De Beers bringt synthetische Diamanten auf den Markt

Lightbox Modeschmuck mit synthetischen Diamanten

Der Diamantproduzent De Beers wird in Zukunft auch synthetische Diamanten verkaufen. Im Interview mit Rapaport spricht der CEO des größten Diamantverkäufers der Welt über die neue Schmuckkollektion aus dem Labor.

De Beers geht ins Labor

Auf seiner Webpräsenz erklärt de Beers, dass das Unternehmen weltweit für die Kreation der edelsten Diamantringe und Diamantschmuckstücke bekannt sei. Und tatsächlich ist der 1888 gegründete Luxusspezialist mit Sitz in Luxemburg der größte Diamantproduzent und -händler der Welt. Der Umsatz lag 2017 bei 5,8 Milliarden US-Dollar.

Nun kommt eine weite Sparte hinzu, die sich augenscheinlich nicht vom sonstigen Sortiment des Diamantschmucks unterscheidet. Doch anders als die Diamanten aus den Minen dieser Welt kommt die neue Kollektion aus dem Labor: synthetische Diamanten. 200 US-Dollar für einen 0,25-Karat-Stein bis hin zu 800 US-Dollar für ein Karat.

Lightbox Jewelry, so der Name der Kollektion, soll einen Umsatz in Höhe von 200 Millionen Dollar jährlich einbringen. Der Verkauf soll im September beginnen. Zunächst online, anschließend ist der stationäre Handel geplant. Der CEO von De Beers, Bruce Cleaver, traf sich zum Gespräch mit Rapaport, um über das neue Segment zu sprechen.

Synthetische Diamanten als Modeschmuck

Auf die Frage Rapaports was die Verbraucher über im Labor gezüchtete; synthetische Diamanten sagen, erklärt Cleaver, dass es für sie Modeprodukt sei, das „nicht wirklich mit natürlichen Diamanten konkurriert, weil es ein völlig anderes Produkt ist. Sowohl in Bezug auf die Preisgestaltung als auch auf die Art und Weise, wie es positioniert und aufgestellt ist. Wir wollen einen Raum füllen, den kein aktueller Laborproduzent füllt“.

De Beers synthetische Diamanten werden blau und rosa und sich somit klar von den natürlichen weißen Diamanten abgrenzen. Der Preis soll bis zu 800 US-Dollar für einen Karat betragen – ohne Fassung.“ Da es sich um ein Modeprodukt handelt, wird die Fassung wahrscheinlich aus sehr preiswertem Silber sein“, so Cleaver. Insgesamt unterscheidet sich die Preisgestaltung zu den natürlichen Diamanten deutlich. „Der Preis für synthetische Diamanten ist komplett binär, da es sich um ein Modeartikel handelt und es keine Einzigartigkeit gibt. Wenn man eine Woche braucht, um ein Viertel Karat und zwei Wochen, um ein halbes Karat zu machen, würde man erwarten, dass das halbe Karat für das Doppelte verkauft wird. Das ist etwas ganz anderes als das natürliche Geschäft, wo die Preise anders sind“. So sei es den Kunden auch bewusst, dass man die Labor-Diamanten auch mal im Urlaub verlieren kann, was ihnen mit echten Diamanten nie passieren würde, so Cleaver.

Fokus auf echte Diamanten

Im interview macht er deutlich, dass es sich bei Lightbox Jewelry um ein gutes Geschäft handelt, der Fokus aber weiter bei den echten Diamanten liegt. „Wir geben ungefähr drei Milliarden Dollar für unsere gegenwärtigen Expansionsprogramme im Segment der natürlichen Diamanten aus“. 94 Millionen wurden in den Bau einer neuen Anlage gesteckt. “Wir meinen es ernst, aber es ist nicht so groß wie unser natürliches Geschäft“, erklärt Cleaver.

