EU-Umfrage: Bürger gegen Bargeldlimit

BargeldlimitBargeldlimit – Wie wir kürzlich berichteten, lud die Europäische Union bis zum 31. Mai zur Umfrage bezüglich der Beschränkung von Barzahlungen ein. Nun wurden die Ergebnisse präsentiert: Wenig überraschend ist der Großteil der EU-Bürger gegen eine Bargeldobergrenze. Das Argument für die Bekämpfung gegen Terrorfinanzierung und Geldwäsche konnte die Teilnehmer nicht überzeugen.

Bargeldlimit: Klares Nein

Die meisten Teilnehmer der mehr oder weniger neutralen Onlineumfrage kamen nachfolgend aus Deutschland (10.838 Teilnehmer – 37.14 Prozent Anteil), Frankreich (10.838 – 35,75%) und Österreich (5724 – 18,88%). Zusammen machen die drei Teilnehmerländer fast 92 Prozent aller Antworten aus. Keine Überraschung, schließlich gehören Frankreich und Österreich neben Deutschland zu den besonders stark bargeldaffinen Nationen. Wie Studien belegen, dominiert Bargeld weiterhin die meisten Finanztransaktionen. 84 Prozent aller Deutschen können sich nicht vorstellen, jemals vollständig ohne Bargeld zu leben. In Österreich ist Bargeld seit 20 Jahren das beliebteste Zahlungsmittel. 82 Prozent aller Zahlungen werden in bar getätigt, so die österreichische Nationalbank.

Geringe Teilnehmerzahl

Da die Umfrage im medialen Umfeld unverständlicherweise wenig Beachtung gefunden hat, ist die Gesamtzahl der Teilnehmer im Vergleich zur Anzahl aller EU-Einwohner mehr als gering. Nur 30.000 Personen nahmen an der monatelang offenen Umfrage teil. So ist es schwer, die Ergebnisse der Länder als Indikator der Gewichtung des Themas Bargeldlimit zu erfassen. Geht man steif nach der Umfrage, so wäre das Thema im Baltikum erschreckend unpopulär. In Estland, Lettland und Litauen überstieg die Teilnehmeranzahl insgesamt nicht einmal zehn Personen! Aber auch in Bulgarien, Malta und Slowenien war das Interesse gering. Dass dies die tatsächliche Meinung der Bürger dieser Länder widerspiegelt, darf bezweifelt werden.

Repräsentativer einzuschätzen könnten die Ergebnisse aus bereits fortgeschrittenen Ländern zum Thema digitales Bezahlen sein. Jedoch hielt sich die Teilnehmerzahl auch in Skandinavien und Dänemark in Grenzen. Auch werden die Antworten der Fragen nach Ländern nicht prozentual nach Antwortmöglichkeit dargestellt. Somit fällt eine kritische Betrachtung, welche Tendenzen in jeweiligen Ländern für Begrenzung zu erkennen sind, weg.

Ergebnisse eindeutig

Eindeutig ist aber das Ergebnis aller Teilnehmer:

  • Mehr als deutliche 95 Prozent stimmten bei der Frage, ob es ein europaweites Limit für Bargeldzahlungen eingeführt werden soll, mit Nein
  • Rund 87 Prozent sind der Meinung, dass das anonyme Bezahlen mit Bargeld einen essenziellen Beitrag zur persönlichen Freiheit darstellt
  • Rund 74 Prozent sind zudem der Meinung, dass ein Bargeldlimit die Kriminalität, Terrorfinanzierung und Steuerhinterziehung nicht effektiv verhindern werde
  • 67 Prozent halten die Bargeldzahlung für praktisch
  • 53 Prozent sind der Meinung, dass Restriktionen gegen das anonyme Zahlen das tägliche Geschäftsleben behindern
  • 78 Prozent sagen, dass eine Bargeldobergrenze ihr tägliches Leben eher behindern als fördern würde
  • 50 Prozent fordern eine höhere Bargeld-Obergrenze als 9.500 Euro, wenn es diese zwingend nötig gäbe
  • 99 Prozent haben auf die Frage, inwiefern ein Bargeldlimit sie bereichern würde, keine Antwort

EU berät seit langem über Obergrenze

Dass die bereits bestehende Bargeldobergrenze in den Augen der EU nicht einheitlich und weiterhin zu hoch angesetzt ist, ist bereits bekannt. Auch kommen immer wieder Informationen an die Öffentlichkeit, dass man sich mit einer EU-weiten Obergrenze von 5.000 Euro befasst. Selbst ein Goldverbot wird in Erwägung gezogen. Alles für den Kampf gegen die Finanzierung des Terrors und gegen Geldwäsche beziehungsweise Steuerhinterziehung versteht sich. In Deutschland wird die Obergrenze der anonymen Barzahlung in zwei Wochen von 14.999 auf 9.999 Euro gedrückt. Es geht aber noch deutlich geringer. In Italien und Belgien darf anonym bis maximal 3.000 Euro gezahlt werden. Es folgen Spanien (2.500 Euro), Griechenland (1.500 Euro) sowie Portugal und Frankreich mit nur 1.000 Euro. Alle Beträge darüber erfordern das persönliche Ausweisen.

