Chinas Goldreserven gegen Öl? Russland will Venezuelas Ölfelder

Chinas Goldnachfrage soll dieses Jahr bei 2000 Tonnen liegen. Das Land rüstet auf – auch im Gold- und Ölhandel. Zur Freude Russlands. Und Venezuelas? 

Der Osten stärkt sich weiter – und findet stetig neue Partner. Laut Branchenkenner sharpspixley wird das Gesamtvolumen der chinesischen Goldnachfrage in diesem Jahr bei 2.050- 2.060 Tonnen liegen. Ausgehend der aktuellen Umsätze an der Shanghai Gold Exchange (SGE) liegt die derzeitige Nachfrage nach dem gelben Edelmetall in China bei +4,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im August lag Chinas Goldnachfrage bei 161,41 Tonnen gegenüber 144,44 Tonnen im August 2016. Vorausgesetzt an diesem Wert würde sich nichts ändern, würde man somit die 1.970 Tonnen aus 2016 übertreffen. Rekordjahr bliebe aber weiterhin das Jahr 2015, in dem die SGE Chinas Goldkäufe auf 2,596 Tonnen bezifferte.

In den offiziellen Meldungen über Chinas Goldreserven tauchen diese Zahlen nicht auf. Seit Monaten belässt es die Volksrepublik bei 1.842,6 Tonnen. Dies darf nicht nur wegen der Zahlen an der Shanghai Gold Exchange bezweifelt werden.

China hüllt sich in Schweigen

Vergangene Woche hat die Chinesische Zentralbank den Stand der aktuellen Gold- und Devisenreserven bekannt gegeben. Im zehnten Monat in Folge blieben die Goldbestände gleich. Veränderungen werden nur bezüglich des Wertes der Goldreserven veröffentlicht. Diese stiegen im Vergleich zum Juli im Wert von 75,08 Milliarden US-Dollar auf 77,7 Milliarden US-Dollar. Und dies alleine aufgrund des gestiegenen Goldpreises.

China liegt mit seinen offiziellen Goldreserven auf Platz fünf. Vor Russland mit 1.729,3 Tonnen und einem offiziellen Zuwachs von 200 Tonnen jährlich. Aus Russland weiß man: Der Kreml möchte die ökonomische Übermacht Amerikas und Europas brechen. Anders als der Dollar oder der Euro ist Gold eine staatenlose Währung. Laut Buchautor Jim Rickards kauft Putin Gold, weil er damit rechnet, dass langfristig das Vertrauen in den Dollar schwinden oder aber der Dollar als Waffe gegen Russland benutzt wird.

Natürlich hat auch China ähnliche Vorstellungen. Seit 2014 wurden US-Anleihen im Wert von 300 Milliarden US-Dollar auf den Markt gebracht. Zwar wurden immer wieder neue Anleihen gekauft, doch wird es deutlich wohin die Reise geht. Gold statt Dollar. Im selben Zeitraum wurden die Goldreserven (offiziell) um 775 Tonnen Gold aufgestockt. Experten schätzen, dass Chinas wahre Goldbestände bei über 5.000 Tonnen liegen. Das wäre auch nicht sonderlich verwunderlich, gilt China doch als (mit Abstand) größter Goldproduzent. 2016 haben chinesische Bergbauunternehmen 453,5 Tonnen Gold gefördert. Das Volumen liegt mehr als 150 Tonnen über dem des Zweitplatzieren Australien (290,5 Tonnen). Dass Chinas reale Goldimporte nicht bei 0 Tonnen liegen, dürfte klar sein. Ebenso, dass die zugegeben wachsende Goldnachfrage unter Chinas Bevölkerung nicht alles verschlingt.

