Laut dem amerikanischen Finanzministerium trennte sich China, sowie andere Staaten wie Japan und Russland, im September von US-Anleihen in Milliardenhöhe. Dennoch bleibt China weiterhin (nicht ganz freiwillig) größter Gläubiger der USA.

Staaten trennen sich von Treasuries

Monatlich veröffentlich das amerikanische Finanzministerium die Übersicht seiner aktuellen Anleihen, den Treasuries. Nachdem China in diesem Jahr wieder deutlich mehr US-Anleihen kaufte, trennte man sich im September von Treasuries im Wert von 19,7 Milliarden US-Dollar. Weiterhin bleibt China größter Gläubiger der USA. Im Juni überholte man Japan. Zusammen mit Japan kommen die beiden asiatischen Länder auf zwei Drittel des gesamten Volumens der US-Anleihen.

Japan minimierte seinen Bestand um Treasuries im Wert von 5,7 Milliarden US-Dollar. Russland trennte sich von US-Anleihen im Wert von 1,5 Milliarden US-Dollar.

Quelle: U.S. Department of the Treasury

US-Anleihen steigen dennoch monatlich

Nach wie vor kaufen die meisten Staaten US-Bonds und Dollar, um sich somit Rücklagen für Krisenzeiten zu schaffen. Dadurch, dass die amerikanische Zentralbank grenzenlos Devisen drucken kann, gilt der US-Dollar als eines der sichersten Investments der Welt. Die USA geben trotz Schuldenkrise weiter Schuldscheine aus (monatliche Steigerung siehe Grafik).

Amerikas Staatsverschuldung hat bereits die astronomische Summe von 21 Billionen US-Dollar erreicht. Die fortgesetzte Verwendung des Dollars als Zahlungsmittel, gepaart mit der schier unendlichen Kapazität der Federal Reserve Banknoten zu drucken und des Finanzministeriums Anleihen zu emittieren, hat dazu geführt, dass der Dollar im vergangenen Jahrhundert zum Zufluchtsort für die globale Wirtschaft wurde. Ein Kreislauf, der nicht für alle Zeit gut gehen kann. Angesichts der amerikanischen Überschuldung wurde bereits vor einer kommenden Krise gewarnt.

Osten investiert in Gold

Russland, die Türkei, Kasachstan und vermutlich China setzen immer mehr auf Rücklagen aus Gold. Im neuesten Report des World Gold Council ist klar zu erkennen, dass die Zentralbanken dieser Staaten ihre Goldreserven stetig erhöhen. Größter Käufer ist dabei Russland.

Seit 2007 haben sich die russischen Goldbestände vervierfacht. Auch der Goldanteil an den gesamten Währungsreserven steigert sich kontinuierlich. Der Anteil von Gold liegt bei den russischen Währungs- und Goldreserven mit 17 Prozent auf dem höchsten Stand in der 17-jährigen Ära Wladimir Putins an der Macht.

Russland vorneweg – Türkei zieht nach

Im drittel Quartal erhöhten sich die russischen Goldreserven um 63 Tonnen auf 1.778,9 Tonnen. Auf das Jahr gerechnet erhöhte die russische Zentralbank ihren Goldbestand um 164 Tonnen. Das sind jetzt schon 35 Tonnen mehr als im gleichen Zeitraum 2016. Russland wird aller Wahrscheinlichkeit nach zum dritten Mal in Folge die Grenze von 200 Tonnen Gold erreichen.

Die Goldreserven der Türkei liegen nun bei 495,6 Tonnen. Im April waren es noch 413 Tonnen. Nachdem man dieses Jahr bereits Taiwan überholt hatte, dürfte es nicht mehr lange dauern bis man auch die Reserven der Europäischen Zentralbank (504,8 Tonnen) eingeholt hat. Kasachstans Goldbestand wurde in den letzten fünf Jahren um 185,3 Tonnen aufgestockt. Mit insgesamt 289,3 (36,7 % aller Reserven) liegen Kasachstans Goldreserven auf Platz 18.

Folgt die Dedollarisierung?

China und Russland sollen schon lange den Plan der Dedollarisierung verfolgen – trotz Chinas immenser Dollarrücklagen in US-Anleihen. Für das Reich der Mitte Fluch und Segen zugleich, wie das Handelsblatt bereits 2012 schreibt: „China besitzt eine Machtposition gegenüber den USA. Die größte Volkswirtschaft der Welt lebt auf Pump, und davon, dass andere Nationen ihren Wohlstand finanzieren. Die Amerikaner sind davon abhängig, dass sie weiterhin Kredit von China bekommen. Jedoch kann China seine Anleihen nicht ohne Weiteres abschütteln. Der Wert der US-Staatsanleihen würde sinken und China erhebliche Verluste zufügen.“

„China hat wenig attraktive Anlagemöglichkeiten außerhalb der US-Treasuries für die Masse seiner umfangreichen Devisenreserven“, heißt es in einem Bericht des Pentagon, der überprüfen sollte, ob „die aggressive Option eines umfangreichen Verkaufs“ die USA ins Wanken bringen würde.

