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Bargeldverbot: Einzelhändler erhebt Gebühr für Bargeld

Barzahlungen stören die Politik und die Banken. Die EU möchte Grenzen setzen, die Banken nehmen bereits Gebühren. Doch Bargeld ist beliebt. Besonders die Deutschen lieben ihr Bares. Doch jetzt sind Münzen und Scheine sogar dem Einzelhandel ein Dorn im Auge.

Einzelhändler erhebt Gebühr wegen Barzahlung

Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtet, hatte ein Einzelhändler aus Stuttgart eine besonders dreiste Idee. Ein Kunde sollte für die Reparatur seines Fernsehers zahlen. Dies tat er in bar. Und sollte dafür laut Rechnung 25 Euro extra zahlen – weil es eine „abweichende Zahlungsart“ sei. Eine andere Zahlungsmöglichkeit wurde ihm nicht angeboten. Abstrus, wie der Kunde zurecht empfand und wendete sich an die Verbraucherzentrale. Dunja Richter, Juristin der Verbraucherzentralen, sagte der „FAZ“: „So etwas ist rechtswidrig“. Die Verbraucherzentrale mahnte den Händler ab und klagte. Erfolgreich, den der Elektrohändler unterschrieb eine Unterlassungserklärung und darf keine Barzahlungsgebühr mehr verlangen.

Die FAZ berichtet weiter, dass es im vergangenem Jahr bereits einen ähnlichen Fall bei Flugbuchungsportalen gab. Den Betreibern von fluege.de und flug.de wurde seitens der Verbraucherzentrale vorgeworfen zusätzliche Gebühren für unterschiedliche Zahlungswege bei der Buchung zu verlangen. Außer bei der unternehmenseigenen Kreditkarte, mit der man bei Abschluss des Vertrages eine gebührenfreie Buchung tätigen kann. Ähnlich soll es bei flug.de gewesen sein.

"Zumindest eine Zahlungsart muss einem Kunden in Deutschland unentgeltlich zur Verfügung stehen", sagt Verbraucherzentralen-Juristin Richter der FAZ. Und zwar eine, die jedem Kunden verständlich und gängig ist – so wie Bargeld. Im Fall des Elektrohändlers ist die Abneigung des Einzelhandels gegenüber Scheinen und Münzen bekannt. Besonders die Ein-Cent- und Zwei-Cent-Stücke sind für den Handel umständlich und teuer. Den Verbraucher interessiert das herzlich wenig. Denn die Deutschen lieben ihr Bares.

Bargeld ist am (noch) am beliebtesten

Bargeld ist nach wie vor das beliebteste Zahlungsmittel. Besonders bei den Deutschen. Als im Mai 2016 der Beschluss der Abschaffung des 500-Euro-Scheins bekannt wurde, gab es im Rest Europas wenig Interesse bis gar keine Bestürzung während es in Deutschland zu einem größeren medialen Thema wurde. Einer aktuellen Studie der ING-DiBa nach, können sich 84 Prozent aller Deutschen nicht vorstellen, jemals vollständig ohne Bargeld zu leben. Jedoch haben im letzten Jahr bereits ein Drittel aller Deutschen weniger Bares genutzt als zuvor. Das Forschungsinstitut EHI berichtet, dass rund 45 Prozent aller Zahlungen im Jahr 2016 durch elektronische Zahlungswege beglichen wurden. Nur die Hälfte der Deutschen findet das elektronische Bezahlen sicher, dem Bar zahlen vertrauen hingegen 80 Prozent.

Der Politik im Wege

Das Bar zahlen könnte abgeschafft werden. Finanzinstitute skizzieren bereits Ablaufpläne, die Europäische Union thematisiert die Abschaffung und will Bargeld- und Goldverbote durchsetzen. Für den Verbleib sprach sich zuletzt der wissenschaftliche Beirat des Wirtschaftsministeriums aus(wir berichteten). Laut Beiratsvorsitzenden Hans Gersbach von der ETH Zürich gibt es innerhalb der Politik und Banken viel Zustimmung für eine Bargeldabschaffung. Der Chefökonom der Bank of England hat sich bereits 2015 dazu bekannt.

