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Chinas Weg zur Dedollarisierung – Wird der Petro-Yuan jemals kommen?

Viele Ökonomen sehen Chinas Voranschreiten zur Weltmacht. Dazu gehört die Unabhängigkeit vom Westen und vom Dollar. Auch wir berichteten schon von der Dedollarisierung, an der auch Russland Interesse haben soll. Ein Puzzlestück ist der Petro-Yuan. Viele Gerüchte und immer wieder neue Termine pflastern seinen Weg.

Petro-Yuan - Für immer Gerücht?

Im vergangenem Jahr berichteten wir oft über Chinas und Russlands Pläne zur Dedollarisierung. Ebenso über den Petro-Yuan. Dieser soll an chinesischen Börsen in Form von Öl-Futures in Yuan gehandelt und in Gold konvertiert werden. So die Gerüchte. Immer wieder gab es neue Termine von vermeintlichen Insidern. Zunächst im Laufe des vergangenen Jahres, anschließend im Herbst, dann der heutige 18. Januar und nun soll es am 23. Februar so weit sein. Zum Ende der Feierlichkeiten des chinesischen Neujahrsfests eine Woche davor.

Auf dem Weg zur Dedollarisierung wäre der Ölhandel in der eigenen Währung ein deutlicher Indiz und ein Meilenstein. Doch möchte China überhaupt das was viele Experten und auch wir berichten überhaupt? Natürlich würde eine Wirtschaftsmacht nicht ohne Weiteres öffentlich machen sich von der Weltreservewährung zu trennen. Schon gar nicht ein in sich geschlossenes Regierungssystem, wie das der Chinesen. Xi Jinpings Strategie scheint auf den ersten Blick alles andere als auf ein Ende des Dollars als Weltmacht hinauszulaufen.

China kontert Provokation

China zeigt sich weltoffen und kooperativ wie nie zuvor. Zuletzt in seinem Abkommen zur wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit den USA. Den trotz aller Sorgen eines bevorstehenden Handelskriegs zwischen beiden Wirtschaftsmächten und der Scharmützel im chinesischen Meer zeigten sich beide Staaten zuletzt (wirtschaftlich) versöhnlich. Auch weiterhin als Trump China (und Russland) während der Vorstellung der amerikanischen Sicherheitsstrategie als „Rivale“ bezeichnete, der zusammengefasst von Diebstahl lebe. China blieb cool und sprach von einem „alten Denken“. Man wolle mit allen Staaten in friedlicher Koexistenz leben und rief Washington zur Zusammenarbeit auf, hieß es aus der Botschaft. Trumps Provokation mag auch eine Antwort auf das angesprochene Gipfeltreffen einen Monat davor gewesen sein. Dort wurde er von den Medien als u.a. zahm bezeichnet.

Kein Anzeichen von Dedollarisierung

Beim Treffen in Peking war Trump nämlich alles andere als angriffslustig. Händeschüttelnd und lächelnd traten beide Präsidenten vor die Presse und überhäuften ihre Handelsdeals mit Lob. Erstmals wurde von Chinas Seite sogar eine konkrete Zahl zum Handelsabkommen genannt. „250 Milliarden Dollar Handelsdeals“. So eröffnete Xi Jinping die Pressekonferenz. „Unglaublich“ kommentierte Trump erfreut. 80 Milliarden US-Dollar werden auf amerikanischen Boden in West Virginia investiert. Die staatliche China Energy Investment Corp. Wird zwei Dekaden lang u.a. Schiefergas gewinnen. Ein weiteres Energieabkommen im Wert von 43 Milliarden US-Dollar wurde für Erdgasgewinnung in Alaska geschlossen. 37 Milliarden US-Dollar teuer ist Chinas Bestellung von 300 Boeing-Flugzeugen. Fünf Milliarden US-Dollar sind Peking amerikanische Sojabohnen wert. Neben diesen bekannten Zahlen wird auch in den Fahrzeugbau und in Informationstechnologie investiert.

