Bitcoins und Gold: Hipster gegen Spießer?

Der vergangene Donnerstag war für Verfechter und besonders Besitzer der ersten Stunde der Kryptowährung ein besonderer Tag. Erstmals standen sich Bitcoins und Gold auf Augenhöhe gegenüber und das Edelmetall wurde von der digitalen Währung im Wert überholt. Eine ernsthafte Konkurrenz für das „ewige“ Gold?

Bitcoins mit Rekordhoch

Zum ersten Mal seit Bestehen des Bitcoins ist dessen Einheit höher bewertet als eine Feinunze Gold. Trotz des allgemeinen Aufschwungs des Edelmetalls. Während die Unze Gold am Donnerstag 1.230 US-Dollar wert war, erreichte der Bitcoin 1.269 US-Dollar. Zurückzuführen ist das auf einen möglichen Indexfonds, der die Digitalwährung von den Totgesagten auf sein Allzeithoch katapultierte. Dass dieser Umstand von langer Dauer sein und Gold als Krisenwährung abgelöst wird, darf jedoch bezweifelt werden.

Lohnt sich der Vergleich?

Das Aufkommen von Bitcoins und Gold wird weder vom Staat noch von Banken produziert und kontrolliert. Anders als Banknoten können beide nicht beliebig und jederzeit vervielfältigt werden. Im Gegensatz dazu haben die großen Zentralbanken der USA, Japan und Europa seit der Finanzkrise 2007 neues Geld im Wert von 13 Billionen US-Dollar produziert und auf den Markt gebracht (EZB sowie Japan produzieren weiterhin). Beide sind Schattenwährungen, die Sparern als sichere Anlage gegenüber den anderen riskanten Anlageformen dienen können. Anhänger der Kryptowährung sehen in ihren Bitcoins die Weiterentwicklung von Gold. In der Zeit der allgemeinen Digitalisierung und der, mal gerechtfertigten mal überzogenen, Sorge vor der Kontrolle und des Eingreifens des Staates sehen sie im Bitcoin den einzigen richtigen Weg ihr Erspartes zu sichern. Es bleibt die Frage: Kann man eine digitale Währung mit einer haptischen Währung überhaupt vergleichen und diese als Währung ernst nehmen?

Bitcoins und Gold: (Un)Gleich in ihrer Endlichkeit

Gold wird durch Minenförderung aus den Boden geschöpft und besitzt eine Endlichkeit, dessen präzise Schätzung noch nicht ermessen werden kann. Der mutmaßliche Macher des Bitcoin, Craig Steven Wright, orientierte sich an der Schöpfung des Goldes. Anhand der komplexen Blockchain-Technologie produziert er seine Währung durch das sogenannte „Mining“. Mit enormen Rechenaufwand „fördert“ er seine Bitcoins.

Die 2009 als Internetwährung gestarteten Bitcoins werden digital durch Algorithmen errechnet. Steigt die im Umlauf befindliche Menge von Bitcoins, erhöht sich die Komplexität der Berechnung dieser. Sie sollen wie Gold ein Limit haben und somit immer schwieriger zu „schöpfen“ sein. Die geschätzten Goldvorräte liegen weltweit bei 180.000 Tonnen mit einem Marktwert von sieben Billionen US-Dollar. Im „Vergleich“ dazu sind 16 Millionen Bitcoins auf dem Markt. Begrenzt sind die Einheiten auf 21 Millionen.

Die sogenannte Blockchain-Technologie will sich Wright nun patentieren lassen, da Banken mithilfe von Blockchain bereits begonnen haben, Verschlüsselungen und Cyberwährungen für ihr eigenes Geschäft zu entwickeln.

Gold unerreichbar

Eine sichere Anlagemöglichkeit, kein offizielles Zahlungsmittel und die Menge wird nicht durch Bundesbanken kontrolliert oder produziert. Das war es dann aber auch schon mit den Gemeinsamkeiten von Bitcoins und Gold. Bitcoins als Hipster der digitalen Finanzgesellschaft werden den beständigen Spießer Gold nicht als sicheren Hafen ablösen. Denn den Echtzeit-Wert den Gold besitzt, werden Bitcoins niemals haben. Eine lose Spekulation kann man im Ernstfall nicht gegen Dienstleistungen oder Güter tauschen. Eine fiktive Währung hat nur im digitalen Zeitalter Platz. Sollt es zu so einem Einbruch der Finanzmärkte kommen wie ihn Crash-Theoretiker voraussagen, würde dieser uns um Jahrzehnte zurückwerfen und der Besitz von digitalem Eigentum ad absurdum führen. Und selbst in reellen Finanzkrisen ist Gold als Anlage in seiner Beliebtheit nicht zu übertreffen. Auch als Statussymbol in Form von Barren oder Schmuck können Bitcoins nicht mithalten. Keiner tauscht am Altar Bitcoins in Form von Sammlermünzen aus Messing.