China will wachsen

Seit längerer Zeit wird dem Petrodollar schon das Ende prophezeit und der Begriff vom Dedollarisierung taucht in immer mehr Quellen auf. Russland und China machen sich auf, sich vom US-Dollar zu lösen. Nicht im überhasteten Verkauf ihrer amerikanischen Staatsanleihen, sondern über die Stärkung der eigenen Währung und Beziehung zueinander. Seit Jahren besteht eine wachsende wirtschaftliche Partnerschaft zwischen beiden Ländern. Dieser Umstand ist vor allem dem Aufstieg der Volksrepublik China und dem gleichzeitigen Niedergang der Sowjetunion geschuldet.

China ist in kürzester Zeit ins Zentrum der internationalen Politik gestiegen. Dieser Aufstieg hat seine Wurzeln im radikalen ökonomischen Kurswechsel unter Deng Xiaoping Ende der siebziger Jahre. „Werdet reich“, war das Motto der Deng’schen Reformen, die China seitdem hohe Wachstumsraten bescheren und die Weltbank (etwas voreilig) dazu verleitet haben, die Ablösung der USA als größter Wirtschaftsmacht durch China für das Jahr 2020 vorauszusagen.

Mit Russland als Partner

Im Rahmen der neuen Seidenstraße erhält Russland Milliarden-Beträge aus China. Geld, das Russland aufgrund der verhängten Ukraine-Sanktionen und der leidenden Wirtschaft dringend braucht. Umgerechnet elf Milliarden US-Dollar werden in den kommenden 15 Jahren aus Peking nach Moskau fließen. Handelsbeziehungen werden ausgebaut und gleichzeitig wird der chinesische Yuan gestärkt.

Die erworbenen Yuan nutzt Russland um Waren aus China zu beziehen. Seit 2016 direkt mit Sitz der Russischen Zentralbank in Peking. Von dort aus kann Russland seine chinesischen Yuan verwenden, um Gold an der Shanghai Exchange zu kaufen. Ohne Wechselkursrisiko. In gewissem Sinne wird der chinesisch-russische Ölhandel nun durch einen eigenen „Goldstandard“ unterstützt, der komplett auf den Petrodollar verzichtet. Im letzten Oktober hat China die USA überholt und ist nun weltweit größter Rohölimporteur. Und wer ist der größte Exporteur? Genau! Russland.

Gold ist, ebenso wie Öl, wichtiger Teil der chinesisch-russischen Wirtschaft. Beide Regierungen bauen stetig ihre Goldreserven aus. Russland hat seinen Bestand in den letzten zehn Jahren vervierfacht und Chinas Goldbestände sollen weit über der offiziellen Menge von 1.842,6 Tonnen liegen. Russische Banken haben mit dem Goldhandel an der chinesischen Börse begonnen und liefern verstärkt Gold nach China.

Gerücht um Petro-Yuan

Wie Japans Nachrichtenmagazin Nikkei berichtete, plant China noch für dieses Jahr, Öl-Futures auf den Markt zu bringen. Diese werden in Yuan angeboten und können an den chinesischen Börsen in Shanghai und Hongkong in Gold getauscht werden. Bisher wurden solche Terminkontrakte von amerikanischen Firmen selbstverständlich nur in US-Dollar gehandelt. Mit der erstmaligen Einführung von eigenen Terminkontrakten bezüglich Rohöl öffnet sich China verstärkt für ausländische Investmentsfonds. Neben den bisher in Yuan angebotenen Gold-Futures könnten Öl-Futures der breiten Masse zugänglich gemacht werden und allen Investoren die Möglichkeit bieten, in physischem Gold bezahlt zu werden.

Ein Meilenstein für Chinas Durchmarsch zur Weltwährung war die Akzeptanz des Internationalen Währungsfonds den Yuan in den elitären Korb der Weltwährungsreserven zu nehmen. Im Oktober 2016 gesellte sich der Yuan zu US-Dollar, Euro, Yen und britischem Pfund. Damals wurde aus dem amerikanischen Finanzministerium im Umfeld der kritischen Stimmen noch behauptet, dass China, trotz seiner Einstufung zur Reservewährung, noch weit weg vom tatsächlichen Status sei. Die chinesische Zentralbank ließ verlauten, dass China diese Chance nutzen wird, um seine Wirtschaftsreformen auszubauen und sich dem Wirtschaftssektor weiter zu öffnen, um das globale Wirtschaftswachstum voranzutreiben. Mit der Erschließung der neuen Seidenstraße, ist man auf dem besten Weg.

Auch wenn China nach wie vor größter Gläubiger Amerikas ist, hat es sich in den letzten Jahren von US-Anleihen im Wert von beinahe einer Milliarde gelöst. Mit „One Road, One Belt“  (neue Seidenstraße) ist China mit vielen Ländern Partnerschaften eingegangen. Auch im Geschäft mit Öl, in dem Russland und Saudi-Arabien zu Chinas größten Lieferanten zählen.

Ende vom Petrodollar?

„Ich glaube, dass die Zahlungsgeschäfte für Öl in Yuan kommen werden und sobald sich Saudi-Arabien dazu entschließt, dies zu akzeptieren – so wie die Chinesen sie dazu zwingen werden – wird der Rest des Ölmarktes ihnen folgen“, zittiert CNBC einen Rohstoffexperten. Weiter erklärt er, China wird Saudi-Arabien „zwingen“, Öl in Yuan zu handeln und wenn dies geschieht, wird der Rest des Ölmarktes folgen und den US-Dollar als Reservewährung der Welt verlassen.

Ein Szenario, das aktuell nicht besonders wahrscheinlich erscheint, aber dennoch möglich ist.

(Titelbild/Quelle: Max Pixel)

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