Insgesamt eine Summe, die nicht zufällig genauso hoch ist, wie Chinas Handelsüberschuss mit den USA im Jahr 2016. An diesem haben sowieso alleine seine Vorgänger Schuld, so Trump. Für ihn war der Besuch ein voller Erfolg.

China übernimmt Vakuum

Trotz Trumps neuester Provokation zeigt sich China weiterhin kooperativ. Eigentlich also alles andere als an Zeichen für eine Dedollarisierung. Chinas Schritte zur Weltmacht kommen auf leisen Sohlen, so eine Zusammenfassung von Friedbert Pflüger, ehemaliger deutscher Politiker, Unternehmensberater und Politikwissenschaftler. Zudem ist Pflüger Direktor des European Centre for Energy and Resource Security (EUCERS) am King's College London und zugleich Honorarprofessor an der Universität. In den Plänen Chinas sieht er das Vorhaben das Vakuum zu schließen, welches die USA auf der Weltbühne hinterlassen.

Rückzug aus dem Pariser Abkommen, Verweigerung der ausdrücklichen Unterstützung von Artikel 5 der NATO, Abschaffung der Handelspartnerschaft TTIP, Einführung von Strafzöllen auf Einfuhren aus Kanada usw. Dies bietet China die einmalige Gelegenheit, seinen Einfluss zu erhöhen, und es scheint, als ob Peking fest entschlossen ist, es zu übernehmen, schreibt Pflüger. Dass gerade China sich nach dem Ausscheiden der USA aus dem Pariser Klimaabkommen zum Führer des Klimawandels ernannte, dürfte entweder der medialen Imagepflege oder als Türöffner für weitere Abkommen dienen. Das Thema, welches in Bezug auf die mögliche Dedollarisierung, auch von uns, genutzt wird, ist das Thema Energie.

Öl als Spielball

Öl, die weltweit am meisten gehandelte Ware, wird seit Jahrzehnten in Dollar gehandelt und hat die USA zur Weltmacht vorangetrieben und den Dollar als Weltreservewährung positioniert. „Das bedeutet, dass die USA mit einer hohen globalen Nachfrage nach ihrer Währung rechnen können, die sie dann mit materiellen Gütern und Dienstleistungen handeln und die sie gleichzeitig als Wirtschaftswaffe nutzen können, um Sanktionen gegen Länder wie Russland und den Iran zu verhängen.“, so Pflüger. Und das könnte ein Petro-Yuan ins Wanken bringen. Pflüger geht davon aus, dass der Petro-Yuan „der erste bedeutende Schritt in Richtung Dedollarisierung sein wird“. Doch auch er ging von einem Start zum Ende 2017 aus, der trotz vieler Erwartungen ausblieb. Während Pflüger mutmaßt, dass ein Petro-Yuan sogar neue Währungskriege auslösen könnte, gehen andere Ökonomen davon aus, dass ein solcher Start dem Petrodollar kaum sichtbaren Schaden zufügen wird. Geschweige davon, dass man schon seit Jahren vom Petro-Yuan berichtet und doch nichts geschieht. Heiße Luft oder Bedrohung? Die Gerüchte werden bleiben. Solange gelten die Fakten.

Neue Freunde durch Investitionen

Ein Fakt ist Chinas „One Belt, One Road“. Für die neue Seidenstraße investiert China in Asien, Europa und Afrika. 65 Staaten sollen beziehungsweise können sich an den Projekten beteiligen. Durch den Ausbau der Infrastruktur mit u.a. Energie, Bahnstrecken und Flughäfen entwickelt Peking ein weitreichendes Handelssystem unabhängig der USA. Jährlich werden geschätzt 1,7 Billionen US-Dollar investiert. Chinas Boomjahre zeigten wie schnell die Infrastruktur im Reich der Mitte gewachsen ist. So schnell, dass chinesische Unternehmen im Inland nicht mehr genügend Aufträge erhalten. Einige sind verschuldet und haben eine Mitarbeiterzahl, die nicht mehr mit genügend Arbeit versorgt werden kann. Gehen diese Unternehmen ins Ausland, schafft China sich nicht nur eine wieder stärkere Wirtschaft. Es baut auch seinen geopolitischen Vormarsch weiter aus.

