Gesundheitsschäden durch Schmuck? Das ist leider möglich!

Gesundheitsschäden durch Schmuck? Das ist leider möglich!

Silberkette mit Schadstoff Cadmium

Silberkette mit Schadstoff Cadmium

Wir finden bei den Einlieferungen unserer Kunden manchmal auch bedenkliche Stoffe. Nachstehend das Bild einer vor einigen Jahren durchaus üblichen Schlangenkette mit gesundheitsschädlichen Bestandteilen. Die Kunden hatten bei uns Silber- und Goldschmuck abgegeben, der seit Jahren nicht mehr getragen wurde. Die Schlangenkette sah von der Fertigung her schon sehr grob aus und wir kennen dieses Material bereits mit unerwünschten Beistoffen. Wir nennen es auch Tibetsilber, es wird häufig aus ostasiatischen Räumen zu uns importiert. Kaufen kann man es auf Flohmärkten, Mittelalter-Märkten und ähnlichen Gelegenheiten im Straßenverkauf. Juweliere oder große Kaufhausketten führen solche Ware in der Regel nicht.

Die Schlangenkette enthält, wie man der Vorprobe entnehmen kann, zwar auch Silber, nämlich ca. 56%. Der einzige andere Bestandteil ist jedoch hochgiftig: Über 40% Cadmium, ein Schwermetall mit niedrigem Schmelzpunkt. Diese Materialzusammensetzung sorgt dafür, dass sich die Kette mit einfachen Bearbeitungsmitteln schnell herstellen ließ. Cadmium ist weich, es schmilzt bereits bei ca. 320 °C. Diese Silberzusammensetzung lässt sich hell polieren, läuft dann jedoch leicht an und sieht entsprechend nach älterem Silber aus. Optisch lässt es sich nicht von normalen, geschwärzten oder angelaufenem Silber unterscheiden. Auch das Gewicht der Kette mit ca. 56g ist ohne weitere Prüfung kein Signal. Wer diesen rustikalen, handgearbeiteten Schmuck kauft, erhält die Auskunft, er sei aus Silber. Da Cadmium und seine Verbindungen so giftig sind, ist seit 2011 die Verarbeitung in Loten untersagt. Dazu muss man wissen, dass Lotarbeiten bei Goldschmieden nur ganz feine Fugen ergeben, in denen somit bei Schmuck vor 2011 möglicherweise noch Spuren von Cadmium vorhanden sind. Diese könnten rein theoretisch auch Kontakt mit der Haut haben. So streng sind die Richtlinien nach der REACH-Verordnung. Da ist dieses Stück ganz weit weg.

Hier haben wir Globalisierung und ungeregelte Wirtschaft in einem Stück vereint: Völlig egal, unter welchen Umständen Menschen dieses Stück produziert haben, und völlig egal, dass es jemand auf seiner Haut trägt. Menschenverachtung in jeder Richtung, es geht nur um einen möglichst hohen Gewinn.

Wir waren, mit der Kundin, schockiert.


Wodurch ist Cadmium so giftig?

Ein Bericht aus “Lifeline” der Autorin: Sarah Baumann

Cadmium lässt Zellen im Zeitraffer altern

Cadmium steckt im Zigarettenrauch, aber auch in bestimmten Lebensmitteln. Welche Folgen es für den Menschen hat, wenn sich das giftige Schwermetall im Körper anreichert, beleuchtet eine große Studie.

Cadmium ist für den Menschen offenbar schädlicher als bislang angenommen. Das berichten US-Forscher in der Online-Ausgabe des Fachmagazins “American Journal of Epidemiology”. Demnach beschleunigt das Schwermetall die Alterung der Körperzellen und erhöht damit das Risiko für verschiedene Krankheiten wie Diabetes und Herz-Kreislaufprobleme.

Für ihre Untersuchung nahmen die Forscher um Professor Ami Zota von der George-Washington-Universität Blut- und Urinproben von 6.700 Menschen unter die Lupe. Dabei zeigte sich, dass schon kleinste Cadmiumkonzentrationen in den Zellen der Probanden für verkürzte Telomere sorgen. Diese DNA-Kappen sitzen am Ende der menschlichen Chromosomen und schützen die Erbsubstanz vor dem Abbau.

Mit Cadmium verseuchte Böden machen langfristig krank

Im Laufe des Lebens werden die Telomere immer kürzer, die Alterung tritt ein – und mit ihr altersbedingte Gebrechen. Cadmium scheint diesen Prozess zu beschleunigen: “Wir sehen einen deutlichen Zusammenhang zwischen einer Cadmiumbelastung der Umwelt und der Schrumpfung der Telomere”, erklärt Zota. “Probanden, die den größten Cadmiumkonzentrationen ausgesetzt waren, wiesen im Schnitt um elf Jahre vorzeitig gealterte Zellen auf.”

Verglichen mit der Gruppe, welche am wenigsten Cadmium im Körper hatte, waren ihre Telomere um sechs Prozent kürzer. Für das ebenfalls giftige Schwermetall Blei konnte Zotas Team dagegen keine solche Verbindung herstellen.

Bestimmte Lebensmittel reichern das Schwermetall stärker an

Cadmium kommt im Zigarettenrauch vor, aber auch in Früchten und Gemüse, das auf cadmiumbelasteten Böden angebaut wurde. Es entsteht als unvermeidbares Nebenprodukt bei der Gewinnung von Blei, Zink und Kupfer. Das Problem verschärft sich durch die Verwendung von Kunstdünger, der mit Cadmium verunreinigt ist, und die unsachgemäße Entsorgung von Akkus.

Besonders Vegetarier, die überwiegend Hülsenfrüchte, Obst und Gemüse essen, erreichen leicht eine bedenkliche Cadmiumaufnahme über die Ernährung. Stark belastete Lebensmittel umfassen zum Beispiel grünes Blattgemüse, Kakao und Wildpilze, aber auch Meeresfrüchte.

Roggen statt Weizen reduziert die Cadmiumaufnahme

Auch Nahrungsmittel aus Weizen und hier besonders Vollkorn kommen auf vergleichsweise hohe Cadmiumwerte. Roggen, Gerste und Hafer enthielten dagegen weit weniger von dem Schwermetall, erklärt der Vegetarierbund. Auch Bio-Lebensmittel seien aufgrund ihrer geringeren Cadmiumbelastung empfehlenswert.

Frühere Studien konnten zeigen, dass Cadmium Nierenschäden und Osteoporose begünstigt. Der Stoff gilt außerdem als krebserregend. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) senkte den Grenzwert für die wöchentliche Cadmiumaufnahme deshalb im Jahr 2009 von sieben auf nur noch zweieinhalb Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht. Für Trinkwasser gilt seit 2011 ein Wert von drei Mikrogramm (µg) pro Liter als gerade noch akzeptabel.

Rauchverbot kann die Belastung senken

Auch die Weltgesundheitsorganisation WHO zeigt sich besorgt: Sie stuft das Schwermetall als große Gefahr für die öffentliche Gesundheit ein. Um die Cadmiumbelastung zu senken, empfiehlt die Organisation unter anderem ein Rauchverbot an öffentlichen Plätzen.

 

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