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Erste Bank gibt Bargeld nur noch ab 50 Euro aus

Die Liebe zum Bargeld hält bei den Deutschen an. Doch auch 2018 wird die Zuneigung zu Scheinen und Münzen auf die Probe gestellt. Immer mehr Möglichkeiten und Apps kommen auf den Markt. Auch neue Regelungen. Gegen manche davon ist man chancenlos.

Auch 2018 geht es dem Bargeld an den Kragen. Neue Regelungen und neue Ideen sollen den Verzicht weiter vorantreiben. In machen Fällen mehr gezwungen als freiwillig. So auch die neue Umsetzung der Comdirect. Laut FAZ werden den Comdirect-Kunden an Geldautomaten der Cashgroup-Teilnehmer Commerzbank, Deutsche Bank und Unicredit ab Mitte Februar nur noch Barauszahlungen ab 50 Euro gestattet. Schnell ein Zehner für den Bäcker? Fehlanzeige!

Während der Abschied vom 500 Euro-Schein (Die EZB stoppt den Druck) bei aller Fintech-Antipathie zu verschmerzen ist - gesehen hat ihn doch eh kaum jemand – so ist der Vorstoß der Comdirect doch ein ziemlich gewagter. Denn die Deutschen lieben ihr Bargeld.

Bargeld ist (noch) beliebtestes Zahlungsmittel

Zuletzt berichteten wir über neue Studien und ihre Kennzahlen: 80 Prozent der Deutschen zahlen immer noch in bar. So wie der Durchschnitt im Euroraum. Jeder Bundesbürger hat im Schnitt 2200 Euro Barvermögen. 103 Euro sind im Schnitt in deutschen Geldbeutel. Das ist hingegen deutliche Spitze im Euroraum. „Restaurantbesuche und Lebensmittel werden in Deutschland mehr als doppelt so oft bar bezahlt wie im europäischen Durchschnitt“, sagt BCG-Experte Holger Sachse.

Warum das so ist liegt einerseits an den noch jungen Angeboten der Fintechs, mit denen die älteren Generationen nichts anfangen können, sowie an der schlechten Umsetzung. Das Bezahlen mit dem Smartphone ist möglich und wird auch angeboten, doch die Deutschen fremdeln noch mit der praktischen Technik. Doch auch das wird sich ändern, sollte die Einheitlichkeit des digitalen Bezahlens auch in Deutschland ankommen. Laut Deutsche Bank-Chef John Cryan wird Bargeld binnen zehn Jahren verschwinden, da es „fürchterlich teuer und ineffizient“ sei.

Auch wenn die erwähnten 79 Prozent aller Einkäufe im Euroraum in bar bezahlt werden, ist eine Entwicklung gegen das Bargeld zu erkennen. Ein Bargeldverbot ist möglicherweise nicht mal nötig. In Skandinavien ist das bargeldlose Zahlen längst auf dem Vormarsch. Schweden wird zunehmend bargeldloser. Einzelhändler dürfen die Annahme von Bargeld verweigern. In Norwegen, Dänemark, Island (und gezwungenermaßen in Indien) ist der Bargeldanteil in den letzten Jahren deutlich gesunken. Im gesamten Norden des Euroraums wird nur in etwa jede zweite Bezahlung in bar getätigt. Besonders deutlich in Estland (48 Prozent) und den Niederlanden (45 Prozent).

Bargeldloses Zahlen wächst

Auch der Betrag spielt eine Rolle. Fast zwei Drittel der Einkäufe an den Kassen im Euroraum lagen demnach unter 15 Euro. Bis 45 Euro ist Bargeld das populärste Zahlungsmittel. Darüber hinaus hat die Kartenzahlung klar die Oberhand. Hinzu kommt die natürliche Entwicklung. Die Menschen, die Bargeld vorziehen, werden älter. Wird die Möglichkeit, Einkäufe bis 25 Euro kontaktlos per App oder Karte zu bezahlen, ausgearbeitet und verbreitet, dürften Barzahlungen dann abnehmen, so eine Studie der EZB.

Was den jungen Konsumenten womöglich weniger bewusst ist als den Bargeldbefürwortern, kommentiert Chrstoph Reisinger von den Stuttgarter Nachrichten auf den Punkt: "Kein Staat, kein Geheimdienst, kein Unternehmen kann sich ein dichteres Herrschaftswissen wünschen als jenes, das ein rein bargeldloser Finanztransfer schafft."

Recht hat er. Denn auch wenn viele argumentieren, dass man anhand seiner Daten nichts Verwerfliches vorfinden würde, wäre die persönliche Freiheit mehr als begrenzt. Heute weiß Amazon welche Konsumartikel wir bestellen, Facebook auf was wir stehen und Google was wir suchen. Ohne Bargeld wüsste nicht nur der Staat, sondern auch jeder Einzelhändler, was wir wo und wie oft kaufen. Bargeld dient der Bewegungsfreiheit. Sinnblidlich fügt Reisnger hinzu: "Die potenziellen Gefahren und Nachteilen für die persönliche Freiheit, die mit einer Abschaffung des Bargelds verbunden wären, wiegen daher weit schwerer als die praktischen Vorteile eines rein bargeldlosen Bezahlens. Wer schon einmal in einem Linienbus im angeblich so fortschrittlichen Schweden darauf warten musste, bis alle Fahrgäste ihr Ticket per Kreditkarte bezahlt haben, wird auch die praktischen Vorteile gegenüber Barem nie mehr überschätzen."

(Titelbild: Max Pixel)

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