Gold spielt eine große Rolle

Die neue Seidenstraße soll auch der Erkundung neuer Goldvorkommen dienen. China verfügt mit etwa 11.563,46 Tonnen (Schätzung 2015) über enorme Goldvorkommen, tut sich jedoch schwer diese zu fördern. Die Goldminen seien zu klein und in der Haltung und Produktion zu teuer. Mehr als die Hälfte der chinesischen Goldnachfrage wird aus dem Ausland gedeckt. Die Länder, die sich an One Belt, One Road beteiligen, haben geschätzte Goldreserven von 23.600 Tonnen. Dies entspricht 42 Prozent der gesamten bekannten Menge Gold auf der Welt. Sieben der 30 größten Goldproduzenten befinden sich in den teilnehmenden Ländern. Mit 1.150 Tonnen produzieren diese Länder 36 Prozent der jährlichen Goldproduktion weltweit. Zwischen 2011 und 2015 haben chinesische Goldproduzenten bereits 2,5 Milliarden in Goldabbau-Projekte im Ausland investiert. Im Herbst 2017 wurde ein Joint Venture über eine gemeinsame Goldförderung eingerichtet. Russland und China investieren zusammen eine Milliarde US-Dollar in neue Bergbauprojekte.

Die neue Seidenstraße soll zudem für chinesische Gold-Produzenten Handelsbarrieren abschaffen und Freihandelszonen erweitern, um Investitionen weiter zu stärken. China soll seine Goldreserven kontinuierlich aufstocken. Über die tatsächliche Höhe gibt es nur Vermutungen. Vermutlich liegen diese bei über 2.000 Tonnen. Seit Oktober 2016 wurden keine offiziellen zahlen mehr genannt. Offiziell liegt de rchinesische Bestand bei 1.842,6 Tonnen. Russlands Reserven liegen bei 1.828,6 Tonnen und werden die chinesischen bald überholen. Wie Russland wolle China seine Vermögenswerte diversifizieren und sich nicht nur vom US-Dollar unabhängig machen. Man ist bestrebt seine eigene Währung weiter zu internationalisieren.

Kooperation mit Russland

Zudem arbeiten Russland und China arbeiten an einem gemeinsamen Goldhandelsystems für die BRICS-Staaten für das kommende Jahr. Die BRICS-Staaten bestehen aus Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika und sind eine Vereinigung aufstrebender Volkswirtschaften. Ihr erstes der jährlichen Gipfeltreffen hatte die Gruppierung 2009. Ein alternatives Goldhandelssystem kann eine Schwächung und des US-Dollars auslösen, mit welchen der Goldpreis fixiert wird. Bereits Monate zuvor haben Russland und China bekannt gegeben, ein gemeinsames Zahlungssystem zu entwickeln. Wie Newsweek berichtete, sagte Russlands Ministerpräsident Dmitri Medwedew auf einer Veranstaltung in Peking, dass Russland und China ihre beiden nationalen Zahlungssysteme verknüpfen könnten, um mit westlichen Alternativen konkurrieren zu können. In wie weit diese Pläne jedoch realistisch fortgeschritten sind, ist nicht bekannt. Dennoch ist die enge Zusammenarbeit mit Russland spürbar.

Yuan bekommt mehr Bedeutung

Auf dem Weg zur Internationalisierung der chinesischen Währung wurde bekannt, dass die deutsche Bundesbank den Yuan in ihre Währungsreserven aufnehmen wird. Als Reaktion auf die Europäische Zentralbank (EZB), die Yuan im Wert von einer halben Milliarde Euro gekauft hat. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat den Yuan bereits im Jahr 2016 als Bestandteil seiner sogenannten Sonderziehungsrechte aufgenommen. Ein Meilenstein für den Yuan.

