China soll über Kaufstopp von US-Anleihen nachdenken – Gold und Euro steigen

Laut Bloomberg soll es in Chinas Regierungskreisen Überlegungen geben, den Kauf von US-Anleihen zu stoppen. Allein das Gerücht löste auf den Märkten den ersten Aktionismus aus. China ist der größter Gläubiger der USA. Ein langfristiger Stopp hätte erhebliche Folgen. Auch für Gold.

Bislang ist es nur ein Gerücht, dass durch eine Meldung von Bloomberg gestreut wird, die sich auf „der Sache vertraute Personen“ bezieht. Diesen Quellen zufolge hätten Vertreter der chinesischen Führung empfohlen, die Käufe von US-Anleihen zu verringern oder sogar gänzlich zu stoppen. Grund hierfür seien auch die handelspolitischen Spannungen zwischen beiden Ländern. Präsident Trump hat China (und Russland) erst kürzlich als „rivalisierende Kräfte“ bezeichnet. China hingegen sieht sich auf dem Weg zur Weltmacht in Person von Staatschef Xi Jinping als „liberaler Weltbürger, als Vertreter der vernetzten Welt und des freien Handels“, so die Zeit. Ob der Vorschlag umgesetzt wird, blieb laut Bloomberg offen.

Finanzen.net berichtet, dass das Gerücht erheblichen Verkaufsdruck an den Märkten generiert und dem Euro heute einen Höhenflug verschafft hat. Auch Gold freut sich. „Normalerweise wirkt sich dieser Umstand aufgrund der negativen Korrelation beider Anlageklassen eher negativ auf den Goldpreis aus. Diesmal kann das gelbe Edelmetall hingegen davon profitieren, weil China in Zukunft möglicherweise verstärkt auf Gold setzen könnte…“, so die Finanzseite. Während Euro und Gold von der Meldung profitierten, fiel der Dollar und trieb die Renditen von US-Bonds nach oben.

„Für einen Markt, der wohl einen Grund für eine Verschnaufpause sucht, ist es nicht unvernünftig, den heutigen Anstieg der Renditen als Auslöser zu nutzen“, sagte Anlagestratege Art Hogan von der Investmentbank B. Riley FBR. Anleger fürchten, dass der US-Staatsanleihenmarkt ins Taumeln geraten könnte, zitiert cash.ch Analyst Peter Cardillo vom Handelshaus First Standard Financial.

Kaufstopp von US-Anleihen gab es immer wieder

Ungeachtet bei der Meldung bleibt, dass Chinas US-Anleihenkäufe erst ab November 2016 überhaupt wieder zunahmen und das Reich der Mitte wieder zum größten Gläubiger der USA wurde. Vor dem November wurden die amerikanischen Staatsanleihen über das gesamte Jahr hinweg auf den Markt gestoßen. Somit wäre ein Stopp oder eine Reduzierung kein neues Vorgehen, sondern war bereits in der Vergangenheit temporär der Fall. Im September 2017 trennte sich China, sowie andere Staaten wie Japan und Russland, im September von US-Anleihen in Höhe von rund 20 Milliarden US-Dollar.

Nach wie vor kaufen die meisten Staaten US-Bonds und Dollar, um sich somit Rücklagen für Krisenzeiten zu schaffen. Dadurch, dass die amerikanische Zentralbank grenzenlos Devisen drucken kann, gilt der US-Dollar als eines der sichersten Investments der Welt. Die USA geben trotz Schuldenkrise weiter Schuldscheine aus – mittlerweile beträgt der Schuldenberg über 21 Billionen US-Dollar.

Chinas Weg zur Dedollarisierung

China und Russland sollen schon lange den Plan der Dedollarisierung verfolgen – trotz Chinas immenser Dollarrücklagen in US-Anleihen. Für das Reich der Mitte Fluch und Segen zugleich, wie das Handelsblatt bereits 2012 schreibt: „China besitzt eine Machtposition gegenüber den USA. Die größte Volkswirtschaft der Welt lebt auf Pump, und davon, dass andere Nationen ihren Wohlstand finanzieren. Die Amerikaner sind davon abhängig, dass sie weiterhin Kredit von China bekommen. Jedoch kann China seine Anleihen nicht ohne Weiteres abschütteln. Der Wert der US-Staatsanleihen würde sinken und China erhebliche Verluste zufügen.“

„China hat wenig attraktive Anlagemöglichkeiten außerhalb der US-Treasuries für die Masse seiner umfangreichen Devisenreserven“, heißt es in einem Bericht des Pentagon, der überprüfen sollte, ob „die aggressive Option eines umfangreichen Verkaufs“ die USA ins Wanken bringen würde.

UPDATE 11.01.18

Die chinesische Devisenaufsicht dementiert die Meldung, wonach das Land eine Reduzierung seiner US-Anleihen-Käufe überprüft.

(Titelbild: Max Pixel)

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