Bundesbank: Jede vierte Bank will Strafzinsen einführen

Strafzinsen bei Banken und Sparkassen weiten sich in Zukunft stärker aus. Laut Bundesbank-Vorstandsmitglied Andreas Dombret plant jedes vierte deutsche Finanzinstitut Strafzinsen auf Kundeneinlagen. Größtenteils betroffen sind jedoch Unternehmenskonten. Spareinlagen von Privatkunden sollen zukünftig bei jeder zwölften Bank oder Sparkasse betroffen sein, so Dombret laut Wirtschaftswoche.

Seine Mutmaßung erhebt Dombret aus der jüngsten Umfrage der Bundesbank und der Finanzaufsicht Bafin unter 1555 kleinen und mittelgroßen Kreditinstituten in Deutschland. „Sänke das Zinsniveau dagegen weiter ab, wäre bereits jedes zweite Institut zu einer Weitergabe negativer Zinsen gegenüber Privatkunden bereit“, so Dombret.

Quelle: Bundesbank

Die EZB verhängt gegenüber Banken, die ihr Geld bei der Europäischen Zentralbnak parken, Strafzinsen. Diese sind seit Beginn 2016 um 0,4 Prozent angestiegen. Kürzlich sagte Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele zwar, dass die Banken „Innerhalb der letzten zwei Jahre zehn Milliarden Euro in ihren Tresoren zusätzlich gelagert haben, um Negativzinsen zu entgehen“,  jedoch werden diese Kosten wohl entstehen und an die Kunden weitergetragen. Unternehmenskonten sind schon seit längerer Zeit betroffen. Aber auch immer mehr wohlhabende Privatkunden müssen für die Strafzinsen aufkommen.

Zu Präsentation der Umfrage erklärt die Bundesbank:

Die niedrigen Zinsen machen den Banken und Sparkassen in Deutschland weiterhin zu schaffen. „Die durch niedrige Zinsen verursachte Durststrecke ist noch längst nicht überstanden“, sagte Bundesbankvorstand Andreas Dombret bei der Vorstellung der aktuellen Umfrage.

Die Institute wurden auch aufgefordert, Szenarien für Zinsveränderungen für den Zeitraum von 2017 bis 2021 durchzuspielen.

„Bei einem Fortbestehen des niedrigen Zinsniveaus oder gar einem weiteren Absinken würden die Ergebnisse einbrechen“, beschrieb Dombret die Erkenntnisse. Sollte die Phase niedriger Zinsen bis 2021 andauern, würde der Gewinnrückgang bei einer im Szenario angenommenen konstanten Bilanzsumme 41 Prozent betragen. Bei Szenarien mit weiteren Zinssenkungen erwarteten die Institute Einbußen von sogar 60 Prozent.

(Titelbild: istock.com)

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