dass sich der Staat mit 25 Millionen als Hauptaktionär beim Planet Resources einkaufte. Ein halbes Jahr davor ging man bereits mit Deep Space Industries eine Vertrag ein. Luxemburg will die Entwicklung der Technik mit Hochdruck vorantreiben. Ziel sei es 2020 mit beiden Unternehmen Geräte für den Weltall-Bergbau zu testen und die erste Erkundungstour auf einem Asteroiden durchzuführen.

Goldrausch im Anmarsch

Edelmetalle, Eisenerz, seltene Erden und Wasser werden zum nächsten Goldrausch führen. Dem ersten Außerirdischen. Abbau von Gold im Weltall ist keine Science-Fiction mehr. Ob die Asteroiden aber die erhoffte Menge an wertvollen Edelmetallen in sich tragen, wird sich zeigen. Die Verlustwahrscheinlichkeit ist ebenso so groß wie die Wahrscheinlichkeit von unermesslichen Gewinnen. Neben den weitreichenden Möglichkeiten zur expansiven Erforschung und Kolonialisierung des Alls, kann es den agierenden Unternehmen und Ländern auf Erden einen neuen ungeahnten Reichtum verschaffen weit größer als zu längst vergangenen Goldgräber-Zeiten.

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