Auf und Ab seit Bestehen

Gold ist seit Jahrtausenden ein Wertsicherungsmittel. Es er- und durchlebte Krisen, Aktieneinbrüche und Staatsbankrotte. Bitcoin hingegen durchlebt seit seiner „digitalen Geburt“ eine durchgehende Achterbahn am Finanzmarkt und in den Medien. Seit Jahresbeginn 2017 hat die Kryptowährung 30 Prozent an Wert gewonnen. Seit Jahresbeginn 2016 hat sie ihren Wert insgesamt um 200 Prozent erhöht. Gleichzeitig durchlief sie aber immer wieder Kurseinbrüche und massive Schwankungen die Gold in dieser Form nicht vorweist. Ende 2013 ging es von damaligen Rekord von 1.000 US-Dollar pro Einheit in kürzester Zeit auf 500 US-Dollar runter.

Lokale Krisen schaffen den Markt

Je weniger Anleger in den Staat vertrauen und auch Sorge tragen in klassische Wertanlagen könnte eingegriffen werden, sehen sie gerade in der digitalen Währung eine Sicherheit, die ihnen anderswo nicht gegeben wird. Die bisher temporären Kursaufschwünge der Kryptowährung begründen sich auch an regionalen wirtschaftlichen Krisen in denen Alternativwährungen gefragt waren, um der  wahrscheinlichen Inflation vorzukommen. Als Beispiel dienen aktuell Venezuelas Wirtschaftskrise und Indien, wo der Staat die Devisen einschränkt. Hier versucht die Regierung das Bargeld- und Goldvorkommen zu regulieren und lässt somit ungewollt die Nachfrage von Bitcoins steigen. Zu Beginn der Griechenland-Krise lag die höchste Bitcoin-Nachfrage weltweit wenig überraschend in Griechenland und Zypern.

Bitcoin will an die Börse

Um sich auch auf internationalem Parkett zu etablieren, sein negatives Image von Schmuggel- und Geldwäschewährung von sich zu schütteln und als echte Alternative zu Gold angesehen zu werden, wurde bereits vor Jahren ein börsennotierter Fonds entwickelt. Wie bekannt wurde, wird am 11. März die Börsenaufsicht SEC entscheiden, ob der „Winklevoss Bitcoin Trust ETF“ genehmigt wird. Bereits vor vier Jahren wurde der Antrag vorgelegt, musste aber immer wieder überarbeitet werden. Immer wieder verschob sich die Entscheidung. Hinter dem Fonds die Zwillinge Tyler und Cameron Winklevoss. Bekannt wurden beide durch den Rechtsstreit mit Mark Zuckerberg. Diesen beschuldigten die Brüder ihre Idee von Facebook gestohlen zu haben und erstritten vor Gericht 60 Millionen US-Dollar.

Nun wetten die Anleger also auf eine Börsennotierung und treiben folglich die Nachfrage und den aktuellen Kurs voran. Anders als bei Gold sind Spekulationen ein dauerhafter Begleiter des unsichtbaren Zahlungsmittels. Eine gewisse Beständigkeit kann die Internetwährung nicht vorlegen. Eine mangelnde Verbreitung der Währung, die im Vergleich zu Gold geringe Menge, Unverständnis über die Entstehung eines Bitcoins, die zu hohe Preisvolatilität sowie die junge Lebensdauer lassen Bitcoins gegenüber dem zeitlosen Gold alt aussehen.

Sollte die SEC den Antrag annehmen, könnte der Kurs auf einem richtigen notierten Finanzmarkt noch rasanter steigen, da die breite Masse Zugang zur nun seriösen Alternativwährung hätte. Sollte er abgelehnt werden, könnte Bitcoins Höhenflug zu nah an der goldfarbenen Sonne stattgefunden haben und der Kurs (mal wieder) einbrechen. Sorgen müssen sich Gold-Anleger bei der Entscheidungsfindung nicht machen, denn sie sind und bleiben im sicheren Hafen: Gold.

UPDATE

SEC lehnt Bitcoins ab

13.03.2017. Die amerikanische Börsenaufsicht SEC hat den Indexfonds „Winklevoss Bitcoin Trust ETF“ abgelehnt. Begründet hat die Aufsicht ihre Entscheidung am Freitag aufgrund der mangelnden Regulierung und der Anfälligkeit für Manipulationen und Betrügereien. Die digitale Währung sollte an der Börse für eine breite Anlegerschaft sorgen und die Kryptowährung als „echte“ Währung etablieren. Der Bitcoin-Kurs rutsche daraufhin von seinem Rekordhoch auf 1.000 US-Dollar. Aktuell erholte er sich wieder auf 1.100 US-Dollar.

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