Da Lightbox Jewelry eine eigenständige Marke werden soll, werden dessen synthetische Diamanten auch klar vom Hauptgeschäft getrennt und nicht unter den Marken Forevermark oder De Beers Diamond Jewellers erscheinen. „Das Lightbox-Team berichtet nicht an das Kernmarketing-Team, das Stephen [Lussier, De Beers‘ Executive Vice President für Marketing und CEO von Forevermark] und Co. leiten. Stephen und sein Team konzentrieren sich weiterhin sehr auf unser Kerngeschäft. Das Lightbox-Team ist ein völlig anderes Team, das über eine andere Struktur berichtet. Deshalb habe ich sehr sorgfältig darauf geachtet, dass es keine Verwechslungen gibt“. Nicht einmal das Logo von de Beers wird in der neuen Kollektion erscheinen.

Neues Segment außer Konkurrenz

Auf die Frage nach der Konkurrenz zeigt sich Cleaver selbstbewusst: „Viele Leute haben im Labor gezüchtete Diamanten produziert und verkaufen sie im Einzelhandel, aber niemand, von dem ich weiß, hat sie so positioniert, wie wir es tun. Ich ziehe es vor, nicht an den Wettbewerb zu denken; ich ziehe es vor, darüber nachzudenken, wie De Beers den Wert seines Lightbox-Geschäfts am besten maximieren kann. Für mich und das Team geht es darum, wie wir das am besten machen, den Verbrauchern geben, was sie wollen, und im Gegenzug ein profitables Geschäft machen. Ich betone noch einmal die Größe des natürlichen Geschäfts im Verhältnis zur Größe des im Labor gewachsenen Geschäfts für uns: Es ist ein kleiner Teil unserer Welt. Ich konzentriere mich auf die Suche nach kleinen Nachbarschaften, die sich für das Kerngeschäft lohnen“.

200 Millionen US-Dollar Umsatz

Hergestellt werden die Labordiamanten in Großbritannien und ab 2020 in den USA von Element Six, das seit über 50 Jahren in diesem Bereich tätig ist. Geschnitten und poliert werden sie dann in Indien. Geht das Werk in Oregon in zwei Jahren in Betrieb, erwartet Beaver ungefähr eine halbe Million Karat an Rohmaterial pro Jahr. Dies soll 150 bis 200 Millionen Dollar Umsatz einbringen.

Kennzeichnung

Labor-Diamanten werden in Reaktoren mit Hochdruck- und Hochtemperatur-Verfahren hergestellt. Sie sind Diamant-Synthesen, d.h. sie entsprechen dem natürlichen Diamant in Bezug auf Härte und allen anderen physischen Spezifikationen. Typischerweise kann man synthetische Diamanten an bestimmten Wachstumsmerkmalen und eventuell an einem leichten Magnetismus erkennen. In der Regel benötigen Labore aber mehrere Prüfmethoden, die in Kombination angewendet werden müssen, um zweifelsfrei die Labordiamanten von natürlichen zu unterscheiden.

Die von De Beers verkauften synthetischen Steine werden mit einer Randschrift versehen sein, die eindeutig auf die Herstellung im Labor hinweist. Üblich sind Beschriftungen wie „lab grown“ oder „created“. Durch das Dotieren mit anderen Elementen werden die Farben hervorgerufen: Bor z.B. für blau-schimmernde, Chrom für grünliche, Stickstoff für gelblich bis bräunliche Diamanten. Die häufigste Verwendung von synthetischen Diamanten findet sich im Industriebereich, z.B. in Bohrköpfen. Die Kosten für die Herstellung sind immer noch erheblich, aber natürlich deutlich niedriger als für natürliche Diamanten. Mit dem angesprochenen Preisniveau von De Beers ist eine übliche Spanne im Juwelierbereich verbunden. Sie sind somit schon günstiger als ein anderer, etwas zweifelhafter Bereich der bisherigen Verwendung, nämlich die Kosten für den sogenannten Begräbnis- oder Bestattungs-Diamanten bzw. Erinnerungsdiamanten. Der Preisunterschied eines schlechten natürlichen zu einem laborgezüchteten synthetischen Diamanten könnte aber schon ein Argument für ein Schmuckstück aus diesem Material sein. Deshalb ist es für den Zweitmarkt enorm wichtig, die Diamant-Synthesen in Zukunft noch genauer im Blick zu behalten.

Sind das gefälschte Diamanten?