Obwohl sich 84 Prozent ein bargeldloses Leben nicht vorstellen können, würden sich bei Wahlmöglichkeit schon 30 Prozent für das alternative Bezahlen entscheiden. Bereits für 2018 wird erwartet, dass die Kartenzahlung die Barzahlung als beliebteste Zahlungsmethode abgelöst haben wird. Langsam und leise entwöhnt man sich dem Besitz von Scheinen und Münzen. Was für den Verbraucher in Bezug auf die staatlichen Kontrolle nicht gut ist. Je mehr elektronische Bezahlmöglichkeiten es gibt, umso härter wird der Kampf für den Erhalt vom Bargeld.

Leichtes Spiel für Banken

Müssen Staatsschulden im Ernstfall von Bankguthaben getragen werden, können diese konfisziert werden. Ohne Devisen kann der Bankkunde sein Erspartes nicht abheben und retten. So wie es die Bürger in Griechenland getan haben, worauf hin die Banken für mehrere Tage schlossen und das Bargeld an Automaten knapp bis gar nicht mehr vorhanden war. Der größte Vorteil nach der Abschaffung, wäre für die Banken die leichte Durchsetzung von Negativzinsen, da alles gesparte Geld der Bürger auf der Bank sein würde. Anders als heutzutage, wo immer noch große Scheine unter der Matratze gehortet werden. Auch eine Frage der Zeit bis der Besitz von Gold erfasst und katalogisiert wird? Die Grenze für die Barzahlung beim Goldkauf wird dieses Jahr schon erneut nach unten korrigiert. Unter dem Deckmantel für den Kampf gegen die Geldwäsche versteht sich. In China und Indien wird der Besitz von Gold bereits eingegrenzt und sogar verboten.

Gold bleibt erstmal sicher

Noch kann Gold bis 15.000 Euro anonym gekauft werden( Ab Juli 10.000 Euro). Und das ist auch der größte Vorteil vom Hartgeld: Anonymität. Heute wo man fast alle personenbezogenen Daten zu Geld machen kann, ist Anonymität Gold wert. Ein Faktum, welches die EU nicht gerne sieht. Im Kampf gegen den Terrorismus und gegen die Geldwäsche soll am besten jeder Geldfluss bekannt sein. Ein Affront gegen jeden Bürger. Gold soll nach Einreise in ein EU-Land bei Verdachtsfall einkassiert werden, selbst Mobiltelefone stehen künftig unter Terrorverdacht, da man mit Prepaid-Karten Überweisungen tätigen kann. Wie schnell wird man vom Tourist zum Terrorist?

Wann man zum Verdachtsfall wird, erklärt die Europäische Union in ihrem Gesetzesvorschlag zum „Aktionsplan gegen Terrorfinanzierung“ nicht. Nur, dass jeder Bürger in Verdacht geraten kann, sein Bargeld, Gold und Mobiltelefon konfisziert und die Konten eingefroren werden können. Ohne Angabe von konkreten Gründen. Das Argument, Kriminelle hätten es schwerer Straftaten und sogar Terroranschläge durchzuführen wenn sie kein Bares inne haben, ist haltlos. Neben Kontakten zu Terrorzellen könnte man auch Kryptowährungen verwenden. Terroranschläge sind wohl noch nie an fehlenden Geldscheinen gescheitert.

Gegen ein Verbot der Barzahlung und einem Aufzwingen von Gebühren wird sich hoffentlich mit Kräften gewehrt. Auch Umfragen der Bundesbank oder Bitkom belegen, dass die Deutschen langfristig nicht auf den Besitz von Scheinen und Münzen verzichten wollen. Das Berliner Start-Up „Barzahlen“ bietet Verbrauchern sogar an, seine Online-Einkäufe im nächsten Supermarkt bar bezahlen zu können. Gold ist als sicherer Hafen nach wie vor beliebt und ist eine Investition, die in einem Anlageportfolio 10 bis 15 Prozent Bestand haben sollte. Wie lange wir aber noch die freie Auswahl haben, wie wir unser Abendessen bezahlen oder wie viel Gold wir anonym anlegen wollen, ist nicht vorhersehbar. Dass dem Bürger die freie Wahl erhalten bleiben sollte, steht außer Frage. Nur fragen Politik und Banken nicht.

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