Was die Europäische Union zu den deutlichen Zahlen sagt, ist nicht bekannt. Dass die europäischen Bürger ein Bargeldlimit ablehnen, dürfte ist Brüssel aber auch schon vor der Umfrage kein Geheimnis gewesen sein.

Experten halten ein Bargeldverbot für wenig hilfreich

Vor einigen Wochen hat bereits das Wirtschaftsministerium auf eine nationale Obergrenze von 5.000 Euro mit Ablehnung reagiert. Letztes Jahr hat sich bereits Hans-Jürger Papier klar gegen eine Obergrenze positioniert und habe „erhebliche Bedenken“. „Es geht um nicht unwesentliche Beschränkungen mehrerer Grundrechte“, sagte der ehemalige Präsident des Bundesverfassungsgerichts. Bundesbank-Präsident Jens Weidmann sagt ihm seien „keine Studien bekannt, die eindeutig belegen, dass mit Bargeldbeschränkungen die organisierte Kriminalität, Steuerhinterziehung und der internationale Terrorismus tatsächlich wirksam bekämpft werden“ und sieht den Leitgedanken eines Bargeldlimits aus der Geldpolitik heraus. „Solche Vorschläge wären (…) die falsche, völlig unverhältnismäßige Antwort auf die geldpolitischen Herausforderungen an der Nullzinsgrenze“.

Neben der Mehrheit der Bürger sehen auch immer mehr Fachleute keinen Sinn darin, dass Drogenhandel, Geldwäsche, Steuerhinterziehung und Terror durch ein Bargeldlimit verhindert werden. Dieser Meinung ist auch der österreichische Ökonom Friedrich Schneider von der Johannes Kepler Universität Linz. Dieser hat in seiner im September 2016 veröffentlichten Studie zur Entwicklung der Schattenwirtschaft erklärt, dass es zwar „offensichtlich ist, dass das Bargeld nicht gut verfolgt werden kann“, dies aber nicht im Umkehrschluss bedeutet, dass es ohne Bargeld keine Schattenwirtschaft geben würde.

Schattenwirtschaft wird nicht bekämpft

Laut Schneider ist die Korruption und Schattenwirtschaft in Ländern wie Griechenland, Rumänien oder Bulgarien weit verbreitet. Das geht einher mit einem hohen Anteil von Barzahlungen in der Wirtschaft. Dagegen würde es in Schweden, Norwegen und Dänemark einen hohen Anteil an digitalen Zahlungswegen geben sowie einer geringen Schattenwirtschaft. Jedoch gibt es als Gegenargument mit Österreich und der Schweiz Länder in denen viel bar transferiert wird und die Schwarzarbeit sich dennoch in Grenzen hält.

Die Schwarzarbeit wächst wenn die Finanzkraft eines Landes absteigt. Dies hat also nicht im direkten Sinne mit Bargeld zu tun, sondern in erster Linie mit der wirtschaftlichen Leistung des Landes. Und für diese sind an vorderster Front die regierenden Köpfe verantwortlich. Die Wirtschaft unterliegt der Regierung und wenn diese nicht läuft, ist es ein Leichtes den Grund der Misere vom eigenen Fokus zu lenken.

Terroranschläge vergleichsweise günstig

Interessant sind in einem Artikel der Mitteldeutschen Zeitung auch die weiteren Daten von Schneider, der sich mit den Kosten von Terroranschlägen befasst hat. Von 40 Terroranschlägen hat die Hälfte nicht mehr als 10.000 US-Dollar gekostet. „Durch Bargeld-Obergrenzen lassen sich solche verrückten Taten nicht verhindern und auch nicht erschweren“, so Schneider in der MZ.

Die Ideen und Vorbereitungen von Terroranschlägen werden eher im nicht-europäischen Ausland geplant. Dort wo EU-Obergrenzen und Bargeldlimits keinen Einfluss haben. Terrorzellen sind intelligenter als dass sie ein Bargeldverbot von der Umsetzung eines Anschlags abhalten könnte. Oder denkt in Brüssel auch nur ein Abgeordneter, dass digitale Bezahlmöglichkeiten gegen Terrorfinanzierung geweiht sind?

Möchten Sie ihr Bargeld sichern und vertrauen nicht dem Aktienmarkt, sollten Sie die Investition in Edelmetalle in Erwägung ziehen. Gold gilt auch heute noch als sicherer Hafen. Möchten Sie Gold kaufen oder sich beraten lassen, steht Ihnen die Norddeutsche Edelmetall Scheideanstalt gerne zur Seite.

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Ihre Meinung?