Untersuchungen auf synthetische Diamanten

Ja und nein! Chemie und Struktur sind gleich. Es ist deshalb möglich, dass Synthesen ohne Kennzeichnung in den normalen Markt für natürliche Diamanten gelangen und dann genauso gehandelt werden. Deshalb hat auch De Beers viel investiert, um die künstlichen von den natürlichen unterscheiden zu können. Aber es braucht mehrere Schritte zur Identifikation und oft auch einen Anfangsverdacht. Deshalb wurden bei Kontrollen bereits Synthesen am Markt entdeckt, die nicht gekennzeichnet waren. Als sogenanntes „Peppering“ wird auch der Versuch bezeichnet, in einem Lot aus mehreren Steinen einige Synthesen unterzubringen, in der Hoffnung, dass alle für natürliche Diamanten gehalten und als solche bezahlt werden. Die Synthesen waren also in der Vergangenheit oft ein Grund für Mißtrauen und werden es aufgrund des Preisunterschieds auch bleiben! Die Häufigkeit der synthetischen Steine wird aufgrund des höheren Herstellungsvolumens zu nehmen. De Beers bietet natürlich die Geräte zum Kauf an, um die Steine zweifelsfreier zu identifizieren, und viele Institute haben sich bereits damit ausgerüstet. Auch die GIA, das Gemmologische Institut Amerikas, bietet inzwischen Diamant-Gutachten für Synthesen an. Das Institut gibt ein gesondertes Zertifikat aus und kennzeichnet auch den jeweiligen Stein an der Rundiste (die Steinkante) entsprechend.

Wieso ausgerechnet De Beers?

De Beers war immer ein Verfechter der natürlichen Diamanten und hat bisher die Synthesen als „natürliche Feinde“ angesehen. Zu groß war die Befürchtung, dass Kunden die synthetischen, künstlich hergestellten Diamanten mit den natürlichen, aus der Erde stammenden Steinen verwechseln. Zu groß war auch das Investment in Minen und den Vertrieb von natürlichen Diamanten. De Beers war für die Werbung verantwortlich, die noch heute dazu führt, dass in den USA der Heiratsantrag mit einem Diamantring gemacht wird. De Beers hat den Gedanken an „For Ever“, für immer und ewig geschaffen, der mit natürlichen Diamanten verbunden wird.  Der Wechsel der Position wird begründet mit der hauseigenen Untersuchung der Käuferwünsche: De Beers meint, dass Kunden zwischen den natürlichen und den synthetischen Diamanten durchaus unterscheiden können. Sie würden die Authentizität der natürlichen Diamanten anerkennen, aber trotzdem gern die physikalischen Eigenschaften der hohen Lichtbrechung, das Feuer beim künstlichen Stoff in günstigerer Form haben wollen. De Beers meint, mit der Schaffung von 2 Schmucklinien, dem hochwertigen Juwelierbereich mit Gold, Platin und natürlichen Diamanten und dem Modeschmuck-Bereich mit künstlichen Diamanten in günstigen Silberfassungen, diesen Wünschen der Kunden entgegen zu kommen. In der Tat hat das bisher niemand in diesem Maßstab versucht. De Beers als Vorreiter im Vertrieb von Diamanten kommt also eine besondere Rolle zu. Auch in der zukünftigen Information seiner Kunden!

In erster Linie ist für den Juwelierhandel beachtlich, dass sich De Beers entschieden hat, synthetische Diamanten im Silberschmuck mit Farbe anzubieten: bonbon-rosa und hellblau strahlen die Labor-Diamanten. Wären es echte, natürliche Steine, hätten sie astronomische Preise.

 

Titelbild: maxpixel, De Beers

3 Kommentare

  • Zweifler

    Wann wurde zuletzt ein Juwelier verurteilt, der falsche Steine verkauft hat?
    Was noch nie? Seltsam oder System?

    • Helper1

      Es sind keine „falschen“ Steine. Es sind echte Diamanten, jedoch gezüchtet. Sie sollen in bestimmten Farben, die sie als „Züchtung“ kenntlich machen, auf den Markt gebracht werden.
      Leider gibt es auch gefälschte ungefärbte Diamanten, die als echt ausgegeben werden. Sie zu erkennen ist schwierig, aber nicht unmöglich. Es erfordert einen hohen Aufwand.

  • thanks for the share article.

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