Die Dedollarisierung Chinas könnte in kleinen Schritten kommen. China ist nämlich wieder der größte Gläubiger der USA, nachdem Peking ab Ende 2016 immer wieder neue US-Anleihen gekauft hatte. Nach wie vor kaufen die meisten Staaten US-Bonds und Dollar, um sich somit Rücklagen für Krisenzeiten zu schaffen. Dadurch, dass die amerikanische Zentralbank grenzenlos Devisen drucken kann, gilt der US-Dollar als eines der sichersten Investments der Welt. Die USA geben trotz Schuldenkrise weiter Schuldscheine aus – mittlerweile beträgt der Schuldenberg über 21 Billionen US-Dollar. Für das Reich der Mitte Fluch und Segen zugleich, wie das Handelsblatt bereits 2012 schreibt: „China besitzt eine Machtposition gegenüber den USA. Die größte Volkswirtschaft der Welt lebt auf Pump, und davon, dass andere Nationen ihren Wohlstand finanzieren. Die Amerikaner sind davon abhängig, dass sie weiterhin Kredit von China bekommen. Jedoch kann China seine Anleihen nicht ohne Weiteres abschütteln. Der Wert der US-Staatsanleihen würde sinken und China erhebliche Verluste zufügen.“

China ist Amerikas Finanzier

„China hat wenig attraktive Anlagemöglichkeiten außerhalb der US-Treasuries für die Masse seiner umfangreichen Devisenreserven“, heißt es in einem Bericht des Pentagon, der überprüfen sollte, ob „die aggressive Option eines umfangreichen Verkaufs“ die USA ins Wanken bringen würde. Resultierend behauptete man, dass ein Verkauf der US-Anleihen China mehr schaden würde als den USA. Was der Verkauf von US-Anleihen für die amerikanische Wirtschaft wirklich bedeuten könnte, zeigt ein bloßes Gerücht aus der letzten Woche. In Chinas Regierungskreisen soll es Überlegungen geben, den Kauf von US-Anleihen zu stoppen. Grund hierfür seien auch die handelspolitischen Spannungen zwischen beiden Ländern in Vergangenheit und Trumps Verhalten. Der Markt reagierte: Der US-Dollar fiel deutlich und trieb den Euro sowie Gold in die Höhe. Die Rendite auf zehnjährige US-Staatsanleihen kletterte auf den höchsten Stand seit März 2017, so das Manager-Magazin. Eine höhere Rendite im freien Handel bedeutet tendenziell, dass die Schuldenaufnahme für den jeweiligen Staat teurer wird. Aktuell hat China den letzten Angaben des amerikanischen Finanzministeriums zum Stand seiner Anleihen nach im November 2017 0,1 Prozent beziehungsweise 12,6 Milliarden US-Dollar an US-Anleihen verkauft. Der aktuelle Wert liegt bei 1.176,6 Milliarden US-Dollar.

Gerücht zeigt Amerikas Abhängigkeit

Das Gerücht war für Washington also ein deutlicher Hinweis, wer der Finanzier der kommenden Steuerreform sein wird und wer beim Abstoß von US-Anleihen den größeren Schaden davon tragen würde. China internationalisiert. Eine Strategie zur Dedollarisierung muss mitnichten aggressiv sein. Investitionen auf drei Kontinenten und das stetige Wachstum des Yuan, womöglich sogar eine Einführung von auf gold-basierten und in Yuan-gehandelten Öl-Futures, können China auf den Weg zur Weltmacht bringen. Bei allen Plänen muss die nationale Wirtschaft und der Handel mitspielen. Sollte alles so eintreffen, wie es sich Peking vorstellt, ist eine komplette Dedollarisierung dennoch schwer vorstellbar. Der Dollar hat trotz seiner Krisen und des sich wiederholenden Totsagen seiner Selbst einen globalen Stellenwert erschafft, den der Yuan bei aller Internationalisierung im Westen nie erreichen wird. Auch als Währung einer (in vielen Augen schon jetzigen) zukünftigen Weltmacht.

(Titelbild: istock.com)

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