De Beers zieht sich aus dem Geschäft mit Synthetischen Diamanten zurück

De Beers, der weltweit größte Diamantenproduzent nach Wert, plant die Schließung seiner Marke Lightbox, die auf im Labor gezüchteten Diamanten basiert. Dies markiert einen Rückzug aus dem Verkauf synthetischer Edelsteine ​​an Privatkunden. (Quelle)

Lightbox – Die Marke von De Beers mit syntheitschen Diamanten, rosa und blau, in Silber gefasst

Dieser Schritt erfolgt im Zuge einer umfassenden Umstrukturierung durch die Muttergesellschaft Anglo American (LON: AAL), die De Beers im vergangenen Jahr zum Verkauf angeboten hatte. Die Entscheidung spiegelt die erneute Fokussierung von De Beers auf natürliche Diamanten wider und stellt eine Rückkehr zur Strategie des legendären Slogans „Diamonds are Forever“ dar.

Element Six, die synthetische Diamantensparte von De Beers, die einst Lightbox belieferte, konzentriert sich nun ausschließlich auf industrielle Anwendungen. „Element Six ist gut aufgestellt, um das schnell wachsende Potenzial für synthetische Diamantanwendungen in einer Reihe zukunftsweisender Technologien zu nutzen“, so das Unternehmen. Es ist jedoch fraglich, ob in einem immer schwieriger werdenden industriellen Wirtschaftsumfeld wirklich mit starkem Wachstum zu rechnen sein wird. Denn die Schwemme an synthetischen Diamanten stammt unserer Meinung nach genau von den Produzenten, die derzeit nur schwache Nachfrage nach ihren Produkten aus der Wirtschaft sehen. Deshalb wurde der synthetische Diamant für den Schmuckmarkt attraktiv gemacht und der Vertrieb in dieses Segment gesteigert.

De Beers stieg 2018 erstmals in den Markt für im Labor gezüchteten Schmuck ein und änderte damit seine langjährige Politik, synthetische Steine ​​auf die industrielle Verwendung zu beschränken. Im Juni letzten Jahres kündigte das Unternehmen im Rahmen eines Fünfjahresplans zur Rationalisierung des Geschäfts und zur Neupositionierung als führender Anbieter im Bereich Naturdiamanten und Diamantschmuck die Einstellung der Lightbox-Produktion an.

Marktturbulenzen

Die Schließung erfolgte inmitten der Turbulenzen auf dem Diamantenmarkt. Anglo American prüft Optionen für einen Ausstieg aus dem 137 Jahre alten Unternehmen durch einen Verkauf oder einen Börsengang. Die schwache Nachfrage aus China und ein sprunghafter Anstieg des Angebots an im Labor gezüchteten Diamanten haben die Preise gedrückt und erschweren so die Veräußerung.

Nach einer Abschreibung von 1,6 Milliarden US-Dollar im vergangenen Jahr reduzierte das Unternehmen den Wert von De Beers im Februar um weitere 2,9 Milliarden US-Dollar. Anglo-Geschäftsführer Duncan Wanblad sagte damals, dass De Beers je nach Markterholung bis 2026 Teil der Gruppe bleiben könnte.

De Beers war jahrzehntelang bestimmend in der Ausgabe von Rohdiamanten in sogenannten „Sightings“ (Sichtungen), für die nur eine ausgewählte Schar an Diamanthändlern bieten durften. Das sogenannte „Rough“, also die geschürften Rohdiamanten wurden vorsortiert angeboten, aufwendig vermarktet und bestimmten so lange das Preisgefüge im gesamten Markt. Mit dem Aufkommen der synthetischen Diamanten veränderten sich die Gegebenheiten nun drastisch. Waren vorher die russischen Vorkommen ein Grund, weshalb De Beers massiv Marktanteile verlor, so sind nun die synthetischen Diamanten das preisbestimmende Element, da den gesamten Markt beschäftigt. Die Sanktionen auf russische Diamanten haben jedenfalls nicht dazu geführt, dass die Diamantpreise für recycelte oder neu geschliffene Ware gestiegen wäre. Nun sind auch noch Zoll-Streitigkeiten ein weiterer Grund, vorsichtig einzukaufen.

Diamant-Untersuchung auf Schliff, Reinheit, Gewicht und Farbe, die berühmten 4 C – wertlos bei Synthesen, die beliebig häufig hergestellt werden können.

Auf der Großhandelsmesse Inhorgenta, München, am Anfang dieses Jahres wurden synthetische Diamanten, bzw. lab-grown Diamanten, ab 100 Euro per Carat angeboten. Absolute Tiefstpreise bei Synthesen werden in den nächsten Jahren zu erwarten sein.

Damit wird Diamant erschwinglicher und das natürlich gewonnene Mineral muss den gleichen Weg gehen wie kürzlich die echten Perlen. Auch natürliche Rubine, natürliche Smaragde oder natürliche Safire, deren Synthesen, also identische Nachahmungen des Minerals, teilweise bereits seit über 100 Jahren möglich sind, werden in Juwelierwaren unterschiedlichster Qualität eingesetzt. Sie machten schon vor, wie sich der Markt verändern wird. Diamantschmuck mit synthetischen Steinen wird wohl bald auch beim Recycling die Regel sein und dann bei einer Veräußerung nur noch den Metall-Wert erbringen, weil die gebrauchten Steine als Synthesen einen Wert gegen 0,00 Euro haben. Nur Kenner:innen werden ihren Kaufschwerpunkt auf den beständigen Wert natürlicher Steine legen und entsprechend investieren.

Gemeinsam mit dem massiv gestiegenen Goldpreis ergibt sich eine neue Marktsituation für die verarbeitenden Goldschmiede: Es wird normal, nun Silberschmuck mit Diamanten zu besetzen. Früher ungewöhnlich oder sogar verpönt, da der Stein der Könige auch in das Metall der Könige gehörte. Die hochwertige Handarbeit lässt Silberschmuck teurer werden, aber immer noch bezahlbarer als das gleiche Stück in Gold herzustellen.

Kundinnen, die jedoch den Investment-Gedanken ebenso verlockend finden wie attraktiven Schmuck, werden weiterhin nach Echtheit, Wertbestand und Originalität suchen – und bezahlen.



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