Petroyuan gegen Petrodollar

China hält sich also bedeckt – und hat große Pläne. Pläne, für die große Goldreserven vorhanden sein müssen. Wir berichteten über Chinas Absicht in Kürze eigene Terminkontrakte auf Öl auszugeben. Das besondere ist hier die Bezahlung. China plant das Ende vom Petrodollar und den Beginn des Petroyuan. Sein Vorteil: Letzterer kann und darf an den Börsen in Schanghai und Hongkong gegen Gold eingetauscht werden. Der Goldstandard wird wieder zum Leben erweckt. Und viele Staaten, die Sanktionen des Westens durchleben (Russland, Iran) oder kurz vor der Pleite stehen (Venezuela), dürften es kaum erwarten. Zufälligerweise Staaten, die von ihrer Ölproduktion leben!

Laut Reuters will sich Venezuela nach den Worten von Präsident Nicolas Maduro von seiner Abhängigkeit vom US-Dollar befreien. “Venezuela wird einen neuen Mechanismus für die internationale Zahlung umsetzen und einen Korb von Währungen schaffen”, kündigte Maduro am Donnerstag an. Dazu solle auch die chinesische Landeswährung Yuan gehören.

Eine Win-Win-Situation, die dem Westen so gar nicht gefallen wird. Langjährige Partner im Ölgeschäft werden sich abwenden (Venezuela) oder wurden bereits abgeworben (Saudi Arabien). Russland versorgt Venezuela bereits mit Devisen und bekommt als Gegenleistung mehrere produktive Ölfelder überschrieben. Die Zeit bis zu den chinesischen Terminkontrakten könnte dadurch überbrückt werden und ein Bankrott verhindert. Russland würde im Ölgeschäft als Mittelmann dienen. Saudi Arabien wurde im Zuge der neuen Seidenstraße druckvoll abgeworben. Viel Auswahl bestand offensichtlich nicht. Dies kann aber auch positiv gesehen werden. Wer hätte in Zeiten der schwellenden Finanzkrise nicht lieber echtes Gold, als Gegenwert für seinen Rohstoff, anstelle von US-Anleihen oder gedruckten Dollar?

Nordkorea wird Öl sanktioniert

Das neueste Aufeinandertreffen zwischen den USA und China war auf diplomatischer Basis. Bei der UN-Sondersitzung bezüglich Nordkoreas Provokationen einigten sich die Vertreter der Länder auf die Drosselung der Öl-Lieferungen nach Nordkorea. Während Japan und Südkoreas das Drängen der USA begrüßen, kritisierte China die Absicht der USA Nordkorea noch stärker zu sanktionieren. Diese wollten zunächst ein komplettes Ölembargo. Laut Spiegel stimmte der Rat zwar einstimmig für die Resolution, diese wurde jedoch erst nach Abschwächung der Sanktionen bestätigt:

Mit einer härteren Resolution, die ein komplettes Ölembargo und direkte Finanzsanktionen gegen Machthaber Kim Jong Un vorgesehen hatte, konnten sich die USA in Verhandlungen mit China und Russland nicht durchsetzen. Die beiden Vetomächte hätten diesen verschärften Entwurf bei einer Abstimmung im Sicherheitsrat möglicherweise blockiert.

China plädiert hingegen für eine Wiederaufnahme der Verhandlungen über das nordkoreanische Atomprogramm. Strafmaßnahmen allein könnten das Problem nicht lösen, so der Kommentar der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua. Dass Nordkorea sein Atomprogramm durch die neuesten Sanktionen aufgeben würde, empfindet China als „tragisch niedrig“. Die USA seien von Obamas „strategischer Geduld“ zur „strategischer Erdrosselung“ unter Trump gewechselt. Chinas Uno-Botschafter Liu Jieyi warnte einen „kühlen Kopf zu bewahren“. Wie Russland strebt China eine diplomatische Lösung an.

Südkorea begrüßte die Sanktionen. Diese seien eine „ernste Warnung an Nordkorea, weil es durch seine rücksichtslosen Provokationen nur seine diplomatische Isolation und den wirtschaftlichen Druck“vergrößere. Auch Japans Ministerpräsident Shinzo Abe äußerte sich positiv über die „starke Resolution“.

 

 

(Titelbild: istock)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.