Bargeldabschaffung: Die Deutschen bleiben dem Bargeld (noch) treu

Bargeldabhebung - istock.com

Eine neue Studie zeigt, dass das bargeldlose Zahlen zwar zunimmt, aber um Längen nicht so schnell wie in anderen Ländern. Dennoch ist es eine Frage der Zeit bis das Bargeld auch hierzulande an Bedeutung verliert. Speziell die jungen Generationen sind gewillt, auf Bargeld zu verzichten.

Beratungsgesellschaft Boston Consulting Group (BCG) veröffentlichte diese Woche ihren „Global Payments 2017“. Die Untersuchung belegt, dass die Deutschen weit stärker an Bargeld festhalten als andere Länder. Während im Vorreiterland Norwegen jährlich 269 bargeldlose Zahlungen durchgeführt werden, sind es in Deutschland nur 168.

Bargeldloses Zahlen wächst

Und auch wenn Deutschland in der Statistik den drittletzten Platz belegt: Zwischen 2010 und 2016 stiegen die bargeldlosen Transaktionen jährlich um sieben Prozent (Italien 4,5 %, Spanien 2,1 %). Eine Studie von Cap Gemini und BNP Paribas zeigt noch höhere Zahlen. Logisch, dass jüngere Generation einfacher vom bargeldlosen Bezahlen zu überzeugen sind als die älteren. Das Vertrauen ins Bezahlen per Smartphone wächst natürlich bei den Jüngeren. Die Bargeldabschaffung droht.

Zwar meint BGC überraschend, dass die bargeldlosen Zahlungen bis 2026 nur noch um drei Prozent jährlich steigen, doch liege das eher an der geringen Innovationsfreude Deutschlands. Zudem stiegen in den vergangenen Jahren die Zahlungen mit Kreditkarten und Onlineüberweisungen rasch an.

Deutschland hinkt beim Thema innovativen Ländern wie den USA, Australien und Schweden hinterher. „Deutschland war einmal Vorreiter bei Innovationen im Zahlungsbereich und im elektronischen Zahlungsverkehr, droht jetzt aber den Anschluss zu verlieren“, so Niclas Storz, BCG Senior Partner, zu den Ergebnissen der Studie. „Die Banken müssen dringend schnellere und einfachere Interaktionsmöglichkeiten mit den Kunden entwickeln. Hier sind ihnen die Fintechs teilweise deutlich überlegen. Sie brechen mit innovativen Lösungen im Zahlungsverkehr in profitable Geschäftsfelder der Banken ein und positionieren sich in den attraktiven Feldern der Kundenschnittstellen. Dies wird sukzessive zu sinkender Kundenloyalität und zum Abwandern von Erträgen führen“, mahnt Storz.

Laut BGC beliefen sich die bargeldlosen Transaktionen weltweit auf einen Gesamtwert von 1,2 Billionen US-Dollar. Bis 2026 soll dieser Wert auf 2,1 Billionen USD anwachsen. Schwellenländer werden auf den bargeldlosen Zug aufspringen und Fintechs werden neue Trends schaffen.

„In Skandinavien, den USA und Australien gehören bargeldlose Zahlungen deutlich stärker zum Alltag als etwa in Deutschland. Unabhängig von der Höhe der Transaktionen wird in diesen Ländern nahezu jede Transaktion bargeldlos abgewickelt. Teilweise wird in Skandinavien gar kein Bargeld mehr als Zahlung akzeptiert“, so Storz.

Bargeldabschaffung nimmt Fahrt auf

Bargeldloses Zahlen wird auf der Welt immer wichtiger – die Bargeldabschaffung kommt wohl ganz von alleine.

Zuletzt beklage das Bundeskartellamt den Zugang zum Bargeld. „Die Versorgung mit Bargeld ist für den Verbraucher schon heute mitunter schwierig, weil immer mehr Bankfilialen, Servicecenter und Geldautomaten geschlossen oder abgebaut werden“, sagt das Bundeskartellamt in einer aktuellen Untersuchung über Gebühren für das Geldabheben.

Die Banken sparen seit Jahren. Besonders der Filialabbau ist dabei ein gängiges Prozedere und für die Banken leidiges Thema. Laut Bankenverband gibt es in Deutschland rund 36.000 Filialen von Banken und Sparkassen, etwa 22 Prozent weniger als zehn Jahre zuvor.

Die Akzeptanz für digitales Bezahlen steigt. Das Ergebnis einer Allensbach-Studie, die im Auftrag des Vereins „Initiative Deutsche Zahlungssysteme“ erstellt wurde, zeigt, dass die Altersgruppe der 30 bis 44-Jährigen beim Zahlen lieber zur Karte, anstelle zu Bargeld greift. Im vergangenen Jahr lag der Anteil der Karten-Freunde noch bei 44 Prozent, mittlerweile sind es 51 Prozent. Die Tendenz geht also in die Richtung des digitalen Zahlens. Auch stieg die Akzeptanz bei den Jüngeren. Bei den 16 bis 29-Jährigen stieg der Anteil von 32 auf 38 Prozent. Zwar zahlen die ab 60-Jährigen nach wie vor lieber in bar (81 Prozent), dennoch ging die allgemeine Tendenz zur digitalen Zahlung von 29 Prozent im Vorjahr auf 32 Prozent rauf. Laut dem Marktforschungsunternehmens GfK besitzen 95 Prozent aller Bundesbürger ein Girokonto, welches von 75 Prozent auch zum Bezahlen der Einkäufe genutzt wird. Und dies soll für die Kunden noch einfacher und möglichst kontaktlos werden.

Visa spielt mit offenen Karten

Das Kreditunternehmen Visa startete in den USA eine neue Werbekampagne unter dem Namen Cashless Challenge. In diesem Wettbewerb werden kleine Unternehmen seit August mit einem Preisgeld von 10.000 Dollar veranlasst, ihre Rechnungen nur noch bargeldlos zu akzeptieren. „Für Visa bedeutet eine bargeldlose Kultur Bequemlichkeit, Sicherheit und eine vereinfachte Handhabung. Das bedeutet Freiheit – sowohl für Unternehmen, als auch für Kunden“, sagt Visa. Visa-Geschäftsführer Al Kelly sagte noch deutlicher: „Wir konzentrieren uns darauf, Bargeld aus dem Geschäft zu drängen“

Und natürlich hat die Bargeldabschaffung auch für Regierungen eine enorme Anziehungskraft, denn solche Systeme würden es ihnen ermöglichen, das Verhalten ihrer Bürger viel genauer zu beobachten und zu verfolgen. Argumentiert wird mit der Bekämpfung von Geldwäsche, Steuerhinterziehung und Terrorismus. Dass dieser Kampf mit der Abschaffung vom Bargeld begründet wird, besitzt jedoch keine empirischen Hintergründe.

Link zur Datei “Global Payments 2017”

(Titelbild: istock.com)

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