Gefälschte Goldmünzen des Kaiserreichs

Gefälschte Goldmünzen des Kaiserreichs

In der Nachkriegszeit um 1959 bis 1962 stellte ein Bonner Augenarzt namens Schmidt Nachprägungen/Fälschungen deutscher Reichsgoldmünzen her. Die Münzen mit ihren bekannten Abbildungen der Kaiser und Provinzfürsten oder Städtewappen der Hansestädte fertigte er aus den korrekten Legierungen. Auch Münzparameter wie Gewicht und Maße hielt er sehr genau ein, so daß die Goldstücke zum damaligen Zeitpunkt von den Originalmünzen nicht zu unterscheiden waren. Die Banken nahmen diese Münzen an, da man die Unterschiede nur schwer erkennen konnte. Man schätzt, daß weit mehr als 100.000 Stück seinerzeit produziert wurden. Sie wurden von seiner Schwester I. Hausmann weiterverkauft und später von ihren Käufern auch bei Banken eingeliefert, die sie als echte Stücke entgegen nahmen und auch selbst wieder verkauften. Dies war auch der schieren Masse dieser Nachahmungen geschuldet, die seither als Schmidt/Hausmann-Fälschungen in die Geschichte eingingen. Die Nachahmungen waren unverständlicherweise in der neuen Bundesrepublik in einer rechtlichen Grauzone entstanden. Erst seit dem 1.1.1975 mussten alle Nachprägungen gekennzeichnet sein. Damit war der Firma die Geschäftsgrundlage entzogen und sie stellte ihre Tätigkeit ein.

Auch Jahreszahlen, die nie von der Reichsmünze produziert wurden

Als Kuriosum ist die Fertigung von Münzen mit Jahreszahlen anzusehen, in denen diese Originalmünzen nie geprägt wurden. Noch heute sind eine Vielzahl dieser Münzen im privaten Besitz und werden immer wieder zu uns eingeliefert. Durch eine sorgfältige Untersuchung können wir die Stücke heute jedoch erkennen und zu neuem Feingold mit neuen Aufgaben zurückverwandeln. Da die Münzronden mit einem korrektem Goldfeingehalt von 900‰ erzeugt wurden, entsteht beim Einschmelzen der gefälschten Münzen für den Verkäufer auch kein nennenswerter Schaden, da der Goldwert korrekt vorhanden ist.

Nachprägung oder Fälschung?

Die echten Reichsgoldmünzen wurden seinerzeit als offizielles Zahlungsmittel in sehr hoher Auflage produziert und die meisten Stücke tragen auch als Originalmünze darum keinen relevanten Sammlermehrwert in sich. Man handelt sie sehr nah am Goldwert. 1963 wurden Dr. Schmidt und Frau Hausmann zu einer Bewährungsstrafe und einer geringen Geldstrafe verurteilt, da die bis 1959 geprägten Münzen nicht als Nachprägung gekennzeichnet waren. 1975 erhielten alle seit 1850 geprägten Reichsgoldmünzen durch ein neues Gesetz einen Schutzstatus, so daß sie seit dem nicht mehr nachgeprägt werden dürfen. Dieses Gesetz fehlte zum Zeitpunkt der Herstellung der Schmidt-Hausmann-Nachahmungen. Wurden in früheren Jahrhunderten Fälscher oft mit dem Tode bestraft, sind die Schmidt/Hausmann-Fälschungen recht milde geahndet worden und immer noch im Umlauf.

Schau Genau!

 
Beispiel Reichsgoldmünzen Hamburg
Die goldenen 20 Mark Münzen der Hansestadt Hamburg wurden von 1875 bis 1889 in ein und der gleichen Version ausgegeben. Nach vier Jahren Pause, von 1893 bis 1913, gab es die zweite Auflage der damaligen Umlaufmünzen im Deutschen Reich. Da es sich bei den Münzen um gültiges Zahlungsmittel handelte, wurden sie in sehr hohen Auflagen geprägt. Prägestätte war hier der Stempelung nach Hamburg. Das erkennt man an dem Buchstaben „J“. Jedoch hat Herr Dr. Schmidt diese Münze sicher nicht in Hamburg geprägt, sondern in seiner Falschmünzerei im Köln/Bonner Raum.

Adleraugen aufgepasst!

 
Einen Unterschied der Münzen erkennt man an der Abbildung des Reichsadlers auf der Wertseite. Bei der früheren Version ist ein kleinerer Adler mit größerem Brustschild abgebildet. In der zweiten Version ist der Reichsadler proportional viel größer und das Wappen kleiner. Es handelt sich bei beiden Münzen um 20 Mark Münzen aus dem Deutschen Kaiserreich, dennoch ist es für Kenner oder Sammler wichtig, aus welcher Prägezeit die Münze kommt.
Fälschungsindiz Perlenkranz

Der Teufel sitzt oft im Perlenkreis

 
Sie sehen, genau hinschauen lohnt sich. Leider erkennt man bei diesen Reichsmark Münzen häufig nicht nur unterschiedliche Adlergrößen, sondern auch „schlampig“ geprägte Perlenkreise auf beiden Seiten der Münzbilder. Auch die Randschrift „GOTT MIT UNS“ ist in diesem Falle durch den kaum sichtbaren Buchstaben „G“ eindeutig als Prägefehler Dr. Schmidt’s zu erkennen. Sie können die Bilder vergrösseren. Dann wird es deutlicher.
Fälschungsindiz Perlenkranz

Achten Sie auf die umlaufende Prägeschrift

Ein häufiger Pägefehler liegt in der umlaufenden Randschrift, die nicht genau in der Mitte des Münzrandes verläuft, sondern häufig schräg, schief, zu schwach oder zu nah an der Münzkante verläuft. Gerade die auf und ab laufenden Worte Gott mit uns, die in gleichmäßiger Höhe mit ihren Arabesken auf dem Rand stehen sollten, sind ein gut zu erkennender Hinweis auf Nachahmungen/Fälschungen.

Die Perlen am Rand:

Wenn Sie sich auf unserem Beispielfoto ganz genau den Perlenkranz anschauen, sehen Sie die unterschiedlichen Größen der Perlen. Sie sehen auch, dass an einigen Seiten die Perlen quasi mit dem Münzrand verschmelzen. Insgesamt ist der Zustand der Münze jedoch fast „prägefrisch“. Es ist also bei dem guten Zustand sehr unwahrscheinlich, dass die Perlen durch Jahrzehnte langen Abrieb klein und schief geworden sind. Wer jetzt auf Nummer sicher gehen möchte, schnappt sich erneut die Lupe und versucht, die Randschrift zu entziffern. Davon abgesehen, dass sie zu klein ausfällt: Was man gut erkennt, wenn ein Original zum Vergleich vorliegt, ist die Darstellung des Buchstaben „G“ . Er ist nur zu erahnen. Schauen Sie genau auf das Randfoto! Viel ist von dem „G“ nicht zu sehen. 

Wissen gibt Sicherheit

Es lohnt sich, mit seinen Edelmetallmünzen zum Fachbetrieb zu kommen. Die Norddeutsche Edelmetall Scheideanstalt und die Aurum Edelmetalle verfügen über alle technischen Hilfsmittel, um auch alte, sehr wertvolle Edelmetallmünzen fachgerecht und beschädigungsfrei zu